Metaplanet steckt in einer ungewöhnlichen Bewertungslücke: Der japanische Bitcoin-Investor notiert an der Börse inzwischen unter dem Wert seiner eigenen Kryptobestände. Das sogenannte mNAV-Verhältnis, das die Marktkapitalisierung des Unternehmens mit dem Wert seiner Bitcoin-Reserven vergleicht, fiel am Freitag auf ein Tief von 0,90x. Firmenchef Simon Gerovich reagierte prompt und erklärte, das Unternehmen ziehe Aktienrückkäufe „ernsthaft in Betracht“ – finanziert über eine bestehende, mit Bitcoin besicherte Kreditlinie von 500 Millionen Dollar.
Bewertung unter dem Bitcoin-Bestand
Ein mNAV unter 1,0 bedeutet, dass Anleger die Metaplanet-Aktie günstiger bewerten als die reinen Kryptoreserven im Bestand. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell im Aufbau einer Bitcoin-Bilanz besteht, ist das ein Warnsignal – zugleich aber auch eine Argumentationsgrundlage für Rückkäufe, da diese aus Sicht des Managements unterbewertete Anteile zurückholen würden. Der Aktienkurs bewegte sich am Freitag bei 1,23 Euro und legte im Tagesvergleich um 1,54 Prozent zu. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 44,91 Prozent, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 6,16 Euro liegt das Papier weiterhin rund vier Fünftel niedriger.
Rückkaufprogramm bislang ungenutzt
Die Ankündigung möglicher Rückkäufe steht in deutlichem Kontrast zur bisherigen Praxis. Wie das Unternehmen am 3. August mitteilte, wurden im Rahmen des laufenden Rückkaufrahmens bis zum 31. Juli keine einzige Aktie erworben – obwohl der Vorstand ein Volumen von bis zu 150 Millionen Aktien genehmigt hat. Die Diskrepanz zwischen Ankündigung und tatsächlicher Ausführung dürfte Anleger in den kommenden Wochen genau beobachten, zumal Gerovich nun erstmals konkret auf die Kreditlinie als Finanzierungsquelle verwiesen hat. Der Kurs notiert derzeit rund 34,45 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, was die anhaltende Schwäche gegenüber dem längerfristigen Trend unterstreicht.
Wachstumskurs trotz Kursdruck
Operativ hält Metaplanet am Ausbau seiner Bitcoin-Position fest. Im zweiten Quartal 2026 kaufte das Unternehmen 2.823 Bitcoin für 225 Millionen Dollar und erhöhte den Gesamtbestand damit auf 43.000 Bitcoin zum 30. Juni. Parallel dazu treibt Metaplanet die Diversifizierung seines Geschäfts voran: Zum 1. Juli schloss das Unternehmen die Übernahme der Tokioter Brokerage Siiibo Securities für rund 2,1 Milliarden Yen ab und benannte die Einheit in Metaplanet Securities um. Ergänzt wird dies durch „Project NOVA“, eine gemeinsame Studie mit dem Stablecoin-Emittenten JPYC und der Tokenisierungsplattform Progmat zur Entwicklung Bitcoin-besicherter Unternehmensanleihen, die in Yen-Stablecoins abgewickelt werden sollen.
Analystenblick und Termine
Der Analyst Mark Palmer von Benchmark bestätigte am 27. Juli seine Kaufempfehlung für Metaplanet mit einem Kursziel von 405 Yen und hob dabei insbesondere den strategischen Wert der Siiibo-Übernahme für den Aufbau Bitcoin-gebundener Finanzprodukte hervor. Anleger richten den Blick nun auf zwei nahe Termine: Am 13. August legt Metaplanet um 9 Uhr Tokioter Zeit die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 vor, wenige Tage später, am 17. August, ist der Stichtag für eine außerordentliche Hauptversammlung. Beide Termine dürften Aufschluss darüber geben, ob den Rückkauf-Ankündigungen tatsächlich Taten folgen.
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