Metaplanet hat gerade einen Meilenstein erreicht, der früher Euphorie ausgelöst hätte. Der Bestand liegt jetzt bei 43.000 Bitcoin, das entspricht rund 2,6 Milliarden Dollar. Damit ist das Unternehmen die drittgrößte Bitcoin-Schatzkammer der Welt, hinter Strategy und Twenty One Capital.
Die Aktie reagiert kaum. Sie notiert bei 1,15 Euro, 87,79 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 9,42 Euro.
Seit Jahresbeginn hat das Papier 48,42 Prozent verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 87,66 Prozent.
Das ist die Geschichte des Jahres 2026 für Bitcoin-Schatzkammer-Firmen: Die Kaufmaschine läuft weiter. Die Prämie, die früher jeden neuen Kauf belohnte, ist verschwunden.
Das Rad, das nicht mehr dreht
Der Mechanismus hinter Metaplanets Aufstieg war simpel und selbstverstärkend. Das Unternehmen gibt neue Aktien mit Aufschlag auf den Nettoinventarwert aus. Mit dem Erlös kauft es mehr Bitcoin. Steigende Bitcoin-Werte je Aktie rechtfertigen den Aufschlag.
Damit das funktioniert, müssen Investoren bereit sein, mehr für die Aktie zu zahlen als die Coins darunter wert sind. Genau diese Bereitschaft bricht gerade sektorweit weg.
Metaplanet gab neue Stammaktien bisher nur aus, wenn der Marktwert über dem Wert der Bitcoin-Bestände lag. Diese Kennzahl heißt mNAV, und sie ist der Kern des gesamten Geschäftsmodells. Sinkt die Prämie, wird jede Kapitalerhöhung zum Verlustgeschäft.
Metaplanet steht mit diesem Problem nicht allein da. Strategy hat dieses Modell einst erfunden. Diese Woche kündigte das Unternehmen an, Bitcoin im Wert von bis zu 1,25 Milliarden Dollar verkaufen zu können, um die Liquidität zu sichern. Neue Stammaktien will Strategy nur noch ausgeben, wenn die eigene mNAV wieder über eins steigt. Aktuell liegt sie bei 0,99.
Wenn der Platzhirsch der Branche über Verkäufe statt Käufe spricht, wackelt die gesamte Grundannahme dahinter: Schatzkammer-Firmen als dauerhafte, preisunabhängige Käufer.
Eine leisere Einnahmequelle
Neben dem Bitcoin-Bestand gibt es einen zweiten Wert, der genauer Betrachtung lohnt. Metaplanet betreibt ein optionsbasiertes Geschäft namens „Bitcoin Income Generation“, das die Kaufkosten abfedern soll. Dieses Geschäft ist deutlich abgekühlt.
Der Quartalsumsatz aus diesem Geschäft legte über mehrere Quartale kräftig zu, mit einem Höchststand von 4.241,8 Millionen Yen im vierten Quartal des Fiskaljahres 2025.
Seitdem geht es bergab: 2.969,3 Millionen Yen im ersten Quartal des laufenden Fiskaljahres, zuletzt nur noch 1.747,3 Millionen Yen im zweiten Quartal — ein Rückgang von rund 41 Prozent zum Vorquartal.
Der Mechanismus selbst funktioniert weiterhin. Optionsprämien fallen höher aus, wenn die Volatilität hoch ist, und schrumpfen in ruhigeren Marktphasen. Das zweite Quartal 2026 bot schlicht weniger Ausschläge als die turbulenten Monate zuvor. Trotzdem zeigt der Rückgang: Die Erzählung vom „selbstfinanzierenden“ Bitcoin-Aufbau war nie so sauber, wie die Bestandszahlen suggerierten.
Überverkauft, aber ungeklärt
Der Chart spiegelt diese Spannung wider. Die Aktie liegt 22,91 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 48,62 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI steht bei 37,8 und nähert sich überverkauftem Terrain. Rein technisch wirkt Metaplanet nach unten überdehnt.
Das 52-Wochen-Tief von 1,04 Euro wurde erst vor wenigen Tagen markiert, am 30. Juni. Der aktuelle Kurs liegt nur 10,47 Prozent darüber. Das Papier hat also wochenlang neue Tiefs gesucht, statt sich zu stabilisieren.
Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 68,78 Prozent, ein Wert, der aus gewöhnlichen Bitcoin-Schwankungen heftige Ausschläge in der Aktie macht. Der Kursanstieg von 5,52 Prozent innerhalb von sieben Tagen zeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Ein Meilenstein wie die 43.000 Bitcoin genügt dafür, selbst wenn die Wirkung nur kurz anhält.
Die Frage, die sich der ganze Sektor stellt
Metaplanets Strategie hat sich nicht geändert. Das Unternehmen verfolgt weiterhin ein ambitioniertes Ausbauziel, das weit über den aktuellen Bestand hinausgeht. Was sich geändert hat, ist die Bereitschaft des Marktes, für dieses Bekenntnis einen Aufschlag zu zahlen.
Was passiert mit einem Geschäftsmodell, das auf einem Aufschlag zum eigenen Vermögenswert aufbaut, sobald der Markt genau diesen Aufschlag verweigert? Diese Frage stellt sich derzeit die gesamte Branche der Bitcoin-Schatzkammern, von Strategy abwärts. Metaplanet ist dabei nur das jüngste und deutlichste Beispiel.
Bei einer Marktkapitalisierung von 1,39 Milliarden Euro gegenüber einem Bitcoin-Bestand im Milliardenwert ist diese Frage kein akademisches Gedankenspiel. Sie ist die gesamte Bewertungsdebatte der Branche, live und quartalsweise verhandelt.
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