Meta schaltet beim Thema künstliche Intelligenz zum Jahresende noch einmal einen Gang höher. Mit der Übernahme des singapurischen KI-Agenten-Entwicklers Manus für mehr als 2 Milliarden Dollar setzt der Konzern ein klares Zeichen: AI soll nicht nur Forschungsfeld sein, sondern direktes Umsatz- und Gewinnzentrum. Doch der Deal trifft auf einen Markt, der Meta wegen hoher Investitionen und schwankender Stimmung längst nicht mehr nur gefeiert betrachtet.
Strategischer Zukauf für WhatsApp und Meta AI
Die Manus-Übernahme passt exakt in Metas Plan, WhatsApp stärker zu monetarisieren und gleichzeitig den eigenen KI-Assistenten auszubauen. Manus entwickelt KI-Agenten, die weltweit bereits Millionen von Nutzern und Unternehmen bedienen – ein fertiges Produkt mit Reichweite, kein Experiment aus dem Labor.
Meta will die Technologie direkt in den eigenen Meta-AI-Assistenten integrieren. Besonders im Fokus stehen kleine und mittelgroße Unternehmen, die über KI-Agenten Kundenkommunikation und Service effizienter abwickeln können. Damit verknüpft Meta zwei Hebel: mehr Nutzung seiner Plattformen und höherwertige Werbe- und Serviceprodukte.
Rosenblatt-Analyst Barton Crockett vergleicht die Übernahme mit früheren Schlüsseldeals wie Instagram (2012) und WhatsApp (2014), die Meta langfristig stark verändert haben. Er behält sein Kursziel von 1.117 US-Dollar bei und sieht damit deutliches Potenzial nach oben. Auch die Bank of America bleibt bei einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 810 US-Dollar.
Wesentliche Eckpunkte der Manus-Transaktion:
- Übernahmewert laut Wall Street Journal: mehr als 2 Mrd. US-Dollar
- Integration der Manus-Technologie in den Meta-AI-Assistenten geplant
- KI-Agenten bedienen bereits Millionen Nutzer und Firmen weltweit
- Rosenblatt mit Kaufempfehlung und Kursziel 1.117 US-Dollar
- Bank of America mit Kaufempfehlung und Kursziel 810 US-Dollar
Gemischte Stimmung trotz Kurserholung
Trotz des positiven Newsflows ist die Aktie nicht im Höhenrausch. Der Titel schloss gestern bei 660,30 US-Dollar und liegt damit rund 7 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, gleichzeitig aber deutlich über dem Jahrestief und spürbar über zentralen Durchschnittslinien wie dem 50- und 200-Tage-Schnitt. Nach dem starken Anstieg der vergangenen 30 Tage von gut 18 % bleibt der Wert damit in einer Phase erhöhter Erwartung – und erhöhter Nervosität.
Genau hier setzt die Einschätzung von Baird-Analyst Colin Sebastian an. Er beschreibt Meta als „Bull-vs.-Bear-Schlachtfeld“ zum Jahreswechsel. Einerseits treiben AI-Fantasie, starke Werbezahlen und neue Produkte Kursziele nach oben; andererseits bleiben viele Investoren skeptisch, ob sich die enormen Investitionen in Rechenzentren und Hardware schnell genug bezahlt machen. Sebastian senkte sein Kursziel leicht von 820 auf 815 US-Dollar, behielt aber ein Outperform-Rating bei.
Hohe Investitionen drücken auf die Nerven
Fundamental präsentierte Meta im dritten Quartal 2025 starke Zahlen:
- Umsatz: 51,24 Mrd. US-Dollar, +26 % gegenüber Vorjahr
- Gewinn je Aktie (EPS): 7,25 US-Dollar, über den Markterwartungen
Trotz dieser Entwicklung sorgte vor allem der Blick nach vorn für Zurückhaltung. Das Management stellte für 2026 „deutlich höhere“ Investitionsausgaben (Capex) in Aussicht. Für 2025 wurde der Capex-Rahmen bereits auf 70–72 Mrd. US-Dollar angehoben, ein Großteil davon für KI-Infrastruktur wie Rechenzentren und spezialisierte Hardware.
Parallel dazu schreibt Reality Labs, die Metaverse-Sparte, weiter rote Zahlen: Im dritten Quartal fiel ein operativer Verlust von 4,43 Mrd. US-Dollar an – bei lediglich 470 Mio. US-Dollar Umsatz. Diese anhaltenden Verluste verstärken die Sorge, dass ein Teil des Investitionsbudgets auf längere Sicht kaum Ertrag bringt.
AI-Umsatzmaschine im Werbegeschäft
Weniger im Rampenlicht, aber für das Geschäftsmodell zentral, ist Metas KI-Werbeplattform Advantage+. CFO Susan Li bezifferte den aktuellen Umsatzrun-rate dieses Angebots auf rund 60 Mrd. US-Dollar jährlich – fast das Dreifache des Niveaus aus dem ersten Quartal 2025.
Damit etabliert sich Meta neben Nvidia als einer der größten direkten Profiteure der KI-Welle. Während Nvidia vor allem an der Hardware-Seite verdient, monetarisiert Meta AI unmittelbar über höhere Werbeeffizienz und bessere Aussteuerung von Anzeigen auf Facebook, Instagram und WhatsApp. Laut Analyse von Beth Kindig (I/O Fund) unterstreicht die Dynamik von Advantage+, wie unmittelbar sich KI-Fortschritte in harte Umsätze übersetzen können.
Nächste Impulse: Zahlen und neue Modelle
Der nächste harte Test steht bereits fest: Am 28. Januar 2026 legt Meta die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Der Konzern hat einen Umsatzkorridor von 56 bis 59 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt. Parallel dazu plant der Chief AI Officer, im ersten Halbjahr 2026 zwei neue KI-Modelle zu starten: das Sprachmodell „Avocado“ sowie das Bild- und Video-Generierungsmodell „Mango“.
Auf Analystenseite bleibt der Grundton positiv: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 820,22 US-Dollar, basierend auf 39 Kaufempfehlungen, vier starken Kaufratings und sieben Halteempfehlungen. Bewertungsseitig wird Meta derzeit mit etwa dem 29‑fachen der vergangenen Gewinne und dem 22‑fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Entscheidend für die nächsten Monate wird sein, ob Meta mit Manus, Advantage+ und den neuen Modellen zeigen kann, dass die hohen KI-Investitionen nicht nur Vision, sondern zunehmend berechenbare Ertragsquellen sind.
