Meta Platforms erholt sich am Freitag etwas, die Aktie steigt um 2,38 Prozent auf 478,85 Euro. Die Erleichterung kommt nach einer brutalen Woche. Ein Blick in die jüngsten Unternehmenspapiere zeigt, warum Analysten reihenweise ihre Kursziele kappten.
Fast 700 Milliarden Dollar an künftigen Verpflichtungen
Meta hat in einer Pflichtmitteilung offengelegt, wie tief der Konzern bereits in seine KI-Zukunft verpflichtet ist. Fast 700 Milliarden Dollar an künftigen Ausgaben stecken in langfristigen und kurzfristigen Verträgen für Rechenzentren, Cloud-Computing und verwandte Infrastruktur.
Davon sind 349,3 Milliarden Dollar nicht kündbare vertragliche Verpflichtungen. Sie betreffen vor allem Cloud-Deals mit Drittanbietern, Server und Netzwerktechnik. Meta selbst betont: Die tatsächliche Summe könnte noch höher liegen, weil bei Verträgen mit variablen Bedingungen nur die Mindestmengen eingerechnet werden.
Ein großer Teil davon sind Leasingverpflichtungen für Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur. Sie belaufen sich auf rund 278,99 Milliarden Dollar und laufen über Zeiträume von einem Jahr bis zu 30 Jahren. Im Juli 2026 kamen weitere Leasingverträge über etwa 68 Milliarden Dollar hinzu, mit Laufzeiten von 18 bis 20 Jahren.
Analysten kappen ihre Kursziele reihenweise
Diese gewaltigen Summen, veröffentlicht zusammen mit gemischten Zahlen zum zweiten Quartal, lösten eine breite Welle von Kurszielsenkungen aus. Susquehanna reduzierte sein Ziel von 900 auf 650 Dollar, behält aber die positive Einstufung bei. Baird-Analyst Colin Sebastian senkte sein Ziel von 830 auf 750 Dollar und bleibt bei „Outperform“.
Weitere große Häuser zogen nach. DA Davidson-Analyst Gil Luria kappte sein Kursziel von 850 auf 700 Dollar, hält aber an „Buy“ fest. Evercore ISI-Analyst Mark Mahaney senkte von 930 auf 820 Dollar, Goldman Sachs von 815 auf 725 Dollar. Auch Scotiabank schloss sich der Bewegung an.
Trotz der Kürzungen wurde kaum ein Analyst grundsätzlich negativ. Guggenheim und Rosenblatt behalten ihre Kaufempfehlung, Mizuho bleibt bei „Outperform“, Susquehanna bei „Positive“. Susquehanna begründet seine Haltung damit, dass sich die KI-Investitionen von Meta langfristig auszahlen dürften.
Beim Umsatz lieferte Meta durchaus solide Zahlen. Das zweite Quartal brachte 60,8 Milliarden Dollar ein, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf währungsbereinigter Basis. Die Werbeerlöse legten um 26 Prozent zu.
Sonderkosten trüben das Bild
Ein Teil der Gewinnschwäche, die zu den Kurszielsenkungen führte, stammt aus Einmaleffekten. Meta verbuchte 2,4 Milliarden Dollar an Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Hinzu kommen 1,2 Milliarden Dollar Abfindungskosten für den Stellenabbau im Mai 2026, von dem rund 8.000 Mitarbeiter betroffen waren.
Rechnet man diese Sonderposten heraus, ändert sich das Bild deutlich. Das operative Ergebnis wäre um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und läge damit über den Erwartungen der Analysten. Auch der Gewinn je Aktie hätte die Prognosen übertroffen.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Der RSI-Wert von 35,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie nach dem heftigen Ausverkauf seit den Quartalszahlen. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Handelstage liegt bei 53,44 Prozent — ein Zeichen dafür, wie nervös der Markt die KI-Investitionen von Meta gegen deren künftige Erträge abwägt.
Die Freitags-Erholung ändert wenig am grundsätzlichen Bild: Anleger müssen abwarten, ob sich die milliardenschweren Wetten auf KI-Infrastruktur in den kommenden Quartalen in tatsächlichem Wachstum niederschlagen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Test dafür, wie viel Geduld der Markt mit Zukunftsinvestitionen dieser Größenordnung noch aufbringt.
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