Vier US-Bundesstaaten fordern von Meta Platforms eine Strafzahlung von 1,4 Billionen Dollar. Der Vorwurf: Der Konzern habe Facebook und Instagram gezielt so gestaltet, dass Kinder süchtig werden. Die Summe kommt der gesamten Marktkapitalisierung des Unternehmens von 1.488,20 Milliarden Euro erschreckend nahe.
Beispiellose Forderung vor Gericht in Kalifornien
Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey haben am 13. Juli 2026 ihre Schadensersatzforderung offengelegt. Sie werfen Meta vor, wissentlich Suchtmechanismen für junge Nutzer eingebaut zu haben. Meta selbst nennt die Forderung „beispiellos“.
Der Prozess startet im August 2026 in Oakland vor Bundesrichterin Yvonne Gonzalez Rogers. Ein Präzedenzfall liegt bereits vor: Im März 2026 sprach eine Jury in New Mexico in einem ähnlichen Fall 375 Millionen Dollar Entschädigung zu. Die neue Forderung übertrifft diesen Betrag um ein Vielfaches.
Meta baut trotz Rechtsstreit massiv aus
Während der Rechtsstreit eskaliert, treibt Meta seine Infrastruktur-Offensive unbeirrt voran. Das Datacenter-Projekt „Hyperion“ in Louisiana hat sein Investitionsvolumen auf über 50 Milliarden Dollar erhöht. Die geplante Kapazität wächst von ursprünglich 2 Gigawatt auf nun 5 Gigawatt.
Im Rahmen einer 20-jährigen Vereinbarung steckt Meta rund eine Milliarde Dollar in lokale Infrastruktur. Zusätzlich sichert der Konzern lokalen Unternehmen Aufträge im Wert von 1,6 Milliarden Dollar. Der Energieversorger Entergy plant für den enormen Strombedarf zusätzliche 7.500 Megawatt durch neue Gaskraftwerke, Batteriespeicher und Kernkraft-Upgrades.
Der eigene KI-Chip „Iris“ geht im September 2026 in Produktion. Meta entwickelt den Chip zusammen mit Broadcom, TSMC übernimmt die Fertigung. Eine sechswöchige Testphase ist bereits abgeschlossen. Bis 2027 will Meta damit eine Gesamtrechenleistung von 14 Gigawatt erreichen.
Analysten bleiben trotz Kurskorrektur optimistisch
Die hohen Investitionen bleiben nicht ohne Folgen für Analystenschätzungen. UBS senkte am 13. Juli das Kursziel für Meta von 865 auf 766 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Begründet wird der Schritt mit einem starken Werbegeschäft im Juni, das jedoch durch den aggressiven Investitionszyklus belastet wird.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 sprechen für sich: Der Umsatz kletterte auf 56,31 Milliarden Dollar, ein Plus von 33 Prozent im Jahresvergleich. Diese Wachstumsdynamik stützt aktuell die Bewertung des Konzerns trotz der drohenden Milliardenstrafe.
Aktie zeigt sich robust
Die Meta-Aktie schloss am Montag bei 577,30 Euro. Binnen sieben Tagen legte der Kurs um 7,07 Prozent zu, auf Monatssicht sogar um 12,80 Prozent. Damit liegt die Aktie 11,30 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 518,68 Euro.
Der Blick auf die Jahresbilanz zeigt allerdings ein gemischtes Bild. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 3,98 Prozent, auf Zwölfmonatssicht dagegen ein Minus von 6,56 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 677,80 Euro aus dem Juli 2025 bleibt die Aktie noch 14,83 Prozent entfernt.
Der August-Prozess in Oakland wird zum entscheidenden Termin. Dort entscheidet sich, ob aus der Rekordforderung eine reale finanzielle Belastung wird oder ob Meta die Klage abwehren kann. Bis dahin bleibt der Aktienkurs zwischen zwei gegenläufigen Kräften gefangen: robustem Wachstum im KI-Geschäft auf der einen, einem historisch hohen Rechtsrisiko auf der anderen Seite.
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