Die kanadische Bundesregierung unterstützt die Modernisierung des Zellstoffwerks Peace River von Mercer International mit einer Finanzspritze in Millionenhöhe. Wie gestern bekannt wurde, stellt der Staat über das Programm PrairiesCan insgesamt 20 Millionen Kanadische Dollar (CAD) zur Verfügung.
Die Maßnahme erfolgt im Rahmen der sogenannten Regional Tariff Response Initiative und soll dem Unternehmen dabei helfen, die Effizienz des Standorts zu steigern und die Produktionsprozesse ökologisch zu transformieren.
Finanzielle Struktur der Förderung
Die finanzielle Unterstützung in Höhe von rund 14 Millionen US-Dollar ist in zwei Tranchen unterteilt. Während eine Million CAD als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt wird, handelt es sich bei den verbleibenden 19 Millionen CAD um ein rückzahlbares Darlehen.
Die Rückzahlung dieser Mittel soll erst im Jahr 2031 beginnen, was dem Unternehmen kurzfristig finanziellen Spielraum verschafft. Ministerin Eleanor Olszewski verkündete die Investition am gestrigen Donnerstag als Teil einer Strategie, die heimische Industrie gegen internationalen Preisdruck und Handelshemmnisse zu wappnen.
Diese Mittel sind für Mercer International von erheblicher Bedeutung, da das Unternehmen erst vor gut drei Wochen Zweifel an der Fortführung der Geschäftstätigkeit eingeräumt hatte. Der nun gesicherte Kapitalzufluss unterstützt den laufenden Transformationsplan des Konzerns, der eine Modernisierung der Anlagen und der Ausrüstung vorsieht.
Strategische Neuausrichtung und Bio-Energie
Ziel der Investitionen im Werk Peace River ist eine Verschiebung des Produktionsschwerpunkts hin zu einem profitableren Mix aus Hartholz- und Weichholz-Zellstoffen. Neben der reinen Zellstoffproduktion plant Mercer den Ausbau der Kapazitäten im Bereich Bio-Energie und die Implementierung von Technologien zur Kohlenstoffabscheidung (Carbon Capture).
Durch diese Maßnahmen soll die Rentabilität des Standorts nachhaltig verbessert werden, nachdem Restrukturierungen und schwache Quartalsergebnisse das Unternehmen vor gut drei Wochen bereits unter massiven Druck gesetzt hatten.
Krisenstimmung in der kanadischen Forstwirtschaft
Die staatliche Hilfe kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Forstindustrie in British Columbia mit einer schweren Krise kämpft. Berichten zufolge erreichte der Sektor zuletzt einen „Breaking Point“, was sich unter anderem am 20. August in der Stilllegung des Howe-Sound-Werks durch den Konkurrenten Domtar und dem damit verbundenen Verlust von 400 Arbeitsplätzen zeigte.
Sinkende Erntemengen und hohe Zölle belasten die Branche schwer; der Anteil des Sektors am regionalen Bruttoinlandsprodukt sank innerhalb eines Jahrzehnts von 5 % auf nur noch 1,6 %.
Für die Anleger von Mercer International stellt die Nachricht einen dringend benötigten Hoffnungsschimmer dar. Die Aktie, die seit Jahresbeginn einen Kursverlust von 80 % verzeichnete, notierte zum Handelsschluss am Donnerstag bei 0,3406 €. Damit bewegt sich das Papier weiterhin gefährlich nah an seinem 52-Wochen-Tief, zu dem aktuell lediglich ein Abstand von 1,5 % besteht. Die Modernisierung in Peace River gilt nun als ein entscheidender Faktor, um die operative Wende einzuleiten.
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