Am Mittwoch hat Mercedes-Benz eine verbindliche Serienvereinbarung mit dem britischen KI-Start-up Wayve getroffen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Software „Wayve AI Driver“ für Fahrassistenzfunktionen im Stadt- und Autobahnverkehr in künftige Fahrzeuge integriert werden. Als Zielzeitraum für den Serieneinsatz peilt der Autobauer das Jahr 2028 an.
Der technologische Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltenden Kursschwäche an den Finanzmärkten. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 32 Prozent und notiert derzeit bei 41,12 Euro. Anleger blicken entsprechend vorsichtig auf die operative Entwicklung des Stuttgarter Konzerns.
Denn während Investitionen in autonome Fahrsysteme die Zukunftsfähigkeit sichern sollen, gerät das angestammte Kerngeschäft zunehmend unter Druck. Schwächelnde Absatzzahlen und ein intensiver Wettbewerb dämpfen die Ertragskraft spürbar.
Margendruck durch China-Schwäche
Im zweiten Quartal 2026 fiel der Konzernumsatz auf 32,06 Milliarden Euro zurück, während das EBIT bei 1,55 Milliarden Euro lag. Vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt verloren die Stuttgarter an Boden: Dort brachen die Pkw-Auslieferungen um 30 Prozent ein.
Hinzu kam eine Wertminderung auf Gemeinschaftsunternehmen in China über 704 Millionen Euro, während die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte bei 4,0 Prozent lag. Die Zahlen spiegeln wider, wie stark die Abhängigkeit von der dortigen Nachfrage auf das Konzernergebnis durchschlägt.
Für das Management bedeutet dieser Abwärtstrend einen erhöhten Handlungsdruck, um die Kostenstrukturen zügig an das veränderte Marktumfeld anzupassen.
Kostensenkungen im Heimatmarkt
Medienberichten zufolge strebt der Konzern Einsparungen bei den deutschen Arbeitskosten von 800 Millionen Euro an. Als potenzielle Hebel gelten eine unentgeltliche Mehrarbeit sowie Einschnitte bei Weihnachts- und Urlaubsgeldern oder Sonderzahlungen.
Um den Sparforderungen Nachdruck zu verleihen, drohte Produktionsvorstand Michael Schiebe laut Medienberichten mit der Schließung eines Pkw-Werks sowie eines Powertrain-Werks in Deutschland. Flankierend dazu hatte das Unternehmen vor über einem Monat den Verkauf seiner Berliner Niederlassungen an Global Auto Holdings vereinbart, dessen Vollzug für Ende 2026 vorgesehen ist.
Die geplanten Maßnahmen verdeutlichen die Schärfe der anstehenden Einschnitte an den heimischen Standorten.
Zurückhaltende Analystenstimmen
Die verhaltene Verfassung des Unternehmens spiegelt sich auch in den jüngsten Analystenkommentaren wider. Am 16. September senkte das Analysehaus Berenberg das Kursziel von 56 auf 52 Euro und beließ das Votum auf „Hold“. Analyst Romain Gourvil begründete die Anpassung mit dem Mangel an kurzfristig wirksamen positiven Impulsen.
Bereits am 14. September hatte Bernstein Research die Einstufung „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 56 Euro bestätigt. Analyst Harry Martin verwies dabei auf die anhaltenden Herausforderungen in China. Neue Einblicke in die finanzielle Verfassung verspricht der 28. Oktober, wenn Mercedes-Benz den Zwischenbericht für das dritte Quartal 2026 vorlegt.
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