Starke Autos, schwache Kurse. Bei Mercedes-Benz klaffen operative Pläne und die Realität an der Börse weit auseinander. Nach monatelangem Abwärtsdruck sendet der Chart nun ein erstes Lebenszeichen.
Am vergangenen Donnerstag markierte der Titel bei 43,99 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Am Freitag retteten die Käufer das Papier mit einem leichten Plus auf 45,09 Euro ins Wochenende. Das formte ein technisches Umkehrsignal.
Marktbeobachter werten dieses Muster oft als nachlassenden Verkaufsdruck. Der Relative-Stärke-Index stützt diese These. Er notiert mit einem Wert von 32,5 weiterhin im überverkauften Bereich.
Die mittelfristige Bilanz bleibt trüb. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie fast 27 Prozent an Wert. Der Abstand zur wichtigen 200-Tage-Linie beträgt aktuell rund 18 Prozent. Der übergeordnete Abwärtstrend ist damit völlig intakt.
Elektro-Offensive im Van-Segment
Parallel zur schwachen Börsenphase treibt Stuttgart die Produktpipeline voran. Der Konzern bereitet den Marktstart des Mercedes VLE vor. Diese neue Elektro-Luxuslimousine im Großraum-Format zielt direkt auf Tesla und chinesische Premium-Anbieter.
Das Fahrzeug nutzt eine 800-Volt-Architektur. Eine große Batterie ermöglicht Reichweiten von über 700 Kilometern. Die hohe Ladeleistung drückt die Wartezeiten an der Säule massiv.
In kurzer Zeit fließt Strom für weitere 355 Kilometer in den Akku. Der Marktstart für das Basismodell ist für September 2026 geplant. Der Einstiegspreis liegt bei gut 82.000 Euro.
Makro-Gegenwind aus Fernost
Neben dem harten Wettbewerb belasten makroökonomische Faktoren den Automobilsektor. Das Chinageschäft bereitet zunehmend Sorgen. Eine schwache Bewertung des Yuan drückt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller spürbar.
Das Handelsbilanzdefizit mit China erreichte im vergangenen Jahr rund 90 Milliarden Euro. Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft schlagen Alarm. Die aktuelle Währungssituation kostet Deutschland bis 2028 voraussichtlich 43 Milliarden Euro an Wirtschaftswachstum.
Kein Wunder. In Brüssel diskutieren Politiker daher verstärkt über Ausgleichszölle. Diese sollen die Bedingungen für europäische Autobauer wieder angleichen.
Wichtige Datenpunkte voraus
In der neuen Handelswoche rücken fundamentale Daten in den Fokus. Am 23. Juni veröffentlicht der Branchenverband ACEA die europäischen Neuzulassungen. Diese Zahlen liefern wichtige Hinweise zur aktuellen Nachfrage.
Auch die interne Finanzkraft bleibt ein Thema. Mercedes-Benz zahlt aktuell eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie. Das Management plant für das laufende Jahr mit einem freien Cashflow in Milliardenhöhe. Verteidigt die Aktie in den kommenden Tagen die Marke von 45 Euro, rückt die nächste Widerstandslinie bei knapp 50 Euro ins Visier.
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