US-Zölle, Verzögerungen in der Produktion und verhaltene Analystenstimmen – gleich mehrere Belastungsfaktoren treffen die Mercedes-Benz Aktie zur gleichen Zeit. Für einen Premiumhersteller, der stark auf den US-Markt setzt, ist das ein heikler Mix. Wie stark schränkt diese Kombination die Perspektiven kurzfristig ein?
Handelskonflikt als Hauptbelastung
Auslöser der jüngsten Nervosität ist die erneute Eskalation im Handelsstreit mit den USA. Donald Trump plant ab dem 1. Februar Strafzölle von 10 Prozent auf Importe aus Deutschland und anderen EU-Staaten. Zum 1. Juni sollen diese Abgaben dann auf 25 Prozent steigen.
Für exportorientierte Hersteller wie Mercedes-Benz wäre das ein direkter Angriff auf die Profitabilität im wichtigen US-Markt. Bloomberg Intelligence rechnet für die betroffenen europäischen Autobauer mit einem potenziellen Gewinnrückgang von rund 3 Milliarden Euro pro Jahr. Höhere Zölle drücken entweder die Margen – oder die Preise für Kunden steigen, was die Nachfrage schwächen kann.
Die unmittelbare Reaktion an der Börse fiel entsprechend deutlich aus: In der Spitze verlor die Aktie nach Bekanntwerden der Drohungen mehr als 6 Prozent. Heute kann sich das Papier leicht stabilisieren und notiert bei 57,74 Euro, knapp über dem Vortagesschluss von 57,54 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Kurs zwar noch rund 2,65 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn steht jedoch ein Minus von 6,77 Prozent zu Buche – die Belastung ist also klar sichtbar.
Auffällig ist dabei auch die technische Lage: Mit einem Abstand von gut 17 Prozent zum 52‑Wochen-Hoch bei 70,10 Euro und einem Kurs knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt bei 60,35 Euro sucht die Aktie nach Orientierung. Der RSI von 36,3 signalisiert bereits eine angeschlagene Stimmung, ohne dass der Titel technisch klar überverkauft wäre.
Produktionspläne in den USA geraten ins Stocken
Parallel zum politischen Gegenwind kommen operative Fragezeichen hinzu. CEO Ola Källenius bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass der geplante Ausbau der Produktion im US-Werk Tuscaloosa (Alabama) später als geplant kommt.
Der Produktionsstart für das Nachfolgemodell des populären SUV GLC verschiebt sich auf „etwas später als 2027“. Zuvor war 2027 als klares Ziel genannt worden. Offiziell handelt es sich laut Källenius um eine langfristige strategische Entscheidung und nicht um eine direkte Reaktion auf den aktuellen Zollstreit.
Trotzdem ist das Signal an die Märkte ungünstig: Die Flexibilität in der Fertigung ist geringer als erhofft. Eine schnelle Verlagerung zusätzlicher Kapazitäten in die USA, um mögliche Strafzölle zu umgehen, ist damit kurzfristig kaum realistisch. In Kombination mit den drohenden Abgaben verstärkt das den Eindruck, dass der Konzern auf die neue Handelsrealität nur begrenzt reagieren kann.
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Zahlen, Dividende und Analysten im Überblick
Die jüngste Entwicklung spiegelt sich auch in den Kennzahlen und Einschätzungen wider. Die Marktkapitalisierung ist im Jahresvergleich um über 3 Prozent auf rund 57,15 Milliarden Euro gesunken. Auch die Rendite auf das Gesamtvermögen (ROA) ist deutlich zurückgegangen – ein klares Zeichen, dass die Kapitalverwertung unter Druck steht.
Einige Eckpunkte:
- Dividendenrendite: Rund 7,54 % auf Basis der Ausschüttung 2025
- Verschuldung: Verbindlichkeiten bei etwa 172,39 Mrd. Euro
- Aktienrückkauf: Weiterlaufende Rückkaufprogramme, bislang ohne spürbare Stützung des Kurses
Für einkommensorientierte Anleger bleibt die hohe Dividendenrendite ein Argument, sie ist jedoch vor dem Hintergrund der schwächeren Profitabilität ambivalent zu bewerten. Parallel dazu steigen die Verbindlichkeiten leicht, was in einem unsicherer werdenden Umfeld das Risikoprofil erhöht.
Auf Analystenseite überwiegt Zurückhaltung. Barclays stuft den Titel weiterhin mit „Equal Weight“ ein. Jefferies bleibt bei „Hold“ und nennt ein Kursziel von 65 Euro. Das impliziert zwar einen gewissen Aufschlag gegenüber dem aktuellen Niveau, signalisiert aber keinen klaren Optimismus.
Diversifizierung über Immobilienprojekte
Abseits des Kerngeschäfts setzt der Konzern auf neue Erlösquellen. In Dubai treibt Mercedes-Benz gemeinsam mit dem Entwickler Binghatti ein großes Immobilienprojekt voran. Geplant sind mehr als 13.000 Luxus-Wohneinheiten.
Strategisch zeigt das den Versuch, die Marke über das Automobil hinaus in weiteren Lifestyle- und Premiumsegmenten zu verankern. Angesichts der akuten Risiken durch mögliche US-Zölle und die Verzögerungen bei der US-Produktion wirkt dieses Projekt an der Börse jedoch eher wie ein Nebenschauplatz. Die zentralen Belastungsfaktoren im Fahrzeuggeschäft lassen sich damit kurzfristig nicht ausgleichen.
Fazit: Belastungen überlagern Chancen
Die Mercedes-Benz Aktie steckt in einer schwierigen Konstellation: Auf der einen Seite drohen Strafzölle von bis zu 25 Prozent auf US-Importe, auf der anderen Seite verzögert sich der Ausbau der US-Produktion beim wichtigen GLC-Nachfolgemodell. Dazu kommen rückläufige Renditekennzahlen, eine nur begrenzt stützende Aktienrückkaufpolitik und zurückhaltende Analystenurteile.
Solange die Zollpläne der US-Regierung nicht entschärft werden oder der Konzern keine klaren Gegenmaßnahmen präsentieren kann, bleibt das Abwärtsrisiko erhöht. Kurzfristig dürften daher vor allem politische Signale aus Washington sowie konkrete Fortschritte bei der Produktionsplanung in den USA entscheidend dafür sein, ob sich der Kurs von den aktuellen Verlusten lösen kann.
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