Die Mercedes-Benz-Aktie steigt am Mittwoch um über 6 Prozent, obwohl der Stuttgarter Konzern einen dramatischen Gewinneinbruch verzeichnet. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Befreiungsschlag für die Anleger.
Der operative Gewinn (EBIT) brach im dritten Quartal um mehr als zwei Drittel auf nur noch 750 Millionen Euro ein. Die Umsätze sanken um 7 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Haupttreiber dieser ernüchternden Entwicklung sind die laufenden Restrukturierungskosten von 876 Millionen Euro sowie die schwierigen Marktbedingungen in China und den USA.
Doch warum reagieren die Anleger so positiv auf diese scheinbar schlechten Nachrichten?
Die Überraschung steckt im Detail
Entscheidend ist die bereinigte operative Marge im Kerngeschäft: Diese kletterte leicht auf 4,8 Prozent – und übertraf damit die Analystenschätzungen von nur 4,0 Prozent deutlich. Jefferies sprach von einem „komfortablen Beat“ across allen Sparten.
Besonders beeindruckend: Der freie Cashflow erreichte 1,4 Milliarden Euro und lag damit weit über den Erwartungen von 787 Millionen Euro. Für RBC-Experte Tom Narayan entspricht diese Überraschung dem bisherigen Verlauf der Berichtssaison im Autosektor – die meisten Hersteller schlagen die niedrigen Erwartungen.
Aktienrückkauf als Sahnehäubchen
Als zusätzliche Überraschung kündigte Mercedes-Benz ein Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden Euro für die kommenden 12 Monate an. Diese Nachricht dürfte maßgeblich für den Kurssprung verantwortlich sein, da sie das Vertrauen des Managements in die eigene Geschäftsentwicklung unterstreicht.
JPMorgan-Analyst Jose Asumendi bewertete das Quartal als „sehr stark im Kontext des globalen Zoll- und Wirtschaftsumfelds“. Die bestätigte Jahresprognose mit einer erwarteten Marge zwischen 4 und 6 Prozent zeigt: Mercedes steuert sicher durch die turbulente Phase.
Die Anleger scheinen zu verstehen: Dieser Gewinneinbruch ist der Preis für die notwendige Transformation. Mit der Aktie bei 57,46 Euro signalisiert der Markt Vertrauen in die Zukunft des Premiumherstellers.
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