Die Produktion von Mercedes-Benz im Heimatland steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt. Produktionsvorstand Michael Schiebe stellte vor der Belegschaft klar, dass der Stuttgarter Konzern bei ausbleibenden Einsparungen zwei deutsche Fabriken schließen muss.
Betroffen wären demnach ein Montagewerk sowie ein Komponentenwerk für Antriebe. Der Autobauer begründet diesen Schritt mit mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit und hohen Lohnkosten.
Verschärfter Sparkurs trifft Fertigungsnetzwerk
Bislang galt der Erhalt aller inländischen Standorte als gesetzt. Schiebe betonte zwar, dass dies weiterhin das primäre Ziel des Vorstands bleibe, knüpfte dies jedoch an Bedingungen für die Kostensenkung. Sollte eine Einigung mit der Arbeitnehmerseite scheitern, droht das Aus für zwei Betriebsstätten.
Bei den Fahrzeugwerken kommen in Deutschland lediglich drei Standorte infrage: Sindelfingen, Rastatt und Bremen. Im Bereich der Antriebs- und Komponentenwerke verteilen sich die Aktivitäten auf sieben Standorte, darunter Stuttgart-Untertürkheim, Berlin und Hamburg. Welche Werke im Ernstfall zur Disposition stünden, ließ das Management bislang offen.
Den Hintergrund der verschärften Gangart bildet der anhaltende Druck durch ein schwächeres Geschäft in China sowie US-Handelszölle. Zugleich baut der Konzern seine Kapazitäten im Ausland aus. Am ungarischen Standort Kecskemét, der mittlerweile zur größten europäischen Fertigungsstätte des Unternehmens herangewachsen ist, liegen die Lohnkosten laut Unternehmenskreisen rund 70 bis 75 Prozent unter dem deutschen Niveau.
Streit um Mehrarbeit und Sonderzahlungen
Um die Fabriken im Inland rentabel zu halten, fordert die Unternehmensleitung Zugeständnisse der Belegschaft. Nach Angaben des Handelsblatts drängt das Management auf eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden ohne zusätzlichen Lohnausgleich. Zudem stehen Anpassungen bei der jährlichen Erfolgsbeteiligung sowie beim Weihnachts- und Urlaubsgeld im Raum.
Die Arbeitnehmervertretung weist diese Vorstöße entschieden zurück. Der stellvertretende Konzernbetriebsratschef Michael Häberle bezeichnete die Pläne als Horrorkatalog und betonte, dass die Positionen beider Seiten meilenweit auseinanderlägen. Die Belegschaft fordere tragfähige Zukunftskonzepte für die Standorte, statt sich von der internationalen Konkurrenz treiben zu lassen.
Begleitet werden die Spannungen von wachsender Unruhe in der Industrie. Bundesweit beteiligten sich am Montag rund 175.000 Beschäftigte der Automobil- und Zulieferbranche an Kundgebungen der IG Metall gegen Personalabbau, darunter etwa 20.000 Mitarbeiter in Sindelfingen.
Anleger bleiben vorsichtig
Für die Aktionäre verdeutlicht der offene Konflikt den immensen Anpassungsdruck, unter dem der Stuttgarter Automobilhersteller steht. Die schwächelnde Nachfrage in zentralen Absatzmärkten und der technologische Umbau belasten die Ertragsaussichten seit Monaten.
Am Aktienmarkt spiegeln sich diese strukturellen Belastungen wider. Das Papier von Mercedes-Benz notiert am heutigen Dienstag bei 43,38 Euro und büßte seit Jahresbeginn bereits 28 Prozent an Wert ein.
Ein tragfähiger Kompromiss mit den Arbeitnehmern gilt als wichtige Voraussetzung, um die Kostenbasis der deutschen Werke an das veränderte Marktumfeld anzupassen. Am 28. September wollen sich Vorstandschef Ola Källenius und Produktionsleiter Schiebe den Fragen der Mitarbeiter in Stuttgart stellen.
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