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Mercedes-Benz Aktie: EQE und AMG S63 gestrichen

Mercedes-Benz plant neue Abfindungen und streicht Modelle; sinkende Gewinne und schwache China-Verkäufe belasten den Konzern.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Tief
  • Abfindungsprogramm für Dezember 2026 geplant
  • Mehrere Modelle für 2027 entfallen
  • Pkw-Absatz in China sank um 30 Prozent

Sparmaßnahmen und Modellbereinigung treffen auf Mehrjahrestiefs

Vor den Aktionären von Mercedes-Benz liegt eine richtungsweisende Weichenstellung. Der Autobauer steht an den Finanzmärkten unter anhaltendem Druck. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier bei 40,20 Euro. Damit bewegt sich die Aktie lediglich 1,1 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 39,77 Euro.

In dieser angespannten Lage verschärft der Konzern seinen Sparkurs. Das Management plant, im Dezember 2026 ein freiwilliges Abfindungsprogramm wieder aufzulegen. Die Maßnahme richtet sich an Beschäftigte in den Bereichen Verwaltung, Finanzen und Entwicklung. Erstmals sollen auch Führungskräfte einbezogen werden.

Parallel dazu bereinigt das Unternehmen sein Fahrzeugangebot für das Modelljahr 2027. Gestreicht werden reine Elektromodelle wie die EQE-Limousine sowie die sportliche Variante AMG EQE. Zudem entfallen Spitzenmodelle wie der AMG S63 E Performance und das Luxus-SUV Mercedes-Maybach EQS680. Für Anleger kommt dieser Doppelschlag zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Maßnahmen verdeutlichen den Handlungsdruck auf Vorstandsebene.

Die Belastbarkeit der Ertragsbasis steht im Mittelpunkt

Die Kernfrage für Investoren lautet: Gelingt es mit diesem Kurs, den Gewinneinbruch nachhaltig zu stoppen? Die Ertragskennzahlen der jüngsten Vergangenheit belegen die Tiefe der operativen Delle.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Mercedes-Benz einen Gewinn von 5,3 Milliarden Euro. Im Jahr davor hatte dieser Wert noch bei 10,4 Milliarden Euro gelegen. Das Ergebnis hat sich damit binnen zwölf Monaten nahezu halbiert.

Auch der Start in das laufende Jahr brachte keine Entlastung. Im ersten Quartal 2026 fiel der Gewinn erneut um 17,2 Prozent. Die entscheidende Ursache für diesen Rückgang liegt im wichtigsten Einzelmarkt.

Vor allem in China verliert der Autobauer an Boden. Im zweiten Quartal 2026 brach der Pkw-Absatz dort um 30 Prozent ein. Weltweit sanken die Verkäufe im selben Zeitraum um 6 Prozent auf 511.900 Fahrzeuge. Kostensenkungen müssen diesen Einbruch nun ausgleichen.

Schlankere Strukturen könnten die Marge stabilisieren

Optimistische Marktteilnehmer sehen in den Einschnitten die Voraussetzung für eine Erholung der Rentabilität. Das Sparprogramm knüpft an frühere Maßnahmen an. Zwischen April 2025 und März 2026 verließen rund 5.500 Beschäftigte das Unternehmen über ein ähnliches Freiwilligenprogramm.

Die erstmalige Ausweitung auf Führungsebenen verspricht zusätzliche Hebel bei den Personalkosten. Gleichzeitig senkt die Streichung schwächer nachgefragter Baureihen die Komplexität im Konzern. Das reduziert Entwicklungsaufwand und Produktionskosten.

Zudem bleiben Volumen- und Preisträger wie die EQS-Limousine sowie das EQS-SUV im Angebot. Durch den gezielten Schnitt im Modellportfolio konzentriert der Konzern seine Ressourcen auf margenstarke Segmente. Gelingt es, die Fixkosten dauerhaft zu senken, würde dies die Ertragskraft der verbleibenden Absätze spürbar stärken.

Die Absatzschwäche im Kernmarkt China droht anzuhalten

Auf der anderen Seite bleiben die Risiken für das Geschäftsmodell beträchtlich. Der Absatzeinbruch in China verdeutlicht, wie stark die Nachfrage nach etablierten Premiumfahrzeugen vor Ort leidet. Sollte sich dieser Abwärtstrend verfestigen, stoßen reine Sparmaßnahmen schnell an ihre Grenzen.

Hinzu kommt die Ausgestaltung des Stellenabbaus. Das Programm basiert zwingend auf beidseitigem Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Eine konkrete Zielgröße für die Zahl der Abgänge nennt das Unternehmen nicht. Ob die gewünschten Effekte tatsächlich eintreten, bleibt damit unsicher.

Darüber hinaus birgt das Ausdünnen der Modellpalette Gefahren für das künftige Volumen. Der Verbleib sportlicher Versionen wie der AMG C43 und C63 Limousinen ist unbestätigt. Verliert die Marke in der Breite an Kundschaft, droht der Umsatzverlust die erzielten Kosteneinsparungen wieder aufzuzehren.

Charttechnische Tiefststände definieren den Handlungsspielraum

Für die Positionierung von Anlegern zeichnen sich klare Marken ab. Solange die Unterstützung am 52-Wochen-Tief von 39,77 Euro verteidigt wird, besteht für die Aktie Raum für eine Bodenbildung. Kippt diese Marke jedoch per Tagesschlusskurs nachhaltig nach unten weg, droht sich der übergeordnete Abwärtstrend zu beschleunigen.

Als nächster konkreter Katalysator fungiert der geplante Start des Abfindungsprogramms im Dezember 2026. Dann wird sich zeigen, wie die Belegschaft das Angebot annimmt und welche finanziellen Belastungen für Abfindungen kurzfristig anfallen. Bis dahin dürften die Absatzsignale aus Fernost und der Fortgang des Portfolio-Umbaus den Takt vorgeben.

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