Mercedes-Benz hat sich erstmals seit der Abspaltung von Daimler Truck von Anteilen des Lkw-Herstellers getrennt. Im zweiten Quartal verkaufte der Konzern Papiere für 417 Millionen Euro, im Juli kamen rund 600 Millionen Euro hinzu. Insgesamt spülte der Verkauf damit etwa eine Milliarde Euro in die Kasse. Finanzvorstand Wilhelm bezifferte die verbliebene Beteiligung an Daimler Truck auf 34,8 Prozent.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der Mercedes-Benz mit einem schwierigen China-Geschäft kämpft, aber operativ dennoch zulegen konnte. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 46,86 Euro, ein Rückgang von 1,21 Prozent binnen eines Tages. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 22,29 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erholung den Kursverlust des Jahres nicht annähernd wettgemacht hat.
China drückt, Vans und Financial Services stützen
Ende Juli hatte Mercedes-Benz Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die ein zwiespältiges Bild zeichneten. Der Konzerngewinn stieg um 13,5 Prozent auf rund 1,09 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 21,5 Prozent auf etwa 1,55 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der Umsatz um 3,3 Prozent auf gut 32 Milliarden Euro. Hauptursache war der Absatzeinbruch in China: Bei den Pkw brach das Geschäft dort um 30 Prozent ein.
Bei Mercedes-Benz Cars drückte eine Wertminderung von 704 Millionen Euro auf ein chinesisches Gemeinschaftsunternehmen die bereinigte Rendite von 5,1 auf 4,0 Prozent – lag damit aber immer noch über den Markterwartungen von 3,5 Prozent. Die Sparte Vans erwies sich dagegen als verlässlicher Gewinnbringer: Der Umsatz wuchs um 5 Prozent auf 4,46 Milliarden Euro, gestützt durch starke Nachfrage in Nordamerika, die bereinigte Rendite verbesserte sich auf 10,2 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem xEV-Anteil von 23 bis 25 Prozent, mehr als bisher geplant, erwartet aber wegen des China-Drucks einen Absatz leicht unter Vorjahresniveau. Vorstandschef Ola Källenius sprach von einer beschleunigten Modelloffensive mit sehr positiver Resonanz auf die neuen Fahrzeuge.
Analysten uneins über den fairen Wert
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen nach den Zahlen unterschiedlich aus. Goldman Sachs hob das Kursziel Ende Juli von 65 auf 67 Euro an und beließ die Einstufung bei „Buy“. Analyst Christian Frenes begründete dies vor allem mit einer verbesserten Schätzung für die Finanzdienstleistungssparte, während er die Ebit-Prognose für das Autogeschäft wegen Kosten und China-Gegenwind leicht senkte. Ein weiteres Institut kappte den fairen Wert dagegen auf 55 Euro und verwies auf den massiven Druck im chinesischen Pkw-Geschäft, lobte zugleich aber Vans, Financial Services und den Cashflow.
Deutsche Bank Research bestätigte Anfang August die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 73 Euro. Analyst Tim Rokossa hatte sich zuvor mit Konzernchef und Finanzvorstand getroffen und berichtete von einem Management, das der Modelloffensive weiterhin sehr optimistisch gegenüberstehe. Der Fokus liege auf Effizienzsteigerungen, an der Absicht zur Kapitalausschüttung an Aktionäre werde festgehalten.
Regulatorisches Risiko aus Washington
Neben dem China-Geschäft belastet ein politisches Risiko aus den USA die Wahrnehmung des Konzerns. Ein Gesetzentwurf, der Herstellern mit chinesischen Großaktionären ein Verkaufsverbot in den USA ermöglichen könnte, hat im US-Senat eine erste Hürde genommen. Betroffen wären Unternehmen, an denen chinesische Anteilseigner zusammen mehr als 15 Prozent halten. Bei Mercedes-Benz liegen knapp zehn Prozent beim chinesischen Autobauer BAIC, weitere knapp zehn Prozent werden Li Shufu, dem Gründer von Geely, zugerechnet. Der Konzern wies den Vorstoß zurück und betonte, kein einzelner Anteilseigner halte mehr als zehn Prozent, zudem seien die Großaktionäre nicht im Aufsichtsrat vertreten. Senator Ted Cruz forderte dennoch eine Streichung der 15-Prozent-Schwelle.
Parallel dazu läuft das im November 2025 gestartete Aktienrückkaufprogramm über bis zu 96 Millionen Aktien und ein Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro weiter bis November 2026. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 28. Oktober angesetzt – dann dürfte sich zeigen, ob sich die China-Schwäche im dritten Quartal fortsetzt oder die Modelloffensive erste spürbare Effekte zeigt.
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