Der Analysten-Konsens erwartet für 2027 eine Erholung des Gewinns je Aktie. Offen ist, wie viel davon Mercedes-Benz mit Einsparungen erreichen kann, während das China-Geschäft unter Druck steht und neue Elektroautos in Europa auf volle Auftragsbücher treffen. Ob diese Rechnung trägt, fragt die Redaktion Dieter Jaworski.

Mercedes-Benz (DE0007100000) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 08.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 08.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Die Auftragsbücher für neue Elektroautos in Europa sind voll. Übertreiben Sie die Gefahr aus China, wenn Sie die Erholung skeptisch sehen?
Dieter Jaworski: Die Aufträge sind da, das erkenne ich an. Nur die Folgerung, Europa könne die Ertragslücke in China schließen, geht mir zu weit. Dort drückt der Wettbewerb auf die Preise; gerade bei einem Hersteller mit teuren Modellen wiegt das schwer. Europäische Aufträge bezahlen keine chinesischen Preiszugeständnisse.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Europäische Aufträge bezahlen keine chinesischen Preiszugeständnisse.“ Warum halten Sie dann ein deutlich höheres faires Niveau für vertretbar?
Dieter Jaworski: Weil die Bewertung bereits einen schwachen Gewinn zulässt. Der Analysten-Konsens erwartet für 2027 einen Gewinn je Aktie von 6,65 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – der Kurs geteilt durch den Jahresgewinn je Aktie – fällt auf dieser Grundlage niedrig aus.
Mein faires Niveau liegt bei rund 56 Euro und damit praktisch beim Analysten-Konsens. Meine Rechnung hängt allerdings daran, dass die Preiszugeständnisse in China nicht weiter ausufern und Einsparungen im Gewinn ankommen. Ein angekündigtes Sparprogramm ist noch kein verdienter Euro.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Im dritten Quartal sank der China-Absatz auf 86.800 Autos. Wie gefährlich wird angesichts dessen die angedrohte Schließung deutscher Werke für Ihre Rechnung?
Dieter Jaworski: Die Drohung zeigt, wie ernst der Kostendruck genommen wird. Für meine These ist entscheidender, was die Einsparungen am Ende auffangen müssen: Wenn Mercedes-Benz in China dauerhaft mehr über den Preis nachgeben muss, reichen niedrigere Kosten womöglich nur zum Gegenhalten. Dann bliebe von meiner Annahme einer Gewinnerholung wenig übrig. Werksschließungen sind bisher eine Möglichkeit, keine vollzogene Maßnahme.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie setzen weiter auf die Stärke der Marke. Hat sie in China noch Gewicht, wenn Mercedes-Benz bei den Preisen nachgeben muss?
Dieter Jaworski: Ja, der Name zieht weiter Kunden an. Er kann den Druck in China aber nicht wegzaubern. Wer weniger für seine Autos verlangen kann, muss bei den Kosten umso genauer hinschauen.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Was müssten die angekündigten Modellpremieren in Paris auslösen, damit Sie Ihre Skepsis ablegen?
Dieter Jaworski: Ein schöner Messestand genügt mir nicht. Die neuen Modelle müssten Kunden gewinnen, ohne dass Mercedes-Benz dafür immer größere Preisnachlässe braucht – vor allem in China. Sollten sich dort die Preise festigen, wäre mein Urteil zu vorsichtig. Bis dahin belegen volle europäische Auftragsbücher nur einen Teil der Rechnung.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie nennen 6,65 Euro Gewinn je Aktie für 2027. Trägt diese Erwartung Ihr Urteil über Mercedes-Benz?
Dieter Jaworski: Ja, unter der genannten Bedingung. Ich halte die Aktie für günstig bewertet, gewichte die Schwäche in China aber höher als Modellpremieren und Rückkäufe. Das Sparprogramm kann den Gewinn stützen; verlorene Preismacht kann es allein nicht zurückholen. Daran entscheidet sich, ob die günstige Bewertung Substanz hat.
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