Gewinnmitnahmen, Margensorgen und zugleich deutliche Kaufempfehlungen: Die Mercedes-Benz Aktie bewegt sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Risiken und günstiger Bewertung. Im Vorfeld der Zahlen für das Schlussquartal 2025 stellen sich Investoren die Frage, welches dieser beiden Lager sich durchsetzt. Die jüngsten Analystenkommentare zeichnen ein gemischtes, aber sehr konkretes Bild.
Gemischte Signale von JPMorgan und BofA
Im Tagesverlauf rutschte der Kurs zeitweise in den Bereich um 59 Euro ab und entfernt sich damit weiter vom 52‑Wochen-Hoch bei 70,10 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie dennoch rund 5 % im Plus, notiert aber aktuell gut 15 % unter ihrem Jahreshoch – ein Hinweis darauf, dass der anfängliche Optimismus abgekühlt ist.
JPMorgan bleibt trotz des Rücksetzers konstruktiv. Analyst Jose Asumendi bestätigt das Votum „Overweight“ und ein Kursziel von 70 Euro, was vom aktuellen Niveau aus ein zweistelliges Aufwärtspotenzial signalisiert. Gleichzeitig warnt er vor einem spürbaren Margendruck im vierten Quartal 2025. Die Auswertung der Absatzzahlen zeigt:
- Regionale Struktur: Der Absatzmix ähnelt stark dem von BMW, mit Schwerpunkt auf Europa und Nordamerika.
- Profitabilität: Die operative Marge im Schlussquartal 2025 dürfte unter dem Niveau des dritten Quartals gelegen haben.
Diese Kombination aus grundsätzlich positivem Langfristblick und kurzfristiger Ergebnisunsicherheit erklärt, warum die Aktie trotz stabiler Einstufung unter Druck geraten ist. Der RSI von 36,3 unterstreicht, dass der Titel sich charttechnisch bereits im unteren Bereich einer neutralen Handelsspanne bewegt, aber noch nicht klar überverkauft ist.
Deutlich vorsichtiger positioniert sich die Bank of America. Analyst Horst Schneider bleibt bei „Neutral“ mit Kursziel 63 Euro. Sein Fokus liegt weniger auf den Q4-Zahlen, sondern auf den Modellzyklen der Jahre 2026 und 2027. Die Kernaussagen:
- Wettbewerb: Wettbewerber wie VW und Audi dürften 2026 ihr stärkstes Jahr bei Neueinführungen haben.
- Elektro-Segment: Mercedes verstärkt zwar das Elektroangebot, steht hier aber im intensiven Wettbewerb.
- Bewertung im Zykluskontext: Aus Sicht der BofA ergibt sich aufgrund des Modellalters und des Umsatzanteils neuer Modelle derzeit kein klarer Kaufimpuls.
Damit steht einer eher vorsichtigen strukturellen Sicht der mittel- bis langfristig positive Blick von JPMorgan gegenüber.
Strategie „Wert vor Volumen“ und Preiserhöhungen
Operativ setzt der Konzern die Linie „Wert vor Volumen“ konsequent fort. Anstatt auf maximale Stückzahlen zu setzen, liegt der Schwerpunkt auf Preissetzungsmacht und höherwertigen Fahrzeugen.
Ein aktuelles Beispiel liefert Indien: Dort werden die Preise ab Januar 2026 um bis zu 2 % angehoben. Laut Landeschef Santosh Iyer reagieren diese Schritte auf höhere Inputkosten, Inflation und Währungsschwankungen. Trotz eines leichten Absatzrückgangs im Jahr 2025 meldet das Management Zuwächse im Top-End-Segment mit S‑Klasse, Maybach und AMG-Modellen.
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Diese Preispolitik stützt grundsätzlich die Margen, steht aber kurzfristigen Sorgen um die Profitabilität im vierten Quartal gegenüber. Das erklärt, warum der Markt die Strategie zwar honoriert, die bevorstehenden Zahlen aber mit Vorsicht betrachtet.
HSBC setzt Kontrapunkt – Bewertung im Fokus
Einen klaren Gegenakzent zu den eher abwägenden Tönen aus den USA setzt HSBC Global Research. Die Analysten stufen den Titel auf „Strong-Buy“ hoch. Im Mittelpunkt steht dabei die Bewertung: Auf Basis der letzten verfügbaren Daten liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 5,6 – ein Niveau, das von HSBC als deutlich zu niedrig für die Ertragskraft eingeschätzt wird.
Wichtige Eckpunkte im Überblick:
- Aktueller Kurs: 59,23 Euro
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch: rund –15 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Tief: knapp +26 %
- 200‑Tage-Durchschnitt: 54,70 Euro (aktueller Kurs gut 8 % darüber)
Die Aktie notiert damit klar über ihrem langfristigen Durchschnitt, aber spürbar unter den Hochs – ein typisches Bild für einen Wert, bei dem der Markt zwischen Bewertungsargumenten und Ergebnisrisiken abwägt.
Fazit: Blick auf den 12. Februar
Der entscheidende Test steht am 12. Februar 2026 an, wenn Mercedes-Benz die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vorlegt. Dann wird sich zeigen, wie stark der von JPMorgan erwartete Margendruck tatsächlich ausfällt und ob die Strategie „Wert vor Volumen“ die Profitabilität wie geplant stützt.
Bis dahin bleibt die Aktie in einer Zwischenlage:
– Auf der einen Seite ein niedriges KGV und ein „Strong-Buy“-Rating von HSBC.
– Auf der anderen Seite Margenrisiken im Schlussquartal und ein anspruchsvolles Wettbewerbsumfeld in den Modelljahren 2026/2027.
Ob der Kurs das von JPMorgan angepeilte Niveau von 70 Euro erreichen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die Februar-Zahlen die aktuellen Befürchtungen zur Profitabilität relativieren oder bestätigen.
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