Der lateinamerikanische E-Commerce- und Fintech-Gigant MercadoLibre forciert seine regionale Expansion und setzt dabei verstärkt auf die Verknüpfung seiner Geschäftsbereiche.
Am Montag bekräftigte das Unternehmen erneut eine Investitionszusage in Höhe von 3,4 Milliarden US-Dollar für Argentinien. Diese Mittel sollen primär in den Ausbau der Logistik-Infrastruktur in Córdoba und Buenos Aires fließen sowie die Skalierung digitaler Bankdienstleistungen für Kunden ohne herkömmlichen Bankzugang unterstützen.
Synergien im Ökosystem treiben das Volumen
Ein zentraler Pfeiler der Wachstumsstrategie ist die engere Verzahnung des Marktplatzes mit dem Zahlungsdienstleister Mercado Pago. Unternehmensangaben vom Dienstag zufolge generieren Nutzer, die beide Dienste nutzen – sogenannte Ökosystem-Nutzer –, ein signifikant höheres Geschäftsvolumen.
Diese Gruppe erzielt im Vergleich zu Kunden, die nur einen Dienst in Anspruch nehmen, ein um etwa 70 Prozent höheres Bruttowarenvolumen (GMV) und ein um 90 Prozent höheres Zahlungsvolumen (TPV).
Diese Strategie spiegelt sich auch in den Ergebnissen des zweiten Quartals wider, in dem MercadoLibre erstmals die Umsatzmarke von 10 Milliarden US-Dollar übertraf. Mit einem Nettoerlös von 10,17 Milliarden US-Dollar konnte das Unternehmen ein Wachstum von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erzielen. Gleichzeitig sank jedoch der Nettogewinn von 523 Millionen auf 466 Millionen US-Dollar.
Finanzchef Martin de los Santos erläuterte in einem Interview mit CNBC, dass das Unternehmen bewusst kurzfristige Margen gegen langfristiges Wachstum eintausche, um Marktanteile in den Bereichen Fintech und Logistik zu sichern. Der Kreditbestand von Mercado Pago wuchs unterdessen um 75 Prozent auf 16,4 Milliarden US-Dollar an.
Institutionelles Interesse und Analysten-Einschätzungen
Trotz des Drucks auf die operativen Margen, die im zweiten Quartal auf 6,7 Prozent zurückgingen, zeigen sich institutionelle Investoren zunehmend aktiv. Tiger Global Management erhöhte seine Beteiligung an MercadoLibre am 14. August um 13,4 Prozent auf insgesamt 153.126 Aktien.
Auch Perigon Wealth Management und SWS Partners bauten im vergangenen Quartal neue Positionen in dem Unternehmen auf. Die Stimmung unter Privatanlegern drehte sich zudem am gestrigen Donnerstag deutlich ins Positive, nachdem die Handelsvolumina in sozialen Finanznetzwerken sprunghaft anstiegen.
Die Analystenzunft bewertet die langfristigen Aussichten weiterhin differenziert, aber überwiegend konstruktiv. Andrew R. Ruben von Morgan Stanley bestätigte am 10. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2.450 US-Dollar und verwies auf ein günstiges Risiko-Rendite-Profil. Die Experten von JPMorgan hoben am 11. August ihr Kursziel von 1.900 auf 2.150 US-Dollar an, behielten jedoch ihre neutrale Einstufung bei.
Im aktuellen Marktumfeld notiert die Aktie bei 1.644,60 € und liegt damit 5,3 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier einen Rückgang von 4,1 Prozent.
Während die Expansion in Argentinien voranschreitet, bereitet sich das Unternehmen auch auf neue Marketing-Präsenzen vor: Im September wird die Marke MercadoLibre erstmals beim Großen Preis von Aserbaidschan in der Formel 1 im Rahmen einer Partnerschaft mit Williams Racing zu sehen sein.
Zudem stärkt der Konzern seine personelle Basis in Mexiko durch eine neue Kooperation mit der Universidad Panamericana zur Förderung digitaler Talente.
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