Rekordeinnahmen, fast fünf Jahrzehnte Dividendenwachstum — und trotzdem liegt die Aktie 15 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Bei Medtronic klaffen Fundamentaldaten und Kursentwicklung derzeit weit auseinander.
Analysten kappen Kursziele — aber bleiben optimistisch
Bank of America hat ihr Kursziel am 12. Juni von 110 auf 95 US-Dollar gesenkt. Die Begründung war sektorbezogen: Das Analystenteam sieht eine schwächere Auslastung im Gesundheitsbereich und erwartet, dass Inflation die Margenentwicklung bei großen Medizintechnikwerten bremst. Das „Buy“-Rating blieb bestehen.
Es war keine Einzelaktion. Nach Medtronics Quartalszahlen vom 3. Juni senkten auch Goldman Sachs, Bernstein, Truist und UBS ihre Kursziele — auf 83, 97, 86 und 85 US-Dollar. Trotzdem lautet das Konsensurteil von 30 Analysten weiterhin „Kaufen“, mit einem durchschnittlichen Zwölfmonatsziel von 98,58 US-Dollar.
Stärkstes Umsatzjahr seit einem Jahrzehnt
Die Zahlen, die diese Kurszielkorrekturen auslösten, waren eigentlich stark. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Medtronic 9,8 Milliarden US-Dollar Umsatz — ein organisches Plus von 6,6 Prozent. Für das Gesamtjahr stieg der Umsatz auf 36,4 Milliarden US-Dollar, das stärkste Wachstum seit zehn Jahren.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,55 US-Dollar und übertraf die Konsenserwartung knapp. Besonders heraus stach das Segment Cardiac Ablation Solutions: Der Umsatz wuchs global um 78 Prozent, in den USA sogar um 124 Prozent.
Ex-Dividende am 26. Juni
Für einkommensorientierte Anleger steht ein konkreter Termin an. Der Vorstand hat die Quartalsdividende auf 0,72 US-Dollar je Aktie erhöht — das entspricht 2,88 US-Dollar annualisiert. Es ist das 49. Jahr in Folge mit einer Dividendenerhöhung. Im Schnitt stieg die Ausschüttung über die vergangenen zehn Jahre um 6,5 Prozent pro Jahr.
Der Ex-Dividenden-Tag ist der 26. Juni 2026. Ausgezahlt wird am 17. Juli.
Zölle als kalkulierter Kostenfaktor
Für das Geschäftsjahr 2027 plant Medtronic ein organisches Umsatzwachstum von 6,75 bis 7,25 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 5,90 und 6,00 US-Dollar liegen.
In dieser Prognose sind Zölle bereits eingepreist: 250 Millionen US-Dollar Mehrkosten beim Wareneinsatz, davon 75 Millionen allein im ersten Quartal. Staatliche Erstattungen hat das Unternehmen dabei nicht einkalkuliert.
Kurs nahe am 50-Tage-Durchschnitt
Die Aktie schloss zuletzt bei 69,28 Euro — praktisch auf Höhe des 50-Tage-Durchschnitts von 69,02 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 91,50 Euro aus dem November 2025 fehlen noch knapp 25 Prozent. Das 52-Wochen-Tief von 63,08 Euro datiert auf den 2. Juni, also unmittelbar vor den Quartalszahlen.
Die Lücke zwischen aktuellem Kurs und Analystenzielen ist groß. Ob sie sich schließt, hängt davon ab, wie schnell sich die Auslastung im Gesundheitssektor erholt — und ob die Zollbelastung im zweiten Halbjahr unter den eingepreisten 250 Millionen bleibt.
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