Gestern reagierten mehrere Analysehäuser mit spürbaren Zielsenkungen auf die strategischen Weichenstellungen des Fast-Food-Riesen. Am Mittwoch hatte der Konzern seine langfristige Strategie namens NEXT präsentiert und umfangreiche Hilfen für die Restaurantbetreiber angekündigt.
Anleger stehen nun vor der Richtungsentscheidung, ob die milliardenschweren Verpflichtungen die Ertragskraft der Kette jahrelang einengen oder das Fundament für die nächste Wachstumsphase legen.
Im heutigen Handel notiert das Papier bei 209,70 €, nachdem der Kurs seit Jahresbeginn um 20% nachgegeben hat. Die Zurückhaltung am Markt spiegelt die Skepsis wider, ob die angekündigten Maßnahmen schnell genug greifen.
Die Frequenz im US-Heimatmarkt bestimmt das Tempo
Der ausschlaggebende Faktor für die künftige Wertentwicklung bleibt die Entwicklung der Kundenzahlen in den Restaurants. Vorstandschef Chris Kempczinski warnte davor, dass der branchenweite Kundenverkehr in den Schlüsselmärkten angesichts der anhaltend hohen Inflation voraussichtlich auf der Stelle treten dürfte.
Für den Konzern bedeutet dies einen schwierigen Spagat: Preissteigerungen lassen sich nicht mehr ohne Weiteres an die Gäste weitergeben, während gleichzeitig die operativen Kosten auf Restaurantebene steigen.
Gelingt es dem Management nicht, wieder mehr Gäste in die Filialen zu locken, droht der Umsatzmotor zu stottern. Reuters berichtete am Mittwoch unter Verweis auf Marktbeobachter, dass schwache operative Umsetzung, anhaltende Frequenzrückgänge in den USA sowie die finanzielle Last für die Franchisenehmer zu den dominierenden Sorgen im Markt zählen. Der wirtschaftliche Erfolg hängt daher vor allem daran, wie schnell die angekündigten Angebote und Partnerschaften die Kundenfrequenz beleben können.
Effizienzgewinne und Marktanteile nähren die Zuversicht
Optimistische Marktteilnehmer setzen darauf, dass McDonald’s mit den Zielmarken für das Jahr 2030 seine Preissetzungsmacht und operative Stärke unter Beweis stellen wird. Das Unternehmen strebt bis zum Ende des Jahrzehnts eine operative Marge im unteren bis mittleren Bereich von 50% an. Zudem sollen auf Restaurantebene Bruttoeffizienzgewinne von etwa 250 Basispunkten erzielt werden.
Weitere Wachstumsimpulse verspricht sich der Konzern durch eine Ausweitung des Angebots. Bei Geflügelprodukten sowie im Getränkebereich peilt die Kette bis 2030 jeweils Marktanteilsgewinne von 1,5 Prozentpunkten an. Zur Stützung der Kundentreue setzt das Unternehmen neben temporären Menüangeboten auch auf digitale Initiativen.
Am Montag berichtete Bloomberg über einen begrenzten Testlauf für Fremdwerbung auf digitalen Menütafeln in ausgewählten konzerneigenen US-Restaurants, die nach der Bestellung eingeblendet wird. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete dies als zeitlich und räumlich eng gefassten Pilotversuch.
Zusätzlichen Rückhalt bietet die verlässliche Ausschüttungspolitik. Der Verwaltungsrat beschloss am 17. September eine Anhebung der Quartalsdividende um 4% auf 1,93 $ je Aktie. Damit unterstreicht die Unternehmensführung ihre Bereitschaft, Aktionäre auch in transformationsintensiven Zeiten am Cashflow zu beteiligen.
Hohe Franchise-Kosten und zähe Erholung belasten die Erträge
Auf der Risikoseite wiegen die finanziellen Zugeständnisse an die Betreiberbetriebe schwer. McDonald’s plant bis 2036 finanzielle Unterstützungen und Mietnachlässe von insgesamt etwa 8,5 Milliarden $ für seine Franchisenehmer.
Davon sollen rund 5 Milliarden $ bereits bis 2030 fließen, um Modernisierungen und technische Aufrüstungen der Standorte abzufedern. Hinzu kommen geplante jährliche Basisinvestitionen von etwa 3 Milliarden $ in den Jahren 2027 bis 2030.
Diese Verpflichtungen dämpfen die Ertragserwartungen an der Wall Street spürbar. Gestern passten mehrere Analysehäuser ihre Kursziele nach unten an, behielten ihre Einstufungen jedoch bei. So reduzierte Analyst Andrew Charles von TD Cowen das Kursziel von 282 auf 270 $ bei einer Einstufung auf Hold. Er verwies auf die unsichere Absatzerholung im US-Geschäft und stellte weitere Kürzungen der Gewinnschätzungen in den Raum.
Auch das Analysehaus BTIG nahm sein Kursziel gestern deutlich zurück. Analyst Peter Saleh senkte die Zielmarke von 350 auf 295 $, blieb aber bei seiner Kaufempfehlung Buy. Er begründete den Schritt mit schwachen Absatzzahlen sowie Unklarheiten über die künftigen Aufwendungen und Ergebnisbeiträge im Rahmen der NEXT-Strategie.
Das Risiko besteht darin, dass die Milliardenhilfen zwar die Liquidität der Franchisenehmer sichern, die Rendite für den Gesamtkonzern jedoch auf Jahre hinaus verwässern.
Kursmarken und Dividende geben die Richtung vor
Für die weitere Entwicklung der Aktie ist entscheidend, wie Marktteilnehmer die Relation zwischen Umbaukosten und künftigem Ertragswachstum bewerten. Solange das am Mittwoch markierte 52-Wochen-Tief von 205,80 € verteidigt werden kann, besteht eine solide Basis für eine charttechnische Bodenbildung.
Ein nachhaltiger Bruch dieser Unterstützung nach unten würde hingegen signalisieren, dass Anleger mit länger anhaltenden Frequenzeinbußen im US-Geschäft und weiteren Margenrisiken rechnen.
Auf der Oberseite bedarf es einer spürbaren Trendwende bei den Kundenfrequenzen, um den Kurs wieder in Richtung der langfristigen Durchschnittslinien zu treiben.
Der nächste fest terminierte Meilenstein für Anteilseigner ist der Dividendenstichtag am 1. Dezember 2026. Die Auszahlung der angehobenen Quartalsdividende von 1,93 $ je Aktie ist für den 15. Dezember 2026 vorgesehen. Bis dahin dürften vor allem neue Absatzzahlen aus dem US-Heimatmarkt und Signale zur Akzeptanz der Franchise-Programme darüber entscheiden, in welche Richtung das Pendel ausschlägt.
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