Der weltweit größte Fast-Food-Konzern McDonald’s steht vor einem strategischen Wendepunkt in seinem wichtigsten Markt. Während das Unternehmen am vergangenen Dienstag solide Quartalsergebnisse präsentierte und beim bereinigten Gewinn pro Aktie die Markterwartungen übertraf, offenbarten die Wachstumszahlen in den USA deutliche Bremsspuren. Als unmittelbare Reaktion gab der Konzern einen Führungswechsel für das US-Geschäft bekannt.
Schwache US-Umsätze erzwingen Managementwechsel
Am Dienstag wurde bekannt, dass Joe Erlinger, der seit 2019 als US-Präsident fungierte, seine Position mit sofortiger Wirkung verlassen hat. Seine Nachfolge tritt Skye Anderson an, eine Konzernveteranin mit 26 Jahren Betriebszugehörigkeit, die zuvor als operative Leiterin des US-Geschäfts tätig war. Der Wechsel erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Abkühlung im Heimatmarkt: Die US-Umsätze auf vergleichbarer Fläche stiegen im zweiten Quartal lediglich um 0,8 Prozent – das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2025.
Global konnte McDonald’s zwar ein Umsatzplus von 1,3 Prozent auf vergleichbarer Basis verbuchen, doch die Probleme im US-Geschäft belasten die Stimmung. Das Management führt die Kaufzurückhaltung unter anderem auf operative Hürden zurück. Die Vielzahl an neuen Rabattaktionen und Preisangeboten habe zu langsameren Abläufen in den Filialen geführt, was die Kundenfrequenz negativ beeinflusste. Medienberichten zufolge wurde beispielsweise das „Under $3 Menu“ nur in etwa 60 bis 65 Prozent der Standorte vollständig implementiert. Zudem hoben einige Franchisenehmer die Preise für Einzelartikel wie kleine Pommes frites an, um die Profitabilität trotz der günstigen Einstiegsangebote zu sichern.
Expansionsziele nach hinten verschoben
Parallel zu den operativen Herausforderungen korrigierte Finanzvorstand Ian Borden die langfristigen Expansionspläne. Das Ziel, weltweit 50.000 Restaurants zu betreiben, soll nun erst bis Ende 2028 erreicht werden. Ursprünglich war dieses Ziel für Ende 2027 ausgegeben worden. Borden begründete die Verzögerung mit dem aktuellen Konsumklima und den inflationsbedingt gestiegenen Entwicklungskosten für neue Standorte.
Trotz dieser Anpassungen legte McDonald’s bei den Finanzkennzahlen zu. Der Nettogewinn stieg im zweiten Quartal auf 2,36 Milliarden US-Dollar nach 2,25 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz kletterte um 4 Prozent auf 7,1 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 3,38 US-Dollar über den Konsensschätzungen der Analysten. Um die Kundenbindung wieder zu stärken, plant das Unternehmen eine Reevaluierung der Menüauswahl und verstärkte Investitionen in bewährte Angebote wie die Extra Value Meals.
Neue Impulse durch Marketing und Aktionsprodukte
Am heutigen Sonntag startet McDonald’s zudem eine neue Produktinitiative, um die Frequenz in den Restaurants zu erhöhen. Landeweit wird der Peanut Butter Crunch McFlurry für einen begrenzten Zeitraum eingeführt. Das neue Produkt besteht aus Vanille-Softeis, einer Getreidemischung und Schokoladen-Erdnussbutter-Keksstücken. Ab der kommenden Woche sollen darüber hinaus neue Werbeaktionen in der hauseigenen App folgen, die speziell darauf ausgerichtet sind, treue Kunden zu reaktivieren.
Die Analysten reagierten bereits auf die jüngsten Entwicklungen und den Ausblick. Am Mittwoch senkte Danilo Gargiulo vom Analysehaus Bernstein das Kursziel für die Aktie von 310 auf 295 US-Dollar, hielt jedoch an seiner neutralen Einschätzung fest. An der Börse spiegelt sich die Verunsicherung über das US-Wachstum ebenfalls wider. Die McDonald’s-Aktie schloss am Freitag bei 237,50 Euro, was einem Tagesrückgang von 0,96 Prozent entspricht. Seit Beginn des Jahres hat das Papier damit bereits 9,40 Prozent an Wert verloren. Dennoch setzt der Konzern darauf, durch die neue Führung in den USA und eine überarbeitete Marketingstrategie die Marktanteile im schwierigen konjunkturellen Umfeld zu verteidigen.
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