Ein Übernahmeangebot, das die Aktie in einer Woche fast um ein Drittel drückt: Marvell will den Laserspezialisten Lumentum kaufen und zum führenden Anbieter optischer Netzwerktechnik für KI-Rechenzentren aufsteigen. Der Markt reagiert skeptisch. Die Analysten sind sich uneins, ob der Preis zu hoch ist.
Der Deal im Überblick
Marvell kündigte die Transaktion am Montag an. Bezahlt wird komplett in Aktien. Der Unternehmenswert von Lumentum, gemessen vor der Bekanntgabe zum 28. Oktober, liegt bei rund 115 Milliarden Dollar. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2028 geplant.
Strategisch will Marvell elektrische und optische Verbindungstechnik zusammenführen. Der kombinierte Konzern könnte optische Lösungen für Netzwerke innerhalb und zwischen KI-Servern gemeinsam entwickeln. Das Management beziffert den adressierbaren Gesamtmarkt künftig auf 550 Milliarden Dollar und stellt Kosteneinsparungen von einer Milliarde Dollar in Aussicht, vor allem bei den Herstellkosten.
Im ersten Jahr nach dem Abschluss soll die Übernahme den Gewinn je Aktie steigern. Needham rechnet dagegen mit leichter Verwässerung und vermutet, dass Marvell eine höhere Gewinnbasis ansetzt als Needham selbst.
Kursrutsch und gespaltene Analysten
Die Aktie schloss zuletzt bei 171,41 Dollar und verlor am Tag 12,7 Prozent. Auf Wochensicht beträgt das Minus knapp 30 Prozent. Seit Jahresbeginn steht trotzdem noch ein Plus von rund 102 Prozent. Lumentum gab am selben Tag sogar um fast 19 Prozent nach. Der hohe Kaufpreis setzt anhaltend hohe KI-Investitionen voraus, und genau das bereitet Anlegern Sorge.
Die Einschätzungen gehen auseinander:
- Needham: Kursziel von 400 auf 300 Dollar gesenkt, Rating „Buy“ bleibt
- TD Cowen: Abstufung von „Buy“ auf „Hold“ wegen Struktur und Timing des Aktientauschs
- Raymond James: Kursziel 295 Dollar, „Strong Buy“; Zukäufe passten zur Strategie, dieser Deal kam aber überraschend
- William Blair: bleibt bei „Outperform“ trotz Verwässerungs- und Integrationsrisiken
- Stifel: bleibt bei „Buy“ und verweist auf Marvells Stärke bei optischen Komponenten
Stifel hebt zudem Microsofts nächste Maia-300-Prozessoren hervor. Marvell erwartet dafür einen Hochlauf im Geschäftsjahr 2028, was eine bedeutende Umsatzchance darstellt.
Der Kursrutsch zeigt, dass der Markt die Verwässerung stärker gewichtet als die strategische Logik. Vorbörslich legte die Aktie zuletzt leicht auf 175,47 Dollar zu. Ob sich das stabilisiert, hängt vor allem davon ab, wie überzeugend Marvell die versprochenen Einsparungen von einer Milliarde Dollar belegen kann.
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