Marvell will sich den Laserspezialisten Lumentum einverleiben und setzt dafür ausschließlich eigene Aktien ein. Der Deal soll das Geschäft mit KI-Verbindungstechnik auf eine neue Stufe heben. Die Börse reagierte vorbörslich verhalten: Marvell gab etwa drei Prozent nach, Lumentum rund vier Prozent.
Aktientausch mit festem Verhältnis
Lumentum-Aktionäre erhalten 4,5 Marvell-Aktien je Lumentum-Aktie. Das entspricht einem Unternehmenswert von 115 Milliarden Dollar oder rund 1.132 Dollar je Anteil. Der Aufschlag beträgt etwa 23,9 Prozent auf den Schlusskurs vom 28. Oktober, dem letzten Handelstag vor ersten Spekulationen.
Weil kein Bargeld fließt, hängt der tatsächliche Wert am Marvell-Kurs. Nach dem Vollzug halten die bisherigen Marvell-Aktionäre etwa 67 Prozent des Konzerns, die Lumentum-Eigner rund 33 Prozent. Beide Verwaltungsräte haben der Vereinbarung einstimmig zugestimmt.
Warum Optik?
CEO Matt Murphy spricht von einer Chance, „die nur einmal in einer Generation“ kommt. Die Logik: KI-Rechenzentren stoßen mit Kupferverbindungen an physische Grenzen. Optische Technik liefert mehr Bandbreite bei geringerem Energiebedarf. Marvell bringt Elektronik, Switching und Custom-Chips mit, Lumentum Hochleistungslaser, optische Transceiver und Spezialfertigung auf Basis von Indiumphosphid.
Das vereinte Unternehmen sieht sich in einem Markt von 550 Milliarden Dollar. Mehr als eine Milliarde Dollar jährliche Kostensynergien hält das Management für erreichbar. Im ersten Jahr nach dem Abschluss soll der Zukauf den bereinigten Gewinn je Marvell-Aktie steigern.
Marvell hatte erst in diesem Jahr den Optik-Start-up Celestial AI übernommen. Der Wert des Konzerns hat sich in drei Jahren mehr als verdreifacht, Lumentum hat sich allein 2026 mehr als verdoppelt. Marktbeobachter dürften deshalb fragen, ob der Preis auf einem ohnehin heißgelaufenen Niveau angemessen ist, zumal Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Investitionen im Raum stehen.
Zeitplan und Zahlen
Murphy bleibt Chairman und CEO. Drei Lumentum-Direktoren, darunter CEO Michael Hurlston, ziehen in den Marvell-Verwaltungsrat ein, der aktuell sieben Mitglieder zählt. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2028 geplant und steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung beider Aktionärsgruppen sowie behördlicher Genehmigungen.
Parallel meldete Marvell vorläufige Umsätze für das dritte Geschäftsquartal 2027, die den Prognosen entsprechen. Der Mittelwert der Spanne bleibt unverändert, die erwartete Schwankungsbreite schrumpft jedoch von plus/minus fünf auf plus/minus zwei Prozent.
Bis zum geplanten Vollzug in der ersten Jahreshälfte 2028 bleiben somit gut eineinhalb Jahre, in denen Aktionäre und Aufsichtsbehörden das Geschäft prüfen.
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