Marvell Technology hat ein Rekordquartal hingelegt – und dennoch fiel die Aktie am Freitag leicht. Der Kurs schloss bei 175,80 Euro, ein Minus von 0,18 Prozent. Eine klassische „Sell the News“-Reaktion. Denn die Nachrichtenlage war außergewöhnlich. Das Unternehmen hob seine langfristigen Umsatzziele an und präsentierte erstmals detaillierte Zahlen aus der strategischen Partnerschaft mit NVIDIA.
Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch bei plus 130 Prozent. Wer vor zwölf Monaten eingestiegen ist, hat sein Kapital mehr als verdreifacht. Ein kleiner Rücksetzer nach solchen Kursen ist kein Alarmzeichen – eher das Gegenteil.
Datenzentrum treibt das Geschäft
Im ersten Fiskalquartal erzielte Marvell einen Rekordumsatz von 2,42 Milliarden Dollar, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Motor: das Datenzentrum-Segment. Es steuerte 1,83 Milliarden Dollar bei – das sind 76 Prozent des Gesamtumsatzes.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,80 Dollar (+33 Prozent). Der ausgewiesene GAAP-Gewinn brach dagegen um 81 Prozent auf 34,5 Millionen Dollar ein. Grund dafür sind hohe Akquisitionskosten für die Übernahmen von Celestial AI und XConn. Für Anleger zählt der operative Kern – und der brummt.
NVIDIA investiert zwei Milliarden
Ein entscheidender Faktor für die Zuversicht ist die Partnerschaft mit NVIDIA. Ende März steckte der KI-Chip-Gigant zwei Milliarden Dollar in eine Ausweitung der Zusammenarbeit. Marvell liefert künftig kundenspezifische XPUs und Netzwerkkomponenten für die NVLink-Fusion-Plattform.
Das Ziel: der Bau skalierbarer KI-Rechenzentren. Analysten sehen Marvell zunehmend als ernsthaften Konkurrenten von Broadcom im High-End-Netzwerkgeschäft. Die Nachfrage nach optischen 800G- und 1,6T-Verbindungen steigt rasant. Das Management erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzplus von über 70 Prozent im Interconnect-Bereich.
Solide Finanzierung, optimistische Prognose
Der operative Cashflow erreichte im Quartal 638,8 Millionen Dollar. Der Free Cashflow lag bei 483,1 Millionen Dollar – eine Marge von 20 Prozent. Einige Analysten leiten daraus eine faire Marktkapitalisierung von rund 220 Milliarden Dollar ab. Das entspricht einem Kursziel von 251 bis 253 Dollar – gut 20 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Für das zweite Fiskalquartal stellt Marvell einen Umsatz von 2,7 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Plus von 35 Prozent. Für das gesamte Geschäftsjahr 2028 hebt das Management die Prognose nun auf 16,5 Milliarden Dollar an. Bislang standen 15 Milliarden Dollar im Raum.
Technische Lage und nächster Termin
Der RSI liegt bei 44,4 Punkten – neutral, mit leichter Tendenz zur Überverkaufung. Die Aktie notiert rund 40 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Die erste Unterstützung liegt bei 180 Dollar (30-Tage-Linie), die zweite bei 160 Dollar.
Die institutionelle Beteiligung liegt bei über 80 Prozent. Das spricht für Vertrauen. Der nächste große Termin ist der 17. Juni. Dann veranstaltet Marvell einen „Custom AI Investor Event“. Dort dürfte das Unternehmen Details zu seiner Pipeline mit über 50 Custom-Chip-Projekten liefern. Das geschätzte Umsatzpotenzial: 75 Milliarden Dollar über die Laufzeit.
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