Marinomed Biotech zieht die Reißleine. Das Unternehmen hat beim Landesgericht Korneuburg offiziell ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Nach dem Scheitern bisheriger Pläne steht der Biopharma-Spezialist nun unter gerichtlicher Aufsicht. Die Lage ist ernst.
Millionen-Lücke und Rechtsstreit
Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Kreditschutzverbänden auf rund 27,9 Millionen Euro. Etwa 90 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Marinomed bietet ihnen im Sanierungsplan eine Quote von 20 Prozent an. Die Rückzahlung soll innerhalb von zwei Jahren erfolgen.
Die Krise hat klare Gründe. Marinomed macht seinen Partner Unither Pharmaceuticals für das Debakel verantwortlich. Erhoffte Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Bereichs blieben aus. Das Management bereitet deshalb rechtliche Schritte vor, um die ausstehenden Millionen einzuklagen.
Handelsbremse durch Rückzug der Bank
Das Verfahren trifft auch den Börsenhandel. Die Raiffeisen Bank International kündigte ihren Market-Making-Vertrag mit sofortiger Wirkung. Für Aktionäre bedeutet dies eine geringere Liquidität beim Handel der Papiere. Außerdem verschob der Vorstand den Termin für den Halbjahresbericht 2026 auf unbestimmte Zeit.
Trotz der finanziellen Schieflage läuft der Betrieb in Korneuburg weiter. Rund 30 Mitarbeiter konzentrieren sich nun auf die Marinosolv-Technologieplattform. Ein gerichtlich bestellter Sanierungsverwalter übernimmt ab sofort die Kontrolle über alle wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen.
Die Aktie kletterte heute dennoch um 4,35 Prozent auf 6,00 Euro. Damit holt das Papier etwas Boden auf. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus jedoch auf fast 69 Prozent. Das Landesgericht Korneuburg entscheidet nun über die Annahme des Sanierungsplans.
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