Die finanzielle Schieflage bei Marinomed Biotech hat sich dramatisch zugespitzt. Das Unternehmen hat beim Landesgericht Korneuburg ein gerichtliches Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Hintergrund für diesen Schritt ist ein massiver Liquiditätsengpass, nachdem erwartete Earn-out-Zahlungen des Partners Unither Pharmaceuticals ausgeblieben sind.
Streit um Meilensteinzahlungen belastet die Bilanz
Das Management von Marinomed sieht sich zur Restrukturierung gezwungen, da ein Sanierungsplan aus dem November 2024 unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr erfüllt werden kann. Im Zentrum steht ein Konflikt mit Unither Pharmaceuticals über Zahlungen in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro. Ohne diese Mittel droht dem Biopharma-Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Die aktuellen Verbindlichkeiten belaufen sich laut Unternehmensangaben auf rund 27,9 Millionen Euro, wovon ein Großteil unbesichert ist.
Aufgrund der laufenden Restrukturierung hat das Unternehmen bereits weitreichende Konsequenzen für die Finanzberichterstattung gezogen. Die ursprünglich für den 16. September geplante Veröffentlichung des Halbjahresberichts 2026 wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Anleger müssen sich somit vorerst auf lückenhafte Informationen zur aktuellen Ertragslage des Wiener Unternehmens einstellen.
Umstellung des Börsenhandels und Analysten-Rückzug
Die existenzielle Krise hat auch unmittelbare Folgen für die Handelbarkeit der Aktie an der Wiener Börse. Die Raiffeisen Bank International kündigte am 22. Juli den Vertrag über die Bereitstellung von Liquiditätsleistungen. In der Folge stellte die Wiener Börse das Handelsverfahren von einem fortlaufenden Handel auf Auktionen um. Damit reagiert der Marktplatz auf das Fehlen eines Market Makers, der für geordnete Liquidität im Orderbuch sorgen würde.
Auch die Analysten zeigen sich alarmiert und haben ihre bisherigen Kursziele zurückgezogen. Die GBC AG setzte am 24. Juli sowohl das Rating „Kaufen“ als auch das Kursziel von 51,00 Euro aus und stellte die Aktie auf „Under Review“. Wenige Tage zuvor, am 21. Juli, hatte bereits First Berlin Equity Research die Einstufung auf „Under Review“ herabgesetzt. Beide Häuser verwiesen auf die hohe Unsicherheit durch das Sanierungsverfahren und den rechtlichen Streit mit dem Partner, der die wirtschaftliche Basis gefährdet.
Aktie bleibt unter erheblichem Druck
Die Marktreaktion spiegelt den Ernst der Lage wider. Zwar verzeichnete der Titel am Freitag eine Erholung um 8,00 %, doch das langfristige Bild bleibt gezeichnet von massiven Verlusten. Medienberichten zufolge reagierte der Markt bereits am Donnerstag mit zweistelligen Kursabschlägen auf die Eröffnung des Verfahrens und die damit verbundene Sorge vor einer Verwässerung der Anteile.
Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 71,73 % an Wert verloren. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das am 31. Juli des vergangenen Jahres noch bei 21,00 Euro markiert wurde, beträgt inzwischen 74,29 %. Mit einer Marktkapitalisierung von lediglich 10,79 Millionen Euro ist Marinomed auf ein Penny-Stock-Niveau herabgesunken. Ob der Sanierungsplan erfolgreich abgeschlossen werden kann, hängt maßgeblich davon ab, ob die Forderungen gegenüber Unither Pharmaceuticals realisiert werden können und wie die Gläubiger auf das Verfahren reagieren.
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