Ein schwaches Auftaktquartal, geopolitische Verwerfungen und ein Konzernchef, der offen vor extremen Szenarien warnt. Bei LVMH weicht die gewohnte Luxus-Euphorie einer harten Realität. Der französische Branchenprimus spürt die direkten Auswirkungen des Nahostkonflikts in der eigenen Bilanz.
Nahostkonflikt belastet das Kerngeschäft
Das organische Umsatzwachstum lag im ersten Quartal bei lediglich einem Prozent. Analysten hatten im Vorfeld mit einem leichten Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Besonders die wichtigste Sparte für Mode und Lederwaren enttäuschte mit einem Rückgang von zwei Prozent.
Die Ursache verortet das Management klar. Der Krieg im Nahen Osten kostete LVMH einen Prozentpunkt beim organischen Wachstum. Laut Finanzchefin Cécile Cabanis brach die Kundenfrequenz in den dortigen Einkaufszentren zeitweise um durchschnittlich 50 Prozent ein. Die Region steht normalerweise für sechs Prozent des Konzernumsatzes.
CEO Bernard Arnault skizzierte auf der Hauptversammlung eine binäre Zukunft. Entweder der Konflikt weite sich zu einer weltwirtschaftlichen Belastung aus, oder eine rasche Lösung ermögliche die Rückkehr zum Normalbetrieb. Um die Abhängigkeit von preissensiblen Käufern zu verringern, will Arnault das krisenresistentere Schmuckgeschäft rund um die Marke Tiffany massiv ausbauen.
US-Zölle treffen auf asiatische Lichtblicke
Parallel dazu baut sich in den Vereinigten Staaten ein weiteres Risiko auf. Die von der US-Regierung verhängten Zölle bedrohen den amerikanischen Markt genau zu dem Zeitpunkt, an dem er das schwächelnde China-Geschäft ausgleichen sollte. Morgan Stanley schätzt, dass die Zölle die Marge der Mode- und Ledersparte im laufenden Jahr um rund 150 Basispunkte drücken werden.
LVMH steuert bereits gegen. Der Konzern produziert mittlerweile einen signifikanten Teil seiner US-Waren in eigenen Fabriken in Kalifornien und Texas.
Abseits der Krisenherde lieferte das erste Quartal auch positive Signale. Das Geschäft in Asien außerhalb Japans wuchs um sieben Prozent. Zeitgleich verzeichnete die Spirituosensparte dank des chinesischen Neujahrsfests ein organisches Plus von fünf Prozent. Im Vorjahreszeitraum war dieser Bereich noch zweistellig eingebrochen.
Analysten kappen Kursziele
Die verfehlten Erwartungen lösten an der Wall Street eine Welle von Kurszielsenkungen aus. Jefferies reduzierte den fairen Wert der Aktie auf 510 Euro und verwies auf die Verwässerung durch den Nahostkonflikt. Bernstein senkte das Ziel auf 600 Euro, rät aber weiterhin zum Kauf, da sich das Unternehmen in den entscheidenden Bereichen verbessere.
Aktionäre erhielten derweil am 30. April die Schlussdividende von 7,50 Euro je Aktie. Damit schüttete der Luxuskonzern für das abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt 13 Euro aus.
Für das zweite Quartal rechnet Barclays-Analystin Carole Madjo mit einer Erholung des organischen Wachstums auf fünf Prozent. Voraussetzung dafür ist eine Stabilisierung der Wein- und Spirituosensparte sowie anhaltendes Momentum bei der Kernmarke Louis Vuitton. Die Erreichung dieser Ziele steht und fällt maßgeblich mit der weiteren geopolitischen Entwicklung.
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