Die Diskussion um die Zukunft an der Konzernspitze rückt bei LVMH immer stärker in den Vordergrund. Großaktionäre fordern Klarheit, wie es nach Bernard Arnault weitergehen soll – und stellen damit ein zentrales Governance-Thema auf die Agenda. Kann die operative Stärke des Luxusgiganten die wachsenden Bedenken noch ausgleichen?
Governance-Sorgen rücken in den Vordergrund
Mehrere große Investoren kritisieren offen die fehlende Transparenz bei der Nachfolgeplanung. Nach fast vier Jahrzehnten an der Spitze gilt Bernard Arnault als prägende Figur des Konzerns, doch ein klarer Fahrplan für die Zeit danach ist nicht erkennbar.
Kern der Kritik ist, dass weder ein konkreter Nachfolger benannt noch ein nachvollziehbares Übergabekonzept kommuniziert wurde. Zwar arbeiten alle fünf Kinder Arnaults in wichtigen Führungsrollen im Unternehmen, offiziell festgelegt ist jedoch niemand.
Wichtige Punkte aus Investorensicht:
- Keine öffentliche Nachfolgeregelung trotz des hohen Alters des CEOs
- Zunehmender Risikofaktor Governance, der vor einigen Jahren noch als Randthema galt
- Möglicher „Governance-Abschlag“ auf die Bewertung, etwa aus Sicht von Investoren wie DWS und Edmond de Rothschild
Zusätzlichen Diskussionsstoff liefert die Entscheidung, die Altersgrenze für die Doppelrolle als CEO und Chairman auf 85 Jahre anzuheben. LVMH betont zwar, es gebe interne Nachfolgepläne, sieht aber von einer Veröffentlichung ab. Genau diese Intransparenz bewerten einige Anteilseigner inzwischen als Belastung für den Kurs.
Charttechnisch spiegelt sich der Druck bereits wider: Mit rund 588 Euro notiert die Aktie deutlich unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von 757 Euro, was einem Rückgang von gut 22 Prozent entspricht. Auf 30‑Tage-Sicht summiert sich das Minus auf über 21 Prozent – ein klarer Hinweis darauf, dass der Markt die Governance-Debatte nicht ignoriert.
Quartalszahlen als Bewährungsprobe
Kurzfristig richtet sich der Blick nun auf die anstehenden Jahresergebnisse, die LVMH am Dienstag nach Börsenschluss vorlegen will. Die Veröffentlichung wird zum Test, ob das operative Geschäft stark genug ist, um die Governance-Sorgen zumindest zeitweise zu überlagern.
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Operativ gilt der Konzern mit seinen starken Markenportfolios in Mode, Lederwaren, Parfums, Uhren und Spirituosen weiterhin als Schwergewicht der Branche. Entscheidend wird sein, ob LVMH beim Wachstum und bei den Margen überzeugen kann und damit ein Signal sendet, dass das Geschäftsmodell auch unabhängig von der Nachfolgedebatte robust bleibt.
Für die kurzfristige Kursentwicklung dürften vor allem zwei Aspekte zählen:
- Die Ergebnisdynamik im Vergleich zum Vorjahr und zu den Erwartungen
- Der Tonfall des Managements zum Ausblick 2026 und zur strategischen Ausrichtung
Mit einem RSI von knapp über 30 nähert sich die Aktie zudem technisch dem überverkauften Bereich. Das unterstreicht, dass viele schlechte Nachrichten bereits eingepreist sein könnten – ein starkes Zahlenwerk könnte daher durchaus für eine Gegenbewegung sorgen.
Analysten setzen auf operative Stärke
Trotz der Governance-Diskussion bleiben nicht alle Marktteilnehmer skeptisch. Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Kaufempfehlung für die LVMH Aktie in einem aktuellen Ausblick bestätigt. Die Analysten rechnen im europäischen Luxusgütersektor 2026 mit einer positiven Ergebnisdynamik und sehen LVMH gut positioniert, davon zu profitieren.
Als möglicher zusätzlicher Treiber wird insbesondere eine stärkere Dynamik bei der Marke Dior genannt. Läuft das Geschäft dort besser an, könnte dies die Konzernentwicklung spürbar stützen und damit auch den Bewertungsdruck mildern, der aus der ungelösten Nachfolgefrage entsteht.
Am Ende prallen damit zwei Stränge aufeinander: Auf der einen Seite steht ein Konzern mit starken Marken und intakter operativer Basis, auf der anderen Seite wächst der Druck, bei der Unternehmensführung mehr Transparenz zu zeigen. Wie stark die Jahreszahlen diese Spannung auflösen können, wird sich bereits mit der morgigen Veröffentlichung zeigen.
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