Rund 1,63 Milliarden Euro nimmt die Familie um Bernard Arnault in die Hand, um die Kontrollstruktur über LVMH neu zu ordnen. Am Donnerstag wurde der Plan bekannt, die bisherigen Beteiligungen in einer einzigen börsennotierten Einheit namens Agache SCA zu bündeln. Die Neuordnung trifft den Luxusgüterkonzern in einer verhaltenen Marktphase: Seit Jahresbeginn hat die LVMH-Aktie 37 Prozent an Wert verloren.
Der Schritt zielt auf eine übersichtlichere Eigentümerstruktur ab. Bisher fungierte Christian Dior SE als wichtigste Zwischenholding der Familie Arnault. Dabei werden die Familienbeteiligungen direkt mit Christian Dior verschmolzen. Anschließend firmiert das Unternehmen als Agache SCA und löst Christian Dior als börsennotierte Einheit ab.
Direkte Kontrolle über Holdinggesellschaft
Nach Abschluss der Transaktion soll Agache SCA direkt 49,76 Prozent des LVMH-Grundkapitals sowie 65,55 Prozent der Stimmrechte halten. Für die verbleibenden 2,44 Prozent der Christian-Dior-Aktien, die sich noch nicht im Besitz der Familie befinden, ist ein Pflichtangebot in bar erforderlich.
Die außerordentliche Hauptversammlung der Christian-Dior-Aktionäre zur Billigung der Neuordnung ist vor Ablauf des Jahres vorgesehen. Das Barangebot selbst soll vorbehaltlich der Genehmigung durch die französische Finanzmarktaufsicht AMF im ersten Quartal des kommenden Jahres folgen.
RBC dämpft Erwartungen an Erholung
Während die Eigner die Holdingstruktur straffen, trüben sich die operativen Aussichten ein. Am Dienstag stufte RBC Capital Markets die LVMH-Aktie von „Outperform“ auf „In-Line“ ab und senkte das Kursziel von 575 auf 475 Euro.
Die Experten begründen die Herabstufung mit einer schwächer als erwartet verlaufenden Erholung der globalen Nachfrage nach Luxusgütern. Belastend wirken geopolitische Spannungen und steigende Ölpreise. Hinzu kommen die Kursschwankungen an den Aktienmärkten und die restriktive Zinspolitik der Notenbanken.
Juristisches Nachspiel und Portfoliobereinigung
Neben dem Konzernumbau rücken auch frühere Vorgänge in den Fokus. Medienberichten zufolge belegen Dokumente eine Vereinbarung aus dem Jahr 2002 über den Erwerb von Hermès-Aktien des Erben Nicolas Puech, was LVMH im Juni gerichtlich bestritten hatte.
Zudem flossen mindestens 20 Millionen $ an die Vermögensverwaltung des Beraters Eric Freymond. Im operativen Geschäft trennte sich der Konzern indessen von Randaktivitäten und schloss am 1. September den Verkauf der Modemarke Marc Jacobs ab.
Für Anleger verschiebt sich damit der Fokus von gesellschaftsrechtlichen Weichenstellungen hin zur fundamentalen Verfassung des Konzerns. Die Bereinigung der Dachstruktur schafft zwar transparente Verhältnisse an der Spitze, ändert jedoch kurzfristig wenig am schwierigen Branchenumfeld.
Am Freitag ging die Aktie bei 400,10 Euro aus dem Handel, nachdem sie am Mittwoch bei 395,05 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert hatte. Der verhaltene Kursverlauf spiegelt die Skepsis des Marktes wider, ob die Nachfrage nach Luxusartikeln zeitnah wieder anziehen wird.
Stand heute, 28. September: LVMH – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in LVMH investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 28. September gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
