Morgen entscheidet sich in Hannover, wohin LPKF Laser & Electronics steuert. Aktionäre und Management liegen im offenen Streit — und der Kurs spiegelt die Nervosität wider.
Gegenanträge gegen das Management
Im Kern geht es um zwei gegensätzliche Visionen. CEO Klaus Fiedler hält an seinem Transformationsprogramm „North Star“ fest. Ziel: strikte Kostendisziplin und eine zweistellige operative Marge bis 2028.
Oppositionelle Aktionäre sehen das anders. Sie haben offizielle Gegenanträge eingereicht, um die Entlastung des Vorstands zu blockieren. Ihr Hauptvorwurf: Das Management vermarktet die LIDE-Technologie zu langsam. LIDE — kurz für „Laser Induced Deep Etching“ — gilt als Schlüsselverfahren für Glassubstrate in der Chipfertigung.
Die Kritiker fordern eine sofortige Kapitalerhöhung, um die Produktionskapazitäten im Bereich Advanced Packaging aggressiv auszubauen. Das Management lehnt das ab. Begründung: finanzielle Unabhängigkeit in einem volatilen Marktumfeld.
Kurssturz, Erholung, Leerverkäufer
Die Aktie hat eine turbulente Woche hinter sich. Nach einem Rücksetzer von rund 28 Prozent in der Vorwoche folgte am Dienstag eine deutliche Gegenbewegung mit zweistelligem Kursanstieg. Der Schlusskurs lag bei 23,90 Euro — auf Sicht von sieben Tagen steht noch ein Minus von gut fünf Prozent. Seit Jahresanfang hat sich der Kurs allerdings fast vervierfacht.
Hedgefonds Voleon Capital Management hat seine Netto-Leerverkaufsposition auf 2,13 Prozent des Aktienkapitals ausgebaut. Das verstärkt den Druck auf den ohnehin schwankungsreichen Titel — die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 147 Prozent.
Operative Lage: Schwaches Q1, starker Auftragseingang
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen ein geteiltes Bild. Der Umsatz brach um rund 32 Prozent auf 17,1 Millionen Euro ein. Ein schwaches Solargeschäft drückte das EBIT auf minus 6,9 Millionen Euro.
Positiver sieht der Auftragseingang aus. Er stieg auf 24,1 Millionen Euro — die Book-to-Bill-Ratio liegt bei 1,4. Das bedeutet: LPKF nimmt deutlich mehr Bestellungen herein, als es aktuell ausliefert. Vor allem Laserschneid-Systeme für Leiterplatten und Aufträge aus dem Verteidigungssektor treiben das Wachstum.
Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 105 und 120 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBIT-Marge zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Potenzielle LIDE-Volumenaufträge sind darin nicht enthalten — der Übergang zur Massenproduktion gilt als Thema für die kommenden Jahre.
Neues Gesicht im Aufsichtsrat
Neben der Strategiedebatte steht morgen eine Personalie auf der Tagesordnung. Dr. Arne Schneider soll den ausscheidenden Dr. Dirk Michael Rothweiler im Aufsichtsrat ersetzen. Schneider ist aktuell Vorstandsvorsitzender der Elmos Semiconductor SE. Seine Wahl wäre ein klares Signal: LPKF will den Fokus auf Advanced Packaging weiter schärfen. Ob das die Kritiker besänftigt, zeigt sich am Donnerstag.
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