Der Schweizer Premium-Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli sieht sich mit einer zunehmenden Zurückhaltung der Konsumenten konfrontiert. Während das Unternehmen versucht, die gestiegenen Rohstoffkosten durch massive Preissteigerungen aufzufangen, bricht die Absatzmenge spürbar ein.
Diese Entwicklung belastet das Vertrauen der Anleger in die kurzfristige Erholung des Titels erheblich. Am gestrigen Freitag gab die Aktie um 3,3 % nach und markierte bei 9.265,00 € ein neues 52-Wochen-Tief.
Die Strategie der Preissetzungsmacht stößt an Grenzen
Bereits die vor über einem Monat vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr verdeutlichten das Dilemma des Konzerns. Zwar gelang es Lindt & Sprüngli, ein organisches Umsatzwachstum von 4,3 % zu erzielen, womit das Unternehmen am unteren Ende seines Zielkorridors von 4 bis 6 % blieb.
Dieser Zuwachs war jedoch ausschließlich auf Preiserhöhungen in Höhe von 11,8 % zurückzuführen. Im Gegenzug musste das Unternehmen einen deutlichen Volumenrückgang von 7,5 % hinnehmen.
Medienberichten zufolge wachsen am Markt die Sorgen darüber, ob Lindt das Volumenwachstum nachhaltig stabilisieren kann, wenn die Kaufkraft der Kunden weiter unter Druck steht.
Dennoch hält das Management an seiner Jahresprognose fest. Diese sieht weiterhin ein organisches Wachstum zwischen 4 und 6 % sowie eine Verbesserung der operativen Marge (EBIT) um 20 bis 40 Basispunkte vor. Laut Reuters lag der Reingewinn im ersten Halbjahr über den Erwartungen der Analysten, während die EBIT-Marge leicht von 11,0 % im Vorjahr auf 11,2 % stieg.
Regionale Differenzen und Gegenmaßnahmen in Europa
Besonders das Geschäft in Europa bereitet dem Management Sorgen. Hier sank der organische Umsatz im ersten Halbjahr um 2,1 %. Als Gründe nannte das Unternehmen ein schwaches Ostergeschäft, eine gedämpfte Konsumstimmung sowie einen Rückgang des Tourismus aus Asien und dem Nahen Osten.
Im Gegensatz dazu konnten in Nordamerika und dem Rest der Welt zweistellige Zuwächse verzeichnet werden, was die Schwäche im europäischen Kernmarkt teilweise kompensierte.
Um den rückläufigen Absatzmengen entgegenzuwirken, kündigte Lindt & Sprüngli für die zweite Jahreshälfte gezielte Maßnahmen an. In ausgewählten Märkten, darunter Deutschland und die Schweiz, sollen verstärkte Marketingaktivitäten die Markenpräsenz erhöhen.
Zudem sind gezielte Preisanpassungen geplant, um die Balance zwischen Rentabilität und Absatzvolumen wiederherzustellen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 26 % an Wert verloren, was den Druck auf die Umsetzung dieser Strategien erhöht.
Analysten blicken auf strukturelle Herausforderungen
Die langfristige Perspektive des Unternehmens wird auch von Experten kritisch beäugt. Die Analysten von Berenberg stuften die Aktie bereits im Februar auf „Sell“ herab und verwiesen dabei auf den Trend zu GLP-1-Abnehmmitteln, der das Volumengeschäft bei Genussmitteln und Snacks langfristig gefährden könnte.
Im Juni senkten zudem Barclays und Goldman Sachs ihre Kursziele auf 95.000 CHF und bestätigten ihre Verkaufsempfehlungen. Sie begründeten dies mit dem anhaltenden Druck auf das Absatzgeschäft in Europa und einer schwindenden Preissetzungsmacht im Zuge einer Normalisierung der Kakaopreise.
Für Investoren bleibt die Frage zentral, ob die angekündigten Marketingoffensiven in der laufenden zweiten Jahreshälfte ausreichen, um die Volumenverluste zu stoppen. Konkrete Zahlen zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen und zur Bilanz des Gesamtjahres 2026 werden erst mit der Vorlage der Ergebnisse am 9. März 2027 erwartet. Bis dahin bleibt die fundamentale Entwicklung durch die Dynamik zwischen Rohstoffkosten und Konsumverzicht geprägt.
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