Regenfluten in Westafrika treiben die Kakaopreise in nie gekannte Höhen. Für Schokoladenhersteller bedeutet das puren Stress auf der Kostenseite. Bei Lindt & Sprüngli klaffen Krisenstimmung und Kursverlauf aktuell weit auseinander. Die Aktie feiert ein plötzliches Comeback.
Zu Wochenbeginn rutschte das Papier auf ein neues Jahrestief bei 9.720 Euro ab. Seitdem greifen Anleger wieder zu. Aktuell notiert der Titel bei 10.440 Euro. Auf Wochensicht verbucht die Aktie ein Plus von knapp sieben Prozent. Marktbeobachter werten dies als klassische technische Gegenreaktion.
Trotz der jüngsten Erholung bleibt die Jahresbilanz tiefrot. Seit Januar verzeichnet der Premium-Chocolatier einen Verlust von rund 17 Prozent. Der Relative-Stärke-Index liegt derzeit bei 60,1. Das Papier hat die überverkaufte Zone damit verlassen. Eine Überhitzung liegt aber noch nicht vor.
El Niño treibt die Kosten
Das fundamentale Umfeld bleibt extrem schwierig. Das Wetterphänomen El Niño flutet die Elfenbeinküste mit überdurchschnittlichen Regenfällen. Nässe behindert die Ernte im wichtigsten Anbaugebiet der Welt. Zusätzlich breiten sich Pflanzenkrankheiten rasant aus.
Die Folge: Kakao-Futures schossen zuletzt über die Marke von 4.600 US-Dollar pro Tonne. Das erzeugt enormen Druck auf die Bruttomargen. Lindt gibt diese Kosten historisch über höhere Preise an Kunden weiter. Analysten bezweifeln allerdings die anhaltende Zahlungsbereitschaft im Premiumsegment.
Margenrettung durch Pistazien
Der Konzern wehrt sich mit margenstarken Innovationen gegen die Absatzflaute. Im Reiseeinzelhandel feiert Lindt massive Erfolge mit der „Dubai Style Chocolate“. Diese Mischung aus Milchschokolade, Pistazienpaste und knusprigem Kadayif räumte dieses Jahr bereits wichtige Branchenpreise ab.
Das Unternehmen spricht intern bereits von einer globalen „Pistachio Mania“. Lindt hat das Sortiment zügig um eine limitierte Pistazien-Reihe erweitert. Solche Spezialitäten bilden den Kern der aktuellen Strategie. Sie sollen das Volumenwachstum trotz hoher Inflation stützen.
Der Blick auf den Juli
Im Juli muss das Management Farbe bekennen. Dann veröffentlicht Lindt & Sprüngli die Zahlen für das erste Halbjahr. Dieser Bericht zeigt konkret, ob die Preiserhöhungen den Kakaoschock abfedern. Analysten rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einem Gewinn von 3.148 Schweizer Franken je Aktie. Verfehlt der Konzern diese Marke, droht der nächste Ausverkauf.
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