Starke Nachfrage, schwache Kurse? Bei Lindt & Sprüngli ist es derzeit genau umgekehrt. Die Papiere erholen sich rasant, während die Kunden im Supermarkt streiken. Der Schweizer Schokoladenriese kämpft mit einem massiven Absatzeinbruch und teurem Kakao.
An der Börse atmen Investoren auf. Der Partizipationsschein kletterte in den vergangenen sieben Tagen um gut sieben Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 10.520 Euro. Damit löst sich der Kurs deutlich vom jüngsten 52-Wochen-Tief. Dieses markierte der Titel erst in der Vorwoche bei 9.720 Euro.
Die langfristige Bilanz bleibt trübe. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 16 Prozent auf der Anzeigetafel. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch aus dem Vorjahr beträgt noch immer satte 27 Prozent.
Kunden meiden teure Schokolade
Die aktuelle Kurserholung verdeckt tiefe operative Risse. Für das erste Halbjahr 2026 erwartet der Vorstand weiter sinkende Verkaufsmengen. In Deutschland brach der Absatz zuletzt um 15 Prozent ein. Selbst Rabattaktionen zum wichtigen Ostergeschäft verpufften wirkungslos.
Die Käufer weichen zunehmend auf günstigere Konkurrenzprodukte aus. Die Folge: Lindt korrigiert seine Preisstrategie und gibt Margenspielraum auf. Erschwerend kommt die starre Kostenstruktur hinzu. Das Management hat den Kakaobedarf für das laufende Jahr bereits vollständig zu hohen Preisen abgesichert. Günstigere Ernten in Westafrika entlasten die Bilanz vorerst nicht.
In den USA droht ein weiteres Problem. Dort stehen mögliche Importzölle von 39 Prozent im Raum. Das Unternehmen prüft daher eine Verlagerung der Goldhasen-Produktion nach Nordamerika.
Milliarden-Kauf stützt den Kurs
Warum steigt der Kurs trotz dieser Belastungen? Ein Grund ist das laufende Rückkaufprogramm. Lindt erwirbt bis April 2029 eigene Papiere für bis zu eine Milliarde Franken. Das Programm umfasst maximal zehn Prozent des Kapitals. Der Konzern will diese Titel später vernichten. Das verknappt das Angebot und erhöht den Gewinn je verbleibendem Anteilsschein.
Parallel dazu meldet das Unternehmen Fortschritte beim Thema Nachhaltigkeit. Ab diesem Jahr stammt der gesamte Kakao aus Rainforest-Alliance-zertifiziertem Anbau. Lindt reagiert damit auf die neue EU-Entwaldungsverordnung. Diese tritt nach Verzögerungen Ende 2026 in Kraft.
Die Stunde der Wahrheit schlägt im Juli 2026. Dann präsentiert Lindt & Sprüngli die Halbjahreszahlen. Der Bericht muss belegen, ob die jüngsten Preiskorrekturen den Volumenschwund tatsächlich stoppen. Fällt der Absatz weiter, rückt das frische Jahrestief schnell wieder in den Fokus.
