Starkes Wachstum, enttäuschender Aktienkurs – bei Life360 prallen am Dienstag zwei Geschichten aufeinander. Der Betreiber der Familien-Sicherheitsplattform legte für das erste Quartal robuste Geschäftszahlen vor. Doch die Anleger schauten genauer hin: auf die Marge. Die Reaktion fiel deutlich aus – an der Börse in Sydney stürzte die Aktie um fast elf Prozent ab. Zum Vergleich: Der aktuelle Kurs von 11,10 Euro liegt nur noch einen Hauch über dem 52-Wochen-Tief.
Umsatzsprung durch Werbung
Die Topline überzeugt auf den ersten Blick. Life360 steigerte den Umsatz im Jahresvergleich um 38 Prozent auf 143,1 Millionen Dollar. Treiber war vor allem das Werbegeschäft: Die Sparte wuchs um 329 Prozent auf 19,7 Millionen Dollar. Möglich machte das die Integration der übernommenen Plattform Nativo, die zielgruppengenaue Anzeigen in die App ausspielt.
Auch die Nutzerzahlen zeigen deutlich nach oben. Die monatlich aktiven User (MAU) stiegen um 17 Prozent auf 97,8 Millionen. Die Zahl der zahlenden Kreise wuchs um 27 Prozent auf 3,0 Millionen. Den annualisierten Monatsumsatz (AMR) bezifferte das Management auf 517,9 Millionen Dollar – ein Plus von 32 Prozent.
Margendruck belastet
Doch unter dem Strich blieb weniger hängen. Der operative Kostenblock wuchs mit 46 Prozent auf 118,6 Millionen Dollar schneller als der Umsatz. Die Bruttomarge schrumpfte von 81 auf 77 Prozent. In der Folge sank der ausgewiesene Nettogewinn auf 2,8 Millionen Dollar nach 4,4 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
Das bereinigte EBITDA stieg zwar auf 17,1 Millionen Dollar – doch die Marge fiel von 15 auf 12 Prozent. Hinzu kam ein deutlicher Rückgang im Hardwaregeschäft. Die Verkäufe eigener Ortungsgeräte brachen um fast die Hälfte auf 4,5 Millionen Dollar ein.
Ausblick angehoben
Für das Gesamtjahr zeigt sich der Vorstand dennoch optimistisch. Die Prognose wurde angehoben: Life360 erwartet nun einen Umsatz zwischen 650 und 685 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA soll 130 bis 140 Millionen Dollar erreichen.
Technische Probleme – konkret mit Android-Geräten – hätten das Nutzerwachstum im ersten Quartal gebremst, erklärte das Management im Rahmen der Telefonkonferenz. Die Fehler seien inzwischen behoben. Normalisierung erwartet der Vorstand zum dritten Quartal.
Analysten von Jefferies bewerteten die Zahlen trotz des Kursrutsches als positiv. Life360 verfügt zudem über eine komfortable Liquidität: 459 Millionen Dollar in cash.
Der Markt aber sortiert erst einmal die Margen-Story. Der RSI von 21 zeigt stark überverkaufte Niveaus an – das deutet auf eine mögliche technische Gegenbewegung hin. Fundamentale Beruhigung dürfte aber erst mit nachhaltiger Margenerholung eintreten.
