Li-FT Power schließt den Freitagshandel bei 2,10 Euro, ein Plus von 4,48 Prozent zum Vortag. Der Wochenblick zeigt trotzdem ein Minus von 9,87 Prozent, auf Monatssicht steht ein Verlust von 25,80 Prozent zu Buche. Die Aktie notiert 63,16 Prozent unter ihrem Januar-Hoch von 5,70 Euro — und gleichzeitig 67,33 Prozent über ihrem Tief vom September 2025. Diese Spanne zeigt: Der Markt kann sich bei diesem Titel gerade nicht entscheiden.
Der Grund liegt in zwei parallel laufenden Wetten. Li-FT treibt ein großes Bohrprogramm in Québec voran. Gleichzeitig tickt eine regulatorische Uhr für die Option auf die ehemalige Renard-Diamantmine. Beide Stränge könnten den Kurs in den kommenden Wochen in völlig unterschiedliche Richtungen ziehen.
Die Ausgangslage
Das Unternehmen bohrt bereits, nicht nur plant. Li-FT hat die Explorationsarbeiten am Adina-Galinée-Lithium-Projekt sowie an den Liegenschaften Cancet, Tilly, Nottaway und Sirmac-Clapier in Québec gestartet. Für die Saison 2026 sind am Adina-Galinée-Projekt 163 Diamantbohrungen mit einer Gesamtlänge von 38.970 Metern geplant.
Parallel dazu hat die Option auf die Renard-Mine nur einen Verfahrensschritt genommen, keinen Abschluss. Der Superior Court of Québec hat die verbindliche Kaufoptionsvereinbarung vom 23. Juni 2026 mit Stornoway Diamonds genehmigt. Die Option selbst bleibt jedoch an Bedingungen geknüpft.
Entscheidend: Die Optionsgebühr von 12 Millionen kanadischen Dollar liegt treuhänderisch beim Monitor, bis die Genehmigung des Ministère des Ressources naturelles et des Forêts für den Aufschub der Rehabilitierungsarbeiten in Renard vorliegt. Wird diese Freigabebedingung nicht bis zum 3. Oktober 2026 erfüllt — oder zu einem mit Monitor und Sicherheitengläubigern vereinbarten späteren Datum —, fließt die Gebühr an Li-FT zurück. Die Option wäre damit beendet.
Die entscheidende Frage
Bevor Bohrergebnisse den Kurs bewegen können, entscheidet eine einzige Größe über die Stimmung: Genehmigt das Québecer Ministerium die Freigabebedingung fristgerecht?
Ein positiver Bescheid hält die Option auf bis zu 2,2 Millionen Tonnen jährliche Verarbeitungskapazität am Leben — bestehende Infrastruktur, die sich in den Entwicklungsplan von Adina einfügen ließe. Ein negativer Bescheid bringt zwar die 12 Millionen kanadischen Dollar zurück, beendet aber vorerst den kapitaleffizientesten Weg zu einer eigenen Verarbeitungslösung. Li-FT müsste dann in einer Region, in der die eigenen Explorationsausgaben die Bilanz bereits belasten, von Grund auf neu bauen.
Bull-Szenario
Die Erholungsthese stützt sich auf zwei Arbeitsstränge, die zusammenlaufen könnten. Das gerade gestartete Programm mit 163 Bohrlöchern und knapp 39.000 Metern soll Adina-Galinée laut Management als ein zusammenhängendes System behandeln — mit dem Ziel, die bestehende Ressource sowohl auszubauen als auch abzusichern. Parallel arbeiten Oberflächenprogramme in Cancet, Tilly, Sirmac-Clapier und Nottaway daran, die nächste Generation an Zielgebieten freizulegen.
Sollte die Freigabebedingung erfüllt werden, behielte Li-FT eine für einen nominalen Betrag ausübbare Option auf ein Gelände mit erheblicher Substanz: eine vollständig überdachte Verarbeitungsanlage mit 2,2 Millionen Tonnen Jahreskapazität, einen Flughafen, ein mit LNG betriebenes 16-Megawatt-Kraftwerk, Tailings- und Wassermanagement-Infrastruktur, eine Werkstatt und ein Camp mit 330 Betten. Die Anlage liegt rund 60 Kilometer südlich des Adina-Lithium-Projekts.
Technisch spricht einiges für eine Gegenbewegung. Der RSI liegt bei 31,2 und signalisiert überverkaufte Bedingungen, während die Aktie 32,54 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt notiert. Bei einer annualisierten Volatilität von 70,84 Prozent könnte ein positiver regulatorischer oder geologischer Auslöser eine scharfe technische Erholung auslösen.
Bear-Szenario und Risiken
Die pessimistische Sichtweise geht davon aus, dass der Markt die Risikobalance bereits korrekt einpreist. Selbst eine erfolgreiche Freigabebedingung bedeutet noch keinen abgeschlossenen Deal. Investoren sollten die Gerichtsgenehmigung nicht mit einer vollzogenen Akquisition verwechseln — die Transaktion hängt noch von mehreren weiteren Schritten ab: der Verhandlung und Unterzeichnung einer Kaufvereinbarung im Fall der Optionsausübung, der gerichtlichen Genehmigung dieser Vereinbarung sowie sämtlichen regulatorischen Zustimmungen einschließlich der TSX Venture Exchange.
Die laufenden Kosten sind unterdessen real und unmittelbar fällig. Während der Optionsperiode trägt Li-FT allein die Instandhaltungskosten für die Renard-Mine, geschätzt auf 18 Millionen kanadische Dollar jährlich — eine erhebliche wiederkehrende Belastung gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung von 111,18 Millionen Euro.
Renard selbst ist kein betriebsbereites Objekt, das einfach angeschaltet werden kann. Der Betrieb wurde im Januar 2025 eingestellt. Li-FT übernimmt also keine produzierende Mine mit laufendem Cashflow, sondern verfolgt ein bereits stillgelegtes Gelände, das zudem unter Restrukturierungsaufsicht steht. Verstreicht die Ministeriumsfrist im Oktober ohne Genehmigung, kommt die Gebühr zwar zurück — die strategische Option verschwindet aber, und das Bohrprogramm braucht weiterhin Finanzierung, ohne die Abkürzung über bestehende Verarbeitungskapazität.
Ausblick
Solange die Freigabebedingung offen bleibt, dürfte der Kurs stärker auf Schlagzeilen rund um die Ministeriumsentscheidung reagieren als auf reine Bohrergebnisse. Kommt die Genehmigung bis zum 3. Oktober 2026, überlebt die Option — das könnte eine erneute Neubewertung in Richtung der derzeit deutlich höher liegenden 100-Tage-Linie (3,29 Euro) und 200-Tage-Linie (3,18 Euro) stützen.
Kippt die Entscheidung in die andere Richtung und die Gebühr fließt zurück, dürfte die kurzfristige Erzählung wieder rein auf die Explorationsökonomie der laufenden Bohrprogramme in Adina-Galinée und Yellowknife zurückfallen. Das 52-Wochen-Tief von 1,25 Euro bliebe dann die zentrale Abwärtsmarke.
Der nächste konkrete Katalysator ist damit klar datiert: die Entscheidung des Québecer Ministeriums zur Freigabebedingung, fällig spätestens zum 3. Oktober 2026 — begleitet von den ersten Analyseergebnissen aus dem frisch gestarteten 163-Bohrloch-Programm in Adina-Galinée.
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