Leonardo sichert sich einen wichtigen Etappensieg im britischen Rüstungsgeschäft. Der Rüstungskonzern hat sich für sein Gebot im UK-Programm New Medium Helicopter (NMH) auf ein zentrales Triebwerk festgelegt. Trotzdem gibt die Aktie seit Tagen nach. Ein Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen auflöst.
Triebwerksentscheidung für Großbritannien
Leonardo hat am 14. Juli bestätigt: Für die 23 AW149-Hubschrauber im britischen NMH-Programm setzt der Konzern auf das Triebwerk CT7-2E1 von GE Aerospace. Die Wahl fiel nicht zufällig auf dieses Modell. Es teilt sich technische Komponenten mit der bestehenden T700-Flotte der britischen Armee. Das erleichtert Wartung und Logistik für das Verteidigungsministerium erheblich.
Gebaut und gewartet werden die Triebwerke in Großbritannien selbst, bei StandardAero in Gosport und bei Barnes Aerospace in Newton Abbot. Britische Regierungsanalysen gehen noch weiter: Leonardos Werk in Yeovil könnte sich zu einem globalen Exportzentrum für den AW149 entwickeln. Die Schätzungen sprechen von Exportaufträgen im Volumen von bis zu 15 Milliarden britischen Pfund über das kommende Jahrzehnt.
Cluster-Aufbau in Italien
Parallel zur Triebwerksentscheidung war Leonardo am selben Tag in Rom aktiv. Bei einem von RIAL und Lazio Innova organisierten Zulieferer-Treffen kamen große Industriekonzerne und mittelständische Betriebe zusammen. Ziel ist ein regionaler Luft- und Raumfahrt-Cluster in Latium.
Leonardo nahm dort gemeinsam mit Telespazio und Thales Alenia Space an Gesprächsrunden teil. Im Fokus standen neue Kooperationen mit kleineren Zulieferern der italienischen Branche. Der Sektor verzeichnet aktuell hohe Exportzuwächse und steigende heimische Investitionen.
Aktie unter Druck trotz voller Auftragsbücher
Die Kursentwicklung passt auf den ersten Blick nicht zu diesen positiven Nachrichten. Leonardo schloss am Dienstag bei 50,76 Euro, ein Minus von 4,87 Prozent binnen sieben Tagen. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 3,17 Prozent zu Buche.
Vom Rekordhoch bei 65,50 Euro im März dieses Jahres trennen die Aktie mittlerweile 22,5 Prozent. Der RSI von 48 signalisiert dabei neutrale Dynamik, weder überkauft noch überverkauft. Zum 52-Wochen-Tief von 43,53 Euro aus dem November hält die Aktie weiterhin knapp 17 Prozent Abstand.
Der Kursrückgang trifft Leonardo in einer Phase operativer Stärke. Der Auftragsbestand liegt bei rund 56,8 Milliarden Euro, nachdem die Neuaufträge im ersten Quartal um 31 Prozent zugelegt hatten. Die Investmentbank Jefferies bleibt trotz der Kursschwäche positiv gestimmt und verweist auf das strukturelle Wachstum der europäischen Verteidigungsbudgets.
Der breitere Rüstungssektor kämpft derzeit mit Gegenwind. Der STOXX Europe Targeted Defence Index hat in den vergangenen Monaten 14 Prozent verloren. NATO- und EU-Staaten wollen ihre Verteidigungsausgaben 2026 auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben, was dem Sektor mittelfristig Rückenwind verschaffen dürfte.
Für Leonardo bleiben zwei Entwicklungsstränge entscheidend: der Ausgang des britischen NMH-Vergabeverfahrens und die Frage, wie schnell sich der Auftragsbestand von 56,8 Milliarden Euro in Umsatz und Kurserholung übersetzt.
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