Lenzing hat seine Führungsfrage geklärt: Der Aufsichtsrat des Faserherstellers hat Georg Kasperkovitz offiziell zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Die Bestätigung kam am Sonntag, rückwirkend zum 1. Juni, und läuft bis Ende Mai 2029. Für Anleger ist damit klar, wer die milliardenschwere Neuausrichtung des Unternehmens in den kommenden Jahren verantwortet.
Kasperkovitz ist kein Unbekannter im Konzern. Der 60-Jährige war zuvor Chief Operations Officer und behält diese Funktion nun zusätzlich zum Vorstandsvorsitz.
Der übrige Vorstand bleibt unverändert: Mathias Breuer verantwortet weiterhin die Finanzen als CFO, Christian Skilich zeichnet als CPO-CTO für Produktion und Technologie. Personelle Kontinuität an der Spitze signalisiert, dass Lenzing den eingeschlagenen Kurs nicht neu verhandeln, sondern konsequent umsetzen will.
Der Umbau läuft bereits
Die Personalie fällt in eine Phase, in der Lenzing seine Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ bereits in konkrete Maßnahmen übersetzt hat. Am vergangenen Dienstag billigten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung um rund 300 Millionen Euro, eingebettet in ein Gesamtfinanzierungspaket von 600 Millionen Euro. Die Kapitalerhöhung soll bis spätestens 25. Februar 2027 durchgeführt werden. Seit dem Beschluss hat die Aktie um 1,1 Prozent nachgegeben.
Parallel dazu zieht der Konzern seine Produktionslandschaft zusammen. Vor über einem Monat wurde bekannt, dass die Faserproduktion am Standort Heiligenkreuz im Burgenland bis Jahresende eingestellt wird; die englische Anlage in Grimsby soll 2027 auslaufen. Weltweit sind davon rund 2.000 Arbeitsplätze betroffen. Seit dieser Ankündigung ist der Kurs um 4,7 Prozent gesunken.
Kasperkovitz übernimmt in schwierigem Marktumfeld
Für den neuen Konzernchef bedeutet das: Er tritt sein Amt nicht in einer Phase der Konsolidierung, sondern mitten im größten Umbauprogramm der jüngeren Unternehmensgeschichte an. Die Doppelrolle als CEO und COO deutet darauf hin, dass der Aufsichtsrat operative Kontinuität über die Umsetzungsphase hinweg sichern will, statt einen Schnitt an der Spitze zu vollziehen.
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen spiegelt die Unsicherheit über den Ausgang dieses Umbaus. Die Aktie notiert aktuell bei 22,30 Euro und liegt damit rund 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 29,75 Euro.
Auf Monatssicht steht ein Minus von 4,9 Prozent, seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang 4,1 Prozent. Der Titel handelt derzeit unterhalb sämtlicher gängiger gleitender Durchschnitte, was auf einen fortgesetzten Abwärtstrend hindeutet.
Für Anleger bleibt die Ausgangslage komplex: Personelle Klarheit an der Spitze trifft auf eine Aktie, die unter dem Druck der anstehenden Kapitalerhöhung und der Werksschließungen weiter Boden verliert. Ob Kasperkovitz die Trendwende gelingt, dürfte sich erst zeigen, wenn die Kapitalmaßnahme bis Februar 2027 vollständig umgesetzt ist und die Effekte der Standortschließungen in den Zahlen sichtbar werden.
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