Laufende Bezugsfrist verlangt schnelles Handeln
Vor gut einer Woche brachte Lenzing eine Barkapitalerhöhung auf den Weg. Für die Aktionäre des Faserherstellers rückt die Abwicklung dieser Transaktion nun in die entscheidende Phase. Der Handel mit den Bezugsrechten an der Wiener Börse läuft bereits und endet am 14. Oktober. Wer die eigenen Anteile nicht verwässern lassen möchte oder einen Verkauf der Rechte anstrebt, muss in den kommenden Tagen handeln.
Die Notierung steht dabei weiterhin unter Abgabedruck. Im heutigen Handel verliert das Papier 1,9 Prozent auf 10,52 Euro. Damit bewegt sich der Kurs nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 10,36 Euro. Die Schwäche der vergangenen Handelstage verdeutlicht, wie nervös der Markt auf die anstehende Ausweitung der Aktienmenge reagiert.
Der Bezugspreis von 8,65 Euro als Dreh- und Angelpunkt
Im Zentrum der Überlegungen steht der rechnerische Wert der Transaktion. Lenzing gibt fast 35 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von EUR 8,65 je Stück aus. Das Bezugsverhältnis wurde auf 10:9 festgelegt. Altaktionäre können somit für zehn bestehende Papiere neun neue Anteilsscheine erwerben.
Der Abstand zwischen dem Börsenkurs und dem Bezugspreis entscheidet darüber, wie attraktiv das Nachfassen für Investoren tatsächlich bleibt. Gleichzeitig richtet sich das Augenmerk auf die fundamentale Ertragskraft des Konzerns.
Analyst Sebastian Bray von Berenberg senkte am 2. Oktober die Einstufung von „Buy“ auf „Hold“ und reduzierte das Kursziel deutlich auf EUR 17,00. Medienberichten zufolge kürzte das Bankhaus zudem die EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr auf EUR 55 Mio. Entscheidend ist, ob das operative Geschäft nach dem Mittelzufluss zügig wieder eine höhere Rentabilität erreicht.
Erholungschancen durch frische Liquidität und Kernaktionäre
Auf der positiven Seite verschafft die vollständig garantierte Maßnahme dem Unternehmen dringend benötigten finanziellen Spielraum. Über die Barkapitalerhöhung fließen brutto rund EUR 300 Mio. in die Kassen. Dieser Schritt stärkt das Eigenkapital und federt Belastungen aus dem veränderten Zinsumfeld ab.
Zudem demonstrieren wesentliche Eigentümer ihre Unterstützung. Die B&C-Gruppe, Suzano sowie die Oberbank haben sich verpflichtet, ihre jeweiligen Bezugsrechte auszuüben. Im Rahmen der Zuteilungen erhielt die Oberbank knapp 1,5 Millionen Bezugsrechte, während Vorstandsmitglied Christian Skilich 1.710 Einheiten verbuchte. Ein verlässlicher Aktionärskreis sichert damit das Fundament der Restrukturierung.
Stabilisieren sich die Märkte und schlagen sich die Rohstoffpreise bei Viskose und Baumwolle künftig besser in den Ergebnissen nieder, könnte der Kurs nach Abschluss der Platzierung Boden gutmachen. Das Kursziel von Berenberg signalisiert mit EUR 17,00 trotz der Zurückstufung potenziellen Raum nach oben.
Operative Belastungen und Verwässerung dämpfen die Aussichten
Dem Erholungspfad stehen jedoch erhebliche Bremsklötze gegenüber. Das Bezugsverhältnis von 10:9 bedeutet eine spürbare Verwässerung des bisherigen Bestands. Der künftige Unternehmensgewinn verteilt sich auf wesentlich mehr Aktien, was die Kennzahlen je Anteilsschein dämpft.
Hinzu kommen operative Hürden. Berenberg begründete die Herabstufung unter anderem damit, dass sich gestiegene Preise für Baumwolle und Viskose zuletzt nicht wie erhofft im Ergebnis widergespiegelt haben. Hohe Zinsen begrenzen den finanziellen Spielraum zusätzlich, falls eine operative Erholung länger auf sich warten lässt.
Auch die Dynamik im Aktionariat birgt Unsicherheiten. Eine Pflichtmitteilung von The Goldman Sachs Group wies am Mittwoch eine Schwellenberührung vom 2. Oktober aus, bei der ein Anteil von 2,54 Prozent über Goldman Sachs Asset Management B.V. gemeldet wurde. Sollten Marktteilnehmer nach der Bezugsfrist Bestände abstoßen, droht erneuter Verkaufsdruck.
Wichtige Fristen bis zum Börsenstart der neuen Anteile
Solange sich der Börsenkurs über der Bezugsmarke von EUR 8,65 behauptet, bleibt der Anreiz zur Ausübung der Bezugsrechte grundsätzlich bestehen; rutscht die Notierung näher an diesen Sockelbetrag heran, gerät das Vertrauen in die Platzierung zusätzlich ins Wanken.
Der Zeitplan für die kommenden Tage ist eng getaktet. Der Handel mit den Bezugsrechten endet am 14. Oktober. Bis einschließlich 20. Oktober läuft die eigentliche Frist, innerhalb derer Aktionäre ihre neuen Anteilsscheine zeichnen können.
Den finalen Schritt markiert voraussichtlich der 23. Oktober. An diesem Tag sollen Abwicklung, Lieferung und der Handelsbeginn der neuen Aktien erfolgen, vorausgesetzt, die Kapitalerhöhung wird zuvor im Firmenbuch eingetragen. Erst danach wird sich zeigen, auf welchem Niveau sich der Faserhersteller am Kapitalmarkt einpendelt.
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