Lenovo hat ein Quartal hingelegt, das kaum Wünsche offen lässt. Der PC- und Serverkonzern übertraf im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Erwartungen deutlich — und das in einem Segment, das lange als Sorgenkind galt.
Infrastrukturgeschäft erstmals ganzjährig profitabel
Das Infrastruktursegment ISG erzielte im Gesamtjahr einen Rekordumsatz von über 19,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals schrieb dieser Bereich über ein volles Geschäftsjahr schwarze Zahlen — mit einem Ergebnisbeitrag von 73 Millionen Dollar. Allein im vierten Quartal kletterte der ISG-Umsatz auf 5,63 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 37 Prozent.
Treiber ist die explodierende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Die Pipeline an KI-Serverprojekten beläuft sich aktuell auf rund 21 Milliarden Dollar. Über 5.800 KI-Deployments hat Lenovo bislang realisiert. Die hauseigene Neptune-Flüssigkühltechnologie legte dabei besonders stark zu: Der Umsatz verdreifachte sich im Jahresvergleich.
Quartalszahlen weit über Konsens
Der Konzernumsatz für das Gesamtjahr erreichte 83,1 Milliarden Dollar, ein Wachstum von 20 Prozent. Das bereinigte Nettoergebnis stieg um 42 Prozent auf 2 Milliarden Dollar. Im Schlussquartal fiel die Überraschung noch deutlicher aus:
- Quartalsumsatz: 21,59 Milliarden Dollar (Konsens: 19,19 Milliarden Dollar)
- Bereinigter Nettogewinn Q4: 559 Millionen Dollar — doppelt so viel wie im Vorjahresquartal
- KI-Umsatzanteil Q4: 38 Prozent des Gesamtumsatzes, plus 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr
Das klassische PC-Geschäft unter dem Dach der Intelligent Devices Group steuerte 14,6 Milliarden Dollar bei, ein Zuwachs von 24 Prozent. Lenovos globaler PC-Marktanteil hält sich stabil bei 24,4 Prozent, die Hälfte des Portfolios entfällt mittlerweile auf Premiumgeräte.
„AI Factory“ als Wachstumsmotor
CEO Yuanqing Yang hat das Ziel ausgegeben, den Konzernumsatz innerhalb der nächsten zwei Jahre auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Kern der Strategie ist das sogenannte „AI Factory“-Modell: die Lieferung kompletter KI-Infrastruktur inklusive Hochleistungshardware wie dem GB300 NVL72 und der für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigten Rubin-Plattform.
Das Dienstleistungssegment SSG erzielte im Quartal 2,56 Milliarden Dollar Umsatz, wobei Managed Services bereits 62 Prozent davon ausmachen. Mit der Übernahme von Infinidat positioniert sich Lenovo als Komplettanbieter für hybride KI-Umgebungen. Die jährliche Produktionskapazität übersteigt inzwischen 70.000 Racks, mehr als 11.000 davon mit Direktflüssigkühlung ausgestattet.
Der Kursanstieg an der Börse spiegelt die Dynamik wider: Die Lenovo-Aktie notiert auf einem 52-Wochen-Hoch und hat seit Jahresbeginn knapp 90 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Dell Technologies gewann nach eigenen KI-Ankündigungen zuletzt 24 Prozent — der Wettbewerb um Rechenzentrumsaufträge läuft auf Hochtouren.
Aktionäre erhalten für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Schlussdividende von 33,70 Hongkong-Cent je Aktie.
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