Startseite » Europa-Märkte » Laserwaffen-Boom bei AeroVironment, Ausverkauf bei Rheinmetall und Hensoldt
Symbolbild, KI-generiert

Laserwaffen-Boom bei AeroVironment, Ausverkauf bei Rheinmetall und Hensoldt

Ein US-Laserauftrag beflügelt AeroVironment kurzzeitig, während Rheinmetall und Hensoldt trotz starker Aufträge Kursverluste verzeichnen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • US-Armee vergibt 464,8-Millionen-Dollar-Laserauftrag
  • Rheinmetall verliert trotz Milliarden-Auftragsbestand
  • DroneShield wächst, bleibt aber defizitär
  • Airbus erzielt vorläufige Spanien-Einigung

Ein einziger Serienauftrag für Laserwaffen sorgte diese Woche für den größten Kurssprung im gesamten Rüstungssektor. Zeitgleich rutschten ausgerechnet die europäischen Vorzeigewerte Rheinmetall und Hensoldt trotz voller Auftragsbücher weiter ab. Fünf Aktien, ein gemeinsamer Aufrüstungszyklus – und fünf komplett unterschiedliche Reaktionen des Marktes.

Der Sektor im Überblick

Die Verteidigungsbudgets der NATO-Staaten wachsen weiter, doch der Handel dieser Woche zeigt einen Markt, der deutlich wählerischer geworden ist. Rheinmetall und Hensoldt meldeten zuletzt Rekord-Auftragseingänge, ihre Kurse liefen trotzdem in die entgegengesetzte Richtung. Anleger hinterfragen zunehmend Ausführungsrisiken, Fertigungsqualität und die ambitionierten Bewertungen nach einer mehrjährigen Rally.

Auf der anderen Seite des Atlantiks reitet AeroVironment auf einer anderen Welle. Das Unternehmen profitiert davon, dass Pentagon-Beschaffungen in aufstrebenden Kategorien wie gerichteter Energie vom Prototyp in die Serienproduktion übergehen. In Australien zeigt DroneShield ein drittes Muster: explosives Umsatzwachstum trifft auf anhaltende Verluste und einen schmerzhaften Kursrückgang. Airbus wiederum balanciert zwischen einem prallen zivilen Auftragsbestand und einem Arbeitskonflikt in Spanien, der die Lieferpläne fürs Jahresende bedroht. Kapital fließt weiter in den Sektor – der Markt bepreist Ausführungsrisiken aber deutlich schärfer als noch vor einem Jahr.

Rheinmetall: Auftrag aus Kanada bremst die Verkaufswelle nicht

Rheinmetall setzte seine Talfahrt auch zuletzt fort. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent an einem einzigen Handelstag.

Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 9,9 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es rund 33 Prozent – der Titel notiert damit annähernd die Hälfte unter seinem Hoch vom Oktober vergangenen Jahres.

Der Abwärtstrend hält an, obwohl das Unternehmen operativ liefert. Rheinmetall Canada erhielt zuletzt einen Auftrag zur Lieferung von Ersatzteilen für Luftstartsysteme an die US Navy – ein Randgeschäft im einstelligen Millionenbereich, das den Kurs nicht stützen konnte.

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, gestützt von einem Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro. Dennoch brach die Aktie am Tag der Zahlen zeitweise um rund neun Prozent ein – der Konzern hatte nach dem Stopp des F126-Fregattenprojekts seine Umsatzprognose für 2026 gesenkt. mwb research reagierte mit einer Hochstufung von Verkaufen auf Halten, beließ das Kursziel aber bei 1.050,00 Euro.

DroneShield: Rekordumsatz, aber der Kurs findet keinen Boden

DroneShield bleibt der volatilste Titel im Sektor. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,07 Euro, ein Plus von 2,6 Prozent – einer der wenigen grünen Tage in einem schwachen Monat.

Die Erholung bleibt fragil. Der Kurs kämpft seit Wochen mit dem eigenen Erfolg: Explosives Umsatzwachstum trifft auf tiefrote Verlustzahlen, eine laufende Untersuchung der australischen Aufsichtsbehörde ASIC und einen hohen Anteil an Leerverkäufen – eine Kombination, die viele Anleger fernhält.

Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 23 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 41 Prozent reduziert. Vom Hoch aus dem Vorjahr ist der Titel damit weit entfernt.

Das Halbjahresergebnis unterstreicht den Spagat zwischen Wachstum und Profitabilität: Der Umsatz sprang um 74 Prozent auf 125,77 Millionen australische Dollar, während das bereinigte EBITDA mit einem Minus von 12,4 Millionen Dollar tiefrot blieb. Auch der bilanzielle Nettoverlust fiel hoch aus, ein beträchtlicher Leerverkaufsanteil lastet zusätzlich auf dem Kurs.

Hensoldt: Lufttaxi-Auftrag als Diversifizierungssignal, Kurs bleibt unter Druck

Hensoldt wagt sich in neues ziviles Terrain. Ein Auftrag zur Ausrüstung eines elektrischen Lufttaxis in Indien erschließt Dual-Use-Anwendungen abseits des klassischen Rüstungsgeschäfts.

Am Kurs ändert das vorerst wenig. Die Aktie schloss am Freitag bei 80,40 Euro, ein Minus von 1,7 Prozent, nach einem Rückgang von 7,7 Prozent binnen einer Woche.

Der Ausverkauf trifft ein Unternehmen, das operativ liefert. Die Jahresziele für Umsatz und Marge blieben zuletzt bestätigt, doch der breitere Abwärtssog im europäischen Rüstungssektor macht auch vor Hensoldt nicht halt.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 9,5 Prozent zu Buche – Hensoldt bestätigte für 2026 einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent. Die Analystenmeinungen könnten kaum weiter auseinanderliegen: Morningstar stufte die Aktie zuletzt auf Kaufen hoch, während mwb research ein Verkaufen-Rating vergab und auf die Abhängigkeit von gepanzerten Fahrzeugen verwies. Mit einem KGV von 43,4 ist bereits viel Zuversicht eingepreist.

Airbus: Einigung in Spanien, aber der Liefer-Endspurt wird eng

Airbus vermeldete nach wochenlangem Arbeitskonflikt eine seltene positive Nachricht von der Personalfront. Der Flugzeugbauer erzielte eine vorläufige Einigung mit vier Gewerkschaften in Spanien – ein möglicher Durchbruch nach Streiks, die die spanischen Werke belastet hatten.

Die größte Airbus-Gewerkschaft im Land, CCOO, hatte sich der Aktion zunächst nicht angeschlossen, drohte aber mit einem unbefristeten Streik, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Diese Drohkulisse ist nun vorerst vom Tisch.

Die Aktie honorierte die Nachricht mit einem moderaten Plus und schloss am Freitag bei 198,90 Euro, ein Zugewinn von 0,9 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Titel mit 0,7 Prozent nur hauchdünn im Plus.

Der eigentliche Belastungstest liegt in den Auslieferungszahlen. Bis Ende August waren rund 466 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert, gut sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – doch das Tempo hat sich zuletzt spürbar verlangsamt. Im Juli wurden noch 67 Maschinen ausgeliefert, im August nur noch 48 – für das Jahresziel von 870 Flugzeugen braucht es im Schlussquartal deutlich mehr Tempo als zuletzt.

mwb research hält das Ziel dennoch für erreichbar und bestätigt die Kaufempfehlung, auch weil die langfristigen Umsatzschätzungen steigen: Für 2026 wird mit rund 80,6 Milliarden Euro gerechnet, nach 73,4 Milliarden im Vorjahr.

AeroVironment: Erster US-Serienauftrag für Laserwaffen sorgt kurz für Feuerwerk

AeroVironment lieferte den klarsten positiven Impuls im gesamten Sektor. Die US Army vergab einen Auftrag über 464,8 Millionen US-Dollar für die Serienproduktion des LOCUST-X3-Lasersystems im Rahmen des Enduring-High-Energy-Laser-Programms – der erste Produktionsauftrag für gerichtete Energiewaffen in der Geschichte der USA.

Das 30-Kilowatt-System ist plattformunabhängig konzipiert und soll Drohnen der Gruppen 1 bis 3 abwehren. Mit dem Auftrag verlässt die Technologie das Prototypenstadium und geht erstmals in Serienfertigung.

Der Kurssprung erwies sich als kurzlebig. Am Freitag schloss die Aktie bei 124,20 Euro, ein Rückgang von 1,9 Prozent – ein Teil der anfänglichen Kursgewinne wurde damit wieder abgegeben.

Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 15 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 42 Prozent reduziert. AeroVironment zählt damit trotz des Auftragserfolgs weiterhin zu den schwächsten Werten im Sektor.

Ein Analyst bekräftigte am Tag der Meldung sein Kaufrating mit einem Kursziel von 220 US-Dollar und verwies darauf, dass frühe Auslieferungen bereits im Finanzausblick für das Geschäftsjahr 2027 berücksichtigt seien. Der Umsatzbeitrag dürfte sich über mehrere Jahre strecken und dabei stärker in die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2027 fallen.

Vergleichende Sektor-Dynamik

Die fünf Aktien zeigen drei unterschiedliche Reaktionsmuster auf denselben Superzyklus:

  • Rheinmetall & Hensoldt: Rekordaufträge und bestätigte Prognosen treffen auf Sorgen um Lieferqualität, Projektabsagen und ambitionierte Bewertungen nach Jahren der Outperformance.
  • AeroVironment: Ein einzelner, klar umrissener Auftragsgewinn in einer aufstrebenden Waffenkategorie bewegte den Kurs kurzfristig deutlich – der Effekt verpuffte binnen weniger Tage teilweise wieder.
  • DroneShield: Dreistelliges Umsatzwachstum trifft auf vertiefte Verluste, eine laufende Regulierungsuntersuchung und hohen Leerverkaufsanteil – die Aktie bleibt trotz Auftragsgewinnen nahe mehrjähriger Tiefs.
  • Airbus: Operatives Ausführungsrisiko statt Auftragsbuch-Sorgen – das zivile Lieferziel und die Arbeitsbeziehungen in Spanien bestimmen die kurzfristige Stimmung stärker als jeder neue Auftrag.

Über alle fünf Namen hinweg zeigt sich: Der Markt belohnt nicht mehr automatisch jede „mehr Verteidigungsausgaben“-Schlagzeile. Auftragsbuchqualität, Cash-Generierung und Lieferzuverlässigkeit werden deutlich genauer geprüft als in der Anfangsphase von Europas Aufrüstungszyklus.

Rüstungsaktien zwischen Rekordbüchern und Vertrauensfrage

Für Rheinmetall und Hensoldt dürften weitere Signale zu Lieferzeiten und Qualitätssicherung über die nächste Kursrichtung entscheiden, ergänzt um Fortschritte bei großen deutschen Beschaffungsprogrammen. Bei Hensoldt deutet die Kluft zwischen Morningstar-Upgrade und dem Sell-Rating von mwb research darauf hin, dass die Aktie volatil bleibt, bis neue Auftragseingänge oder Margendaten die Lücke schließen.

Der weitere Weg von DroneShield hängt stark davon ab, ob sich die Governance-Untersuchung auflöst und ob sich gebundene Aufträge in verbuchten Umsatz verwandeln lassen, ohne die Margen weiter zu belasten. Airbus-Investoren beobachten, ob die Einigung in Spanien eine Ratifizierungsabstimmung übersteht und ob der Liefer-Endspurt im vierten Quartal die Lücke zum 870-Jet-Ziel schließt.

AeroVironment hat mit dem Laserauftrag einen Präzedenzfall geschaffen, der weitere Beschaffungen im Bereich gerichteter Energie im gesamten US-Militär eröffnen könnte – vorausgesetzt, auf die zunächst gedämpfte Kursreaktion folgen konkrete Folgeaufträge. Die Divergenz zwischen operativer Stärke und Kursschwäche dürfte den Sektor vorerst prägen.

Anzeige

Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 6. September liefert die Antwort:

Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Rheinmetall: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Rheinmetall

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.