Juli 2026 auf ein neues 52-Wochen-Tief von 14,35 Euro gefallen. Auslöser war eine seit Anfang Juli bekannte Entwicklung: Der Neobroker Trade Republic hat seinen Orderflow von der LS Exchange entkoppelt und leitet Kundenaufträge inzwischen an bis zu 30 alternative Handelsplätze, darunter Xetra, die NYSE und die Nasdaq. Lang & Schwarz hatte diese technische Neuausrichtung von Trade Republic bereits in einer Ad-hoc-Mitteilung Anfang Juli bestätigt.
Kurs unter Druck, Erholung vom Tief
Zum Schluss des vergangenen Handelstages notierte die Aktie bei 15,80 Euro und damit gut zehn Prozent über dem Tiefpunkt vom 14. Juli. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 12,22 Prozent zu Buche, über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kursverlust auf 42,12 Prozent summiert. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 76,84 Millionen Euro. Der Ausverkauf spiegelt die Sorge der Anleger, dass mit dem Wegfall des exklusiven Trade-Republic-Orderflows ein zentraler Ertragstreiber des Market-Making-Geschäfts wegbricht.
Konzern reagiert mit neuem Geschäftsmodell
Lang & Schwarz hat auf die veränderte Ausgangslage reagiert. In einer Mitteilung vom 16. Juli 2026 kündigte das Unternehmen an, sein Market-Making-Geschäft bis Ende 2026 auf ein sogenanntes Multi-Market-Maker-Modell umzustellen. Ziel der Umstellung ist es, die Abhängigkeit von einzelnen Handelspartnern zu verringern und die Ertragsbasis breiter aufzustellen. Parallel dazu betonte der Vorstand die Kapitalausstattung des Unternehmens: Das bilanzielle Eigenkapital inklusive Fonds für allgemeine Bankrisiken liege deutlich über dem aktuellen Börsenwert der Gesellschaft.
Operatives Geschäft trotz Kursverfalls robust
Von der Talfahrt der Aktie unberührt zeigt sich das operative Geschäft mit strukturierten Produkten. Nach eigenen Angaben erzielte Lang & Schwarz im ersten Halbjahr 2026 in diesem Segment ein Handelsergebnis von rund 30 Millionen Euro, nach etwa 20 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Begleitet wurde dieses Wachstum von mehr als 75.000 Neuemissionen im Bereich der strukturierten Produkte. Die Diskrepanz zwischen einem wachsenden Kerngeschäft und einem einbrechenden Aktienkurs verdeutlicht, wie stark die Bewertung derzeit von der Unsicherheit über die künftige Rolle im Market-Making getrieben wird und weniger von den laufenden operativen Zahlen.
Ausblick: Halbjahreszahlen, Hauptversammlung und Dividende
Für den 21. August 2026 hat Lang & Schwarz die Veröffentlichung des vollständigen Halbjahresabschlusses angekündigt. Wenige Tage später, am 26. August 2026, findet die ordentliche Hauptversammlung statt. Dort soll über eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 abgestimmt werden. Stimmen die Aktionäre zu, ist der Ex-Tag für den 27. August 2026 vorgesehen, der Zahltag für den 31. August 2026.
Für Anleger bündeln sich damit in den kommenden Wochen mehrere Termine, die Klarheit über die weitere Entwicklung bringen könnten: die tatsächlichen Halbjahreszahlen, die Reaktion der Hauptversammlung auf den Dividendenvorschlag und mögliche weitere Details zur Umstellung auf das Multi-Market-Maker-Modell. Bis dahin bleibt der Kurs von der Unsicherheit über die Zukunft des Geschäfts mit dem bisherigen Hauptpartner Trade Republic geprägt.
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