Juli 2026 erstmals ausführlicher zu den Folgen des Bruchs mit ihrem größten Vertriebspartner geäußert. Die Stellungnahme soll Anleger beruhigen, nachdem der Handelsplatzbetreiber in den vergangenen Wochen einen der schwersten Einbrüche seiner Börsengeschichte erlebt hat.
Der Auslöser: Ende der Exklusivpartnerschaft mit Trade Republic
Anfang Juli 2026 verlor Lang & Schwarz die exklusive Partnerschaft mit dem Neobroker Trade Republic. Der Neobroker hatte in einer Ad-hoc-Mitteilung vom 2. Juli 2026 auf eine neue Technologie umgestellt. Für Lang & Schwarz hatte das gravierende Konsequenzen: Das Handelsvolumen brach zeitweise um bis zu 96 Prozent ein, die Aktie verlor in der Spitze bis zu 45 Prozent ihres Werts. Trade Republic war über Jahre der zentrale Orderstrom-Lieferant für das Handelsgeschäft des Unternehmens gewesen, entsprechend hart traf der Wegfall das Geschäftsmodell.
Stellungnahme vom 16. Juli: Wachstum im Derivategeschäft, aber vage Pläne fürs Market Making
In der am Donnerstag um 13:21 Uhr veröffentlichten Corporate News verweist Lang & Schwarz auf die Entwicklung des Derivatesegments als Gegengewicht zum Rückschlag im Market Making. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte dieser Bereich ein Ergebnis von 30 Millionen Euro, ein Plus von 10 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der eigenen Produkte stieg auf 75.000, ein Zuwachs von 66 Prozent.
Für das durch Trade Republic beschädigte Market-Making-Geschäft kündigt das Unternehmen einen Umbau an: Ein neues Multi-Market-Maker-Modell soll bis zum Jahresende etabliert werden. Details dazu blieben jedoch vage, eine Genehmigung der neuen Struktur steht noch aus. Zudem räumt Lang & Schwarz selbst ein, dass der Wegfall der Orderströme von Trade Republic voraussichtlich nicht vollständig ersetzt werden kann – eine Einschränkung, die die Tragweite des Vertrauensverlusts unterstreicht.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Stellungnahme sorgte im Tagesverlauf zunächst für eine positive Reaktion an der Börse, konnte den mittelfristigen Abwärtstrend aber nicht durchbrechen. Zum Handelsschluss am Donnerstag notierte die Aktie bei 15,32 Euro. Auf Wochensicht steht damit weiterhin ein Minus von 14,89 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 13,5 signalisiert eine deutlich überverkaufte Situation – ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf der vergangenen Wochen den charttechnischen Rahmen bereits stark strapaziert hat.
Die Stellungnahme liefert damit zwar erste belastbare Zahlen zum operativen Geschäft, räumt aber zugleich ein, dass die zentrale Wunde – der Verlust des wichtigsten Vertriebspartners – nicht kurzfristig heilen wird. Ob das geplante Multi-Market-Maker-Modell bis Jahresende tatsächlich umgesetzt wird und wie stark es den fehlenden Orderstrom kompensieren kann, bleibt der entscheidende Faktor für die weitere Kursentwicklung.
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