In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern entscheiden die Bürger über neue Landesparlamente, doch die eigentliche Sprengkraft reicht bis ins Bundeskanzleramt. Die Abstimmungen gelten als Richtungswahl für das Fortbestehen der schwarz-roten Koalition im Bund. Ein schwaches Abschneiden der CDU dürfte die Debatte über die politische Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz unmittelbar anheizen.
Die Wahllokale sind seit 8.00 Uhr geöffnet und schließen um 18.00 Uhr. In beiden Bundesländern dürfen erstmals bereits Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben.
Berlin vor einem Regierungswechsel
In der Bundeshauptstadt sind rund 2,5 Millionen Menschen zur Wahl des Abgeordnetenhauses aufgerufen. Für die seit 2023 regierende Koalition aus CDU und SPD zeichnet sich der Verlust der parlamentarischen Mehrheit ab. Regierungsbündnisse wären nach bisherigen Erhebungen wohl nur noch zu dritt möglich.
Umfragen sahen die CDU und die Linke mit Werten zwischen 20 und 23 Prozent in einem Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz eins. Die SPD liegt mit Werten zwischen 10 und 15 Prozent weit abgeschlagen.
Hintergrund des Berliner Machtkampfes ist auch ein personeller Wechsel an der Spitze der Landes-CDU. Die Berliner Christdemokraten hatten Finanzsenator Stefan Evers als Spitzenkandidaten aufgestellt, nachdem der bisherige Regierende Bürgermeister Kai Wegner nach Vorwürfen um falsche Angaben zu einem großen Stromausfall abgelöst worden war. Sollte die Linke stärkste Kraft werden, strebt deren Spitzenkandidatin Elif Eralp die Vergesellschaftung von rund 220.000 Wohnungen großer Immobilienkonzerne an.
Kopf-an-Kopf-Rennen im Nordosten
Im Nordosten sind rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte an die Urnen gerufen. In Mecklenburg-Vorpommern lieferten sich die amtierende SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und die AfD zuletzt ein direktes Duell. Erhebungen sahen die AfD bei 36 bis 38 Prozent, während die SPD auf 33 bis 37 Prozent kam.
Für die CDU zeichnete sich dort ein ernüchterndes Ergebnis ab. Die Partei rutschte in Umfragen in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde ab und notierte zuletzt bei rund 7 Prozent. Andere im Landtag vertretene Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD bereits ausgeschlossen.
Rechnerische Mehrheiten abseits der AfD hängen vor allem am Einzug kleinerer Parteien wie den Grünen, die zuletzt um die Fünf-Prozent-Marke schwankten.
Erste Weichenstellungen am Abend
Verliert die CDU in der Hauptstadt das Rote Rathaus und verharrt im Nordosten im einstelligen Prozentbereich, gerät die Führung in Berlin unter unmittelbaren Handlungsdruck. Merz hat das CDU-Präsidium für den Sonntagabend ins Konrad-Adenauer-Haus geladen, um den Wahlausgang zu analysieren. Erste belastbare Zwischenergebnisse der Auszählungen werden ab 19.00 Uhr erwartet, vorläufige amtliche Endergebnisse nach 23.00 Uhr.
