Die Auftragsbücher quellen über, die Langfristperspektive glänzt. Aber an der Börse brennt bei Lam Research plötzlich die Luft. Innerhalb weniger Tage stürzte das Papier massiv ab. Ein brisanter Insider-Verkauf verschärft die Lage.
Am Donnerstag ging der Titel bei 351,41 US-Dollar aus dem Handel. Noch am 30. Juni markierte der Halbleiterausrüster ein frisches Allzeithoch. Seitdem verlor die Aktie knapp 20 Prozent an Wert.
Gewinnmitnahmen prägen nun das Bild. Dennoch steht seit Jahresbeginn weiterhin ein sattes Plus von fast 90 Prozent auf der Anzeigetafel. Der rasante Aufstieg lockt offenbar auch das Management an die Seitenlinie.
Chefetage macht Kasse
CEO Timothy Archer kündigte an, 30.000 Aktien abstoßen zu wollen. Dieser Schritt erfolgte passend zum jüngsten Kursrutsch Anfang Juli. Investoren reagieren auf solche Signale extrem empfindlich. Kein Wunder. Schließlich wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 76 gehandelt. Das ist mehr als doppelt so teuer wie der Branchendurchschnitt.
KI-Boom treibt das Geschäft
Operativ läuft es rund. Lam Research liefert unverzichtbare Anlagen für die Produktion von KI-Chips. Vor allem das sogenannte Advanced Packaging treibt das Wachstum. Hier rechnet das Management für das laufende Kalenderjahr mit einem Umsatzsprung von über 50 Prozent.
Analysten erwarten daher starke Quartalszahlen. Der Gewinn je Aktie soll um 26 Prozent auf 1,68 Dollar klettern. Der Umsatz dürfte parallel dazu die Marke von 6,6 Milliarden Dollar knacken.
Risiken in China
Trotz der vollen Auftragsbücher droht Gegenwind. Das Marktwachstum für Systemauslieferungen könnte sich drastisch abkühlen. Nach einem extrem starken Vorjahr erwarten Marktbeobachter für 2026 nur noch ein Plus von drei Prozent.
Ein weiteres Risiko ist die geografische Abhängigkeit. Das China-Geschäft macht rund 34 Prozent der Gesamterlöse aus. Schärfere US-Exportkontrollen könnten hier schmerzhafte Bremsspuren hinterlassen. Der potenzielle Umsatzverlust beläuft sich auf bis zu 600 Millionen Dollar im aktuellen Geschäftsjahr.
Der anstehende Quartalsbericht wird zum Lackmustest. Lam Research muss beweisen, dass die hohe Bewertung berechtigt ist. Übertreffen die Zahlen die Konsensschätzung von 1,68 Dollar je Aktie, dürfte das die Talfahrt stoppen. Enttäuscht der Ausblick jedoch, rückt schnell die 50-Tage-Linie bei rund 321 US-Dollar als nächste Auffangzone in den Fokus.
