Der Einstieg von Elliott Investment Management bei Air Liquide liegt inzwischen rund zwei Wochen zurück, der Kurs hat seither rund 3,0 Prozent verloren. Während die Aktivisten-Debatte abklingt, rücken nun die Einschätzungen der Analysten in den Vordergrund – und die fallen bemerkenswert unterschiedlich aus.
Mizuho Securities nahm die Bewertung Anfang September neu auf und vergab ein Outperform-Rating mit einem Kursziel von 200 Euro. CIC Market Solutions bestätigte zeitgleich seine Kaufempfehlung mit demselben Kursziel.
Beide Häuser sehen demnach deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau. JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi bewertet die Aktie dagegen mit Neutral und hob sein Kursziel lediglich von 160 auf 162 Euro an – eine deutlich zurückhaltendere Einschätzung als die der beiden anderen Häuser.
Große Spanne bei den Kurszielen
Die Differenz zwischen den Kurszielen ist erheblich: Während Mizuho und CIC Market Solutions beim Höchstwert von 200 Euro liegen, sieht JPMorgan die faire Bewertung bei 162 Euro. Diese Spanne spiegelt die Unsicherheit wider, wie stark Air Liquide seine Margen tatsächlich verbessern kann und wie viel vom Elliott-Effekt bereits eingepreist ist.
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 167,30 Euro, nach einem Tagesgewinn von 0,8 Prozent. Damit notiert das Papier zwischen den beiden Analystenlagern – näher am JPMorgan-Kursziel als an den optimistischeren Einschätzungen von Mizuho und CIC. Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie mit 4,1 Prozent im Plus, was angesichts der jüngsten Turbulenzen um den Aktivisten-Einstieg als solide Basisperformance gelten kann.
Was die Bewertungen für Anleger bedeuten
Die divergierenden Einschätzungen zeigen, dass der Markt die Erfolgsaussichten der von Elliott geforderten Margenoffensive unterschiedlich gewichtet. Reuters hatte berichtet, dass sich der Investor bereits seit Monaten mit dem Management austauscht und auf Veränderungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit drängt.
Air Liquide hat Medienberichten zufolge inzwischen Berater zur Abwehr aktivistischer Investoren hinzugezogen – ein Schritt, der auf eine defensive Grundhaltung des Managements hindeutet.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob das Unternehmen konkrete Maßnahmen präsentiert, die das optimistischere Szenario von Mizuho und CIC stützen, oder ob sich die zurückhaltendere JPMorgan-Sicht bestätigt. Die aktuellen Kursziele markieren damit weniger eine Einigkeit der Analystengemeinde als vielmehr die Bandbreite möglicher Ausgänge des Ringens zwischen Elliott und dem Management.
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