DZ Bank und Berenberg haben gestern ihre Bewertungsziele für Krones gesenkt, halten aber an ihren Kaufempfehlungen fest. Die Begründungen unterscheiden sich: Während die DZ Bank auf die Bewertung und geklärte Erwartungen verweist, sieht Berenberg die Belastungen der Kundennachfrage als vorübergehend an. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, wie dauerhaft die Wachstumsschwäche ausfällt.
DZ Bank setzt auf bereinigte Erwartungen
Die DZ Bank reduzierte den fairen Wert von 160 auf 131 Euro. Die Einstufung für Krones lautet weiterhin „Kaufen“.
Analyst Thorsten Reigber hält die Aktie im Branchenvergleich für günstig bewertet. Positiv wertet er außerdem, dass die Unsicherheit über das ambitionierte mittelfristige Umsatzziel aus dem Markt sei. Die niedrigeren Unternehmensziele bedeuten aus seiner Sicht damit auch klarere Erwartungen.
Gleichzeitig kürzte Reigber seine EBITDA-Prognosen für 2027 und 2028 um bis zu 11 %. Seine Kaufempfehlung beruht also nicht auf unveränderten Gewinnerwartungen, sondern besteht trotz der nach unten angepassten Schätzungen.
Die Unterscheidung ist wesentlich: Ein gesenktes Bewertungsziel signalisiert vorsichtigere Annahmen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Analyst die Aktie nicht mehr für attraktiv hält.
Berenberg sieht vorübergehende Investitionsbremse
Berenberg senkte das Kursziel von 164 auf 158 Euro und bestätigte ebenfalls die Kaufempfehlung. Analyst Robert-Jan van der Horst sieht den jüngsten Kursrückgang als Kaufgelegenheit.
Die schwächer als erwartete Umsatzentwicklung des Abfüllanlagenherstellers erklärt er mit begrenzten Investitionsbudgets der Kunden. Gestiegene Energiekosten schränkten deren Spielraum ein. Dieser Effekt dürfte nach seiner Einschätzung vorübergehend sein.
Andere Analysten urteilen vorsichtiger. Sie sehen in den reduzierten Wachstumszielen zwar keinen Beleg für einen beginnenden Auftragsabschwung. Die Anpassung könnte aber auf eine begrenzte Auftragsdynamik in den kommenden Jahren hindeuten. Der zentrale Unterschied liegt somit in der erwarteten Dauer der Nachfrageschwäche.
Stabile Jahresmarge begrenzt die Entwarnung
Den Hintergrund der Neubewertungen bildet die bereits gesenkte Wachstumsprognose: Krones erwartet für 2026 währungsbereinigt nur noch 1–2 % Umsatzplus statt zuvor 3–5 %.
Die Belastungen betreffen vor allem das Wachstum. Schwache Schlüsselmärkte, höhere Kundenkosten und geopolitische Unsicherheit bremsen die Investitionen. Zugleich hält Krones an der erwarteten Profitabilität des laufenden Jahres fest.
Für 2026 bleibt die Prognose der EBITDA-Marge bei 10,7–11,1 %. Das mittelfristige Margenziel wurde dagegen reduziert.
Damit stützen sich die positiven Analystenurteile auf unterschiedliche Argumente: eine günstige relative Bewertung, realistischere Erwartungen und die Aussicht auf eine vorübergehende Investitionsschwäche. Eine bereits bestätigte Nachfrageerholung gehört nicht dazu. Die für den 6. November angekündigten Quartalszahlen bilden den nächsten Prüfpunkt für diese Einschätzungen.
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