Die Finanzmärkte bekamen am Donnerstag eine kalte Dusche. Trumps nächtliche Fernsehansprache zerstreute alle Hoffnungen auf eine baldige Waffenruhe im Nahen Osten — und löste prompt genau die Marktbewegungen aus, die Anleger nach einem brutalen März kaum noch sehen wollten: Aktienverkäufe, steigende Ölpreise, ein erstarkender Dollar.
Trumps Eskalation erschüttert Märkte
19 Minuten. So lange brauchte Trump, um die kurze Erholung der vergangenen zwei Handelstage zunichtezumachen. Der US-Präsident kündigte an, den Iran in den nächsten zwei bis drei Wochen „extrem hart“ zu treffen — und ließ damit keinen Zweifel: Eine Deeskalation ist vorerst nicht in Sicht.
Die Reaktion war unmittelbar. Brent-Rohöl kletterte erneut deutlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel. US-amerikanische und europäische Aktienfutures wiesen auf ein Eröffnungsminus von mehr als einem Prozent hin. Asiatische Börsen schlossen fast ausnahmslos tiefer — kein Wunder, denn die Region ist besonders exponiert: Die meisten asiatischen Volkswirtschaften beziehen den Großteil ihres Energiebedarfs aus dem Persischen Golf.
Die Straße von Hormus bleibt dabei das zentrale Nadelöhr. Rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handels fließen durch diesen Kanal. Trump selbst lehnte es erneut ab, die USA bei der Wiedereröffnung in die Pflicht zu nehmen — und forderte stattdessen die abhängigen Länder auf, das Problem selbst zu lösen.
Dollar und Zentralbanken im Spannungsfeld
Für den Dollar war Trumps Auftritt ein willkommener Katalysator. Die US-Währung hatte in den vergangenen zwei Handelstagen nachgegeben, weil Anleger auf eine Entspannung im Krieg gesetzt hatten. Dieses Kalkül ist nun hinfällig. Der Dollar-Index notierte am Donnerstagmorgen bei 99,56 — kaum verändert, aber mit klarer Aufwärtstendenz.
Auf längere Sicht bleibt das Bild komplizierter. Zwar legte der Greenback im ersten Quartal 2026 rund 1,6 Prozent zu — seine stärkste Quartalsperformance seit Ende 2024. Doch Analysten warnen vor strukturellem Gegenwind: Der Anteil des Dollars an den weltweiten Devisenreserven sinkt langsam aber stetig, wie aktuelle IWF-Daten belegen. Euro und Yuan gelten als Hauptnutznießer dieses graduellen Wandels.
Die Zentralbanken sitzen derweil in der Klemme. Im März hielten die meisten großen Notenbanken ihre Leitzinsen unverändert — neun Sitzungen in entwickelten Volkswirtschaften, acht davon ohne Änderung. Australien war die einzige Ausnahme mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte. Die Investoren haben Fed-Zinssenkungen für 2026 inzwischen weitgehend aus ihren Kalkulationen gestrichen. Für die Europäische Zentralbank und die Bank of England preist der Markt hingegen zwei bis drei Anhebungen ein.
Das Dilemma der Notenbanker
Hinter dieser Vorsicht steckt ein grundlegendes Problem: Wie tief reichen die Inflationserwartungen wirklich? Tom Barkin, Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond, beschreibt es treffend: Er versuche, sich in die Köpfe von Preissetzern hineinzudenken — und sehe bislang keine klaren Anzeichen dafür, dass die Erwartungen kippen.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel bringt eine wichtige Nuance ins Spiel: Nach der Inflationswelle von 2022 reagieren Unternehmen und Haushalte sensibler auf Preissignale. Firmen passen ihre Preise heute viel häufiger an als vor der Pandemie — die Frequenz der Änderungen ist damit selbst ein Warnsignal. Bank-of-England-Chef Andrew Bailey hingegen betont die dämpfenden Faktoren: schwächelnder Arbeitsmarkt, knappe Staatsfinanzen, kaum Preissetzungsmacht in den meisten Sektoren.
Das Ergebnis dieser Unsicherheit ist Passivität auf breiter Front. Notenbanken beobachten, messen, verfeinern ihre Modelle — aber handeln noch nicht. Je länger der Krieg andauert und Energiepreise hochhält, desto größer wird der Druck, irgendwann doch reagieren zu müssen.
Hongkong: Lichtblick am Rande
Inmitten der globalen Turbulenzen gibt es zumindest eine Nische, in der sich Optimismus breitmacht. Hongkongs Büromarkt in den Toplagen — nach fast sieben Jahren im freien Fall — zeigt erste Anzeichen einer Bodenbildung.
Der Auslöser ist das Kapitalmarktgeschäft. 2025 war ein Rekordjahr für Börsengänge in Hongkong: Die eingesammelten Mittel sprangen um 231 Prozent auf 37 Milliarden Dollar. Hedgefonds und Vermögensverwalter suchen Büroflächen so aggressiv wie seit Jahren nicht mehr — obwohl der Sektor weniger als zwei Prozent der gesamten Bürofläche belegt, entfiel auf ihn zuletzt 18 Prozent der gesamten Nettomieternachfrage.
Chinesische Technologiekonzerne kaufen derweil lieber als zu mieten: JD.com sicherte sich im Dezember einen 50-Prozent-Anteil an einem Büroturm im Central-Distrikt für 450 Millionen Dollar. Alibaba und Ant Group investierten 925 Millionen Dollar in 13 Etagen eines neuen Mandarin-Oriental-Gebäudes. Die Spitzenmieten in Central stiegen in den ersten zwei Monaten 2026 um 3,5 Prozent, der Leerstand fiel auf 9,9 Prozent.
Die Erholung ist allerdings selektiv. Der stadtweite Leerstand liegt bei 13,4 Prozent, in Kowloon Ost sogar bei 19,5 Prozent. Gesamthaft sind Büromieten und -bewertungen seit 2019 um mehr als 50 Prozent eingebrochen. S&P fasst es nüchtern zusammen: Die Erholung konzentriere sich auf ausgewählte Premiumobjekte — und sei alles andere als flächendeckend.
Ausblick: Viele offene Enden
Was bleibt, ist ein Bild globaler Unsicherheit mit wenigen Lichtblicken. Trump hat den Ball an die ölabhängigen Staaten gespielt, ohne selbst einen Ausweg zu zeigen. Die Notenbanken lavieren zwischen Inflationsangst und Wachstumsschwäche — und warten auf Daten, die ihnen die Entscheidung abnehmen. Heute Nachmittag stehen die US-Arbeitslosen-Erstanträge an, morgen der monatliche Beschäftigungsbericht. Erwartet werden für März lediglich 60.000 neue Stellen. Ein schwaches Ergebnis könnte die Fed-Zinsdebatte neu entfachen — und den Märkten zum Ende einer turbulenten Woche einen weiteren Stresstest bescheren.
