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Krieg lähmt die Weltwirtschaft

Der Iran-Krieg stoppt die Erholung der deutschen Wirtschaft und treibt die globalen Rohstoffpreise in die Höhe.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Deutscher PMI fällt unter 50 Punkte
  • Dienstleistungssektor auf Tiefstand seit 2022
  • Indien zeigt robustes Wirtschaftswachstum
  • Notenbanken zögern mit Zinssenkungen

Der Iran-Krieg ist längst kein regionales Ereignis mehr. Er trifft Europas Industrie, treibt Rohstoffpreise in die Höhe und zwingt Notenbanken weltweit zum Umdenken. Die globalen Finanzmärkte kämpfen täglich neu um die Frage: Wie viel Risiko lässt sich noch verdauen?

Deutschland rutscht zurück in die Schwäche

Das Signal hätte kaum schärfer ausfallen können. Der deutsche Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Privatsektor fiel im April auf 48,3 – nach 51,9 im März. Damit liegt er zum ersten Mal seit fast einem Jahr unter der Wachstumsschwelle von 50. Analysten hatten mit einem Wert von 51,2 gerechnet. Die Realität sieht anders aus.

Besonders hart trifft es den Dienstleistungssektor. Sein PMI sackte auf 46,9 – den niedrigsten Stand seit Ende 2022. „Die Erholung der deutschen Wirtschaft wurde durch den Krieg im Nahen Osten abrupt gestoppt“, sagt Phil Smith vom Analysehaus S&P Global Market Intelligence. Neugeschäfte brechen ein, Kunden zögern, und die Inflationsrate bei Einkaufspreisen erreicht den höchsten Stand seit November 2022.

Das Verarbeitende Gewerbe wächst noch – knapp. Der entsprechende PMI liegt bei 51,2. Doch auch hier warnt Smith: Die Warnzeichen mehren sich, dass selbst dieser Bereich bald kippen könnte. Unternehmen entlassen bereits seit fast zwei Jahren Mitarbeiter. Und der Ausblick der Firmen ist so düster wie zuletzt im September 2024.

Ein Schock, viele Kanäle

Der gesperrte Seeweg durch die Straße von Hormus ist das verbindende Element hinter vielen dieser Entwicklungen. Iran hat zuletzt zwei Schiffe beschlagnahmt, die USA blockieren iranische Tanker in asiatischen Gewässern. Brent-Öl kostet wieder deutlich über 100 Dollar pro Barrel.

Das trifft nicht nur Deutschland. Indien, der zweitgrößte Importeur von Flüssiggas weltweit, kämpft mit einer akuten Versorgungskrise. Die Regierung priorisiert bereits private Haushalte vor der Industrie – mit absehbaren Folgen für die Produktion. Auch das Verbrauchervertrauen leidet: Der neuseeländische Finanzminister sprach von einer verzögerten Konjunkturerholung seines Landes, Deutschland kürzte seine Wachstumsprognosen für 2026 und 2027.

Am Devisenmarkt zeigt sich die Nervosität deutlich. Der Euro rutschte auf das tiefste Niveau seit dem 13. April, der US-Dollar-Index notiert nahe einem Anderthalbwochenhoch. Sicherer Hafen oder Inflationsproblem? Für den Dollar gilt beides gleichzeitig. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen wird die US-Notenbank Federal Reserve frühestens in sechs Monaten die Zinsen senken – der kriegsbedingte Energieschock hat die Inflationserwartungen neu entfacht.

Indien als lichterer Gegenpol

Während Europa unter dem Energieschock strauchelt, beschleunigt sich Indiens Privatsektor. Der HSBC-Composite-PMI kletterte im April auf 58,3, nach 57,0 im März. Das Wachstum hält sich bereits seit fast fünf Jahren ununterbrochen oberhalb der 50-Punkte-Schwelle.

Besonders stark: das Verarbeitende Gewerbe. Der PMI sprang auf 55,9, der Outputindex sogar auf 59,1. Auch der Arbeitsmarkt floriert – Neueinstellungen stiegen so schnell wie zuletzt vor zehn Monaten. Die Binnennachfrage zieht an, pünktlich zum Beginn des neuen Fiskaljahres.

Doch auch Indien bleibt nicht unberührt. Der IWF hat die Wachstumsprognose auf 6,5 Prozent gedeckelt und auf Inflationsrisiken hingewiesen. Dienstleistungsexporte verzeichneten den schwächsten Anstieg seit über einem Jahr – von den Befragten direkt auf den Krieg zurückgeführt. Die Rohstoffpreise bleiben auf dem zweithöchsten Stand seit fast drei Jahren.

Notenbanken im Spannungsfeld

Die Bank of Japan steht exemplarisch für das Dilemma vieler Zentralbanken. Auf ihrer Sitzung Ende April wird sie die Zinsen bei 0,75 Prozent belassen – das gilt als sicher. Spannend ist aber, was danach kommt. Interne Quellen signalisieren, dass die BOJ eine Zinserhöhung im Juni oder Juli vorbereitet und ihre Kommunikation entsprechend anpassen will.

Japan ist stark auf Ölimporte angewiesen. Der Energieschock trifft das Land deshalb unmittelbar – und heizt gleichzeitig eine bereits seit Jahren laufende Inflation weiter an. „Das Preissetzungsverhalten der Unternehmen hat sich verändert“, sagt Tetsuya Inoue von Sony Financial Group. Zweitrundeneffekte, bei denen steigende Preise höhere Lohnforderungen anstoßen, sind das zentrale Risiko, das die BOJ im Blick behält. Nahezu zwei Drittel der von Reuters befragten Ökonomen erwarten, dass der Leitzins bis Ende Juni auf 1,0 Prozent steigt.

Chinas Automobilindustrie sucht den Ausweg nach außen

Einen anderen Ausweg aus wirtschaftlichem Druck sucht China – über seine Automobilindustrie. Ein jahrelanger Preiskampf im Inland hat die Margen erodiert. Chinas Autoverkäufe fielen im ersten Quartal um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Antwort der Hersteller: Internationalisierung.

EV-Hersteller wie Xpeng bauen ihre globale Präsenz aus. Xpeng-Präsident Brian Gu erklärte, dass in fünf bis zehn Jahren über 50 Prozent des Umsatzes aus dem Ausland kommen sollen – derzeit sind es rund 15 Prozent. Fliegende Autos, Robotaxis, Humanoide Roboter: Das Unternehmen hat über 7.000 Vorbestellungen für seine Flugautos erhalten und plant für 2027 weltweite Partnertests.

In Europa bleiben chinesische Elektrofahrzeuge trotz Strafzöllen preislich wettbewerbsfähig. Der US-Markt bleibt vorerst verschlossen. Doch der strategische Kurs ist klar: Chinas Autoindustrie braucht die Welt, weil der Heimatmarkt allein nicht mehr reicht.

Ausblick: Belastungsprobe ohne klares Ende

Die Belastungsprobe für die Weltwirtschaft ist real – und sie hat noch kein Ende gefunden. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, werden Energiepreise hoch bleiben, Notenbanken zögern und Unternehmen vorsichtig investieren. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der bisherige Schaden auf Europa und den Rohstoffmärkten begrenzt bleibt – oder ob sich der Druck auf breiter Front entlädt.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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