Rekordaufträge auf der einen Seite, ein massiver Kurssturz auf der anderen. Bei Kratos Defense klaffen operative Realität und Börsenwert weit auseinander. Ein überraschendes politisches Abkommen schickt den Drohnenhersteller auf Talfahrt.
Geopolitik drückt den Kurs
Der Auslöser für den jüngsten Kursrutsch liegt in Washington. Präsident Trump verkündete ein Interimsabkommen mit dem Iran. Anleger werten dieses Ende des Konflikts als schlechte Nachricht für Rüstungswerte. Die Folge: ein massiver Abverkauf.
Die Kratos-Aktie notiert aktuell bei 42,30 Euro. Seit dem Jahreshoch im Januar verlor das Papier rund 62 Prozent an Wert.
Der Kurs rutschte tief unter die 200-Tage-Linie. Mit einem RSI von 33,9 gilt der Titel technisch als überverkauft. Das Abkommen startet nun eine 60-tägige Verhandlungsphase. Dabei geht es um die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm.
Analysten sehen massives Potenzial
Abseits der Politik streiten Experten über den wahren Wert des Unternehmens. Ein aktuelles Cashflow-Modell sieht den fairen Wert bei knapp 41 US-Dollar. Demnach wäre die Aktie leicht überbewertet.
Die Wall Street zieht einen völlig anderen Schluss. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 90,76 US-Dollar. Jüngste Einschätzungen von JP Morgan, Citizens und Canaccord Genuity fallen noch optimistischer aus. Sie rufen im Schnitt ein Ziel von über 105 US-Dollar aus.
Rekordaufträge kosten Geld
Operativ liefert Kratos starke Argumente für die Bullen. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um fast 23 Prozent auf 371 Millionen US-Dollar. Der Auftragsbestand erreichte einen Rekordwert von zwei Milliarden US-Dollar. Daraufhin hob das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr an.
Das rasante Wachstum hat seinen Preis. Kratos baut seine Kapazitäten massiv aus. Dafür verbrennt der Konzern im laufenden Jahr voraussichtlich 85 bis 105 Millionen US-Dollar. Diese hohe Kapitalbindung drückt kurzfristig auf die Stimmung der Investoren. Die Gewinnerwartung je Aktie sank zuletzt auf 0,188 US-Dollar.
Neue Märkte im Visier
Kratos ruht sich nicht auf Rüstungsaufträgen aus. Mitte Juni bewies das Unternehmen seine Fähigkeiten im zivilen Sektor. Zwei autonome Lkw fuhren im Konvoi über 2.500 Meilen durch die USA. Ein menschlicher Fahrer steuerte das Führungsfahrzeug. Der zweite Truck folgte komplett automatisiert.
Diese Technologie zielt direkt auf den akuten Fahrermangel in der Logistikbranche ab. Solche zivilen Erfolge stärken das Fundament des Unternehmens. Die kommenden 60 Tage der US-Iran-Verhandlungen diktieren jedoch kurzfristig die Richtung. Hält die politische Entspannung an, bleibt der Druck auf die Aktie hoch.
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