Starke Quartalszahlen, aber Insider ziehen sich zurück. Bei Kratos Defense klaffen operative Stärke und Stimmungssignal aus dem Unternehmen selbst weit auseinander. Das macht die Aktie zu einem ungewöhnlichen Fall.
Insider und Institutionelle auf der Verkäuferseite
In den vergangenen 90 Tagen haben Unternehmensinsider insgesamt rund 196.000 Aktien abgestoßen — ein Volumen von etwa 12,4 Millionen Dollar. Darunter fällt ein Verkauf von Insider Jonah Adelman: Er trennte sich von gut 31.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 57,06 Dollar.
Kein Einzelfall. ARS Investment Partners reduzierte seine Position im ersten Quartal 2026 um knapp 28 Prozent. Virtu Financial hatte im Vorquartal sogar fast die Hälfte seiner Beteiligung verkauft.
Operativ stark, aber Margen dünn
Das Quartalsergebnis selbst war solide. Kratos erzielte einen Gewinn je Aktie von 0,16 Dollar — der Analystenkonsens lag bei 0,13 Dollar. Der Umsatz stieg um 22,6 Prozent auf 371 Millionen Dollar.
Besonders das Segment für unbemannte Systeme wächst: plus 30,9 Prozent im Quartal. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,6 signalisiert volle Auftragsbücher — 605 Millionen Dollar an Neuaufträgen stützen das Bild.
Allerdings bleibt die Nettogewinnmarge mit 2,1 Prozent dünn. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Kratos einen Umsatz zwischen 1,7 und 1,76 Milliarden Dollar. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 170 und 176 Millionen Dollar liegen.
Technisches Bild: Weit unter den Durchschnitten
Die Aktie schloss den Freitag mit einem kleinen Plus von 0,97 Prozent bei 47,74 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von fast 30 Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 68,64 Euro — rund 30 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Der RSI von 43,5 zeigt weder Überverkauf noch Stärke. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 74 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in diesem Titel bleibt.
Analysten sehen das Papier trotzdem mehrheitlich positiv: Der Konsens lautet „Moderate Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 101,35 Dollar. Das entspricht mehr als dem Doppelten des aktuellen Kursniveaus — eine Lücke, die das Misstrauen des Marktes gegenüber dem Wachstumspfad deutlich macht.
In der kommenden Woche rücken das Fed-Sitzungsprotokoll und neue PCE-Inflationsdaten in den Blick. Zuletzt lag die US-Inflation bei 3 Prozent — deutlich über dem Ziel der Notenbank. Für kapitalintensive Rüstungs- und Technologiewerte wie Kratos könnte das die Stimmung weiter belasten.
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