Die Großinvestoren haben ihr Urteil gefällt – und es fällt für Kraft Heinz derzeit wenig schmeichelhaft aus. Auslöser ist der jüngste Börsenbericht von Berkshire Hathaway vom 20. Januar, der einen möglichen Komplettausstieg signalisiert. Seitdem überziehen mehrere Großbanken die Aktie mit skeptischen Kommentaren und gesenkten Kurszielen. Die zentrale Frage am Markt lautet: Wie stark belastet dieser „Überhang“ den Kurs in den nächsten Monaten?
Analysten drehen den Daumen nach unten
Der Stimmungsumschwung kommt nicht aus dem Nichts, sondern direkt aus den Research-Abteilungen der Großbanken. In den Tagen nach der Berkshire-Meldung haben mehrere Institute ihre Einschätzungen spürbar eingetrübt – mit klaren Begründungen.
- Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Underweight“ ab und setzte das Kursziel auf 24 US‑Dollar.
- BNP Paribas Exane liegt noch darunter und veranschlagt nur 22 US‑Dollar.
- JP Morgan bleibt zwar offiziell bei „Neutral“, verweist aber explizit auf das hohe Überhangrisiko.
Im Zentrum steht die schiere Menge an Aktien, die potenziell auf den Markt kommen könnte: 325,4 Millionen Papiere, was einem Anteil von 27,5 % entspricht. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass dieses Paket in absehbarer Zeit wie ein Deckel auf dem Kurs liegt und Erholungen begrenzt.
Kursbild: Erholung mit Handicap
Nach einem deutlichen Rücksetzer am 21. Januar versucht die Kraft-Heinz-Aktie, sich zu stabilisieren. Aktuell notiert sie bei 23,40 US‑Dollar. Damit liegt der Kurs zwar etwas über den jüngsten Tiefs, aber weiterhin klar unter dem 52‑Wochen-Hoch und rund 22 % darunter.
Kurzfristig bewegen sich Anleger in einem engen Korridor: Im Bereich um 22 US‑Dollar verläuft eine wichtige Unterstützungszone, die als psychologisch und technisch relevant gilt. Auf der Oberseite wirkt der Bereich um 24 US‑Dollar – passend zum Morgan-Stanley-Kursziel – als erste Hürde. Rein technisch ist die Aktie damit angeschlagen, aber nicht komplett aus dem Takt.
Berkshire-Faktor: Ende des „Buffett-Puts“
Besonders aufmerksam beobachten Investoren das Verhalten von Berkshire Hathaway unter dem neuen CEO Greg Abel. Anders als Warren Buffett, der trotz eigener Skepsis an der Beteiligung festgehalten und sie einmal als „keine brillante Idee“ bezeichnet hatte, scheint Abel entschlossener aufzuräumen.
Der mögliche vollständige Ausstieg wird vom Markt als strategisches Signal verstanden: Kapital soll offenbar in andere, attraktiver bewertete Chancen umgelenkt werden. Damit entfällt auch der psychologische Sicherheitsfaktor, den viele als „Buffett-Put“ wahrgenommen hatten – die Vorstellung, dass ein langfristig orientierter Ankeraktionär im Hintergrund Stabilität bietet.
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Für Kraft Heinz bedeutet das: Die eigene Restrukturierung wird durch den Eindruck überlagert, dass der wichtigste Großaktionär das Kapitel lieber schließt als auf eine späte Aufwertung zu warten.
Bewertung: Günstig, aber mit Überhang
Fundamental ergibt sich für klassische Value-Anleger ein zwiespältiges Bild.
- Dividendenrendite: Mit rund 6,75 % ist die laufende Ausschüttung attraktiv und typischerweise ein Magnet für einkommensorientierte Investoren.
- Bewertung: Die Aktie wird zu deutlich niedrigeren Multiplikatoren als im historischen Schnitt gehandelt.
- Verschuldung: Gleichzeitig lasten die hohen Schulden aus der Fusion 2015 weiter auf der Bilanz – ein Punkt, der in einem Umfeld höherer Zinsen stärker ins Gewicht fällt.
Der Haken: Die günstige Bewertung tritt momentan hinter das Liquiditätsrisiko zurück. Solange der Markt damit rechnet, dass mehr als 300 Millionen Aktien potenziell in den freien Handel kommen, dominiert das Verhältnis von Angebot und Nachfrage die Diskussion. Kurzfristige Verbesserungen bei Margen oder Kosten könnten dadurch im Kursverlauf kaum sichtbar werden.
Zusätzlicher Druck für das Management
Zeitlich fällt der Berkshire-Schritt in eine sensible Phase für Kraft Heinz. Seit dem 1. Januar 2026 steht mit Steve Cahillane ein neuer CEO an der Spitze. Parallel läuft ein anspruchsvolles Projekt: Die geplante Aufspaltung in zwei börsennotierte Gesellschaften – „Global Taste Elevation“ und „North American Grocery“ – soll Ende 2026 umgesetzt werden.
Gerade diese geplante Aufteilung sollte eigentlich zusätzlichen Wert sichtbar machen. Dass der größte Anteilseigner vor dem Vollzug dieses Splits aussteigen will, wird von vielen Marktteilnehmern als skeptische Haltung zum potenziellen Zerschlagungswert interpretiert. Für das neue Management steigt damit der Druck, den Kapitalmarkt von der strategischen Logik und dem finanziellen Nutzen des Plans zu überzeugen.
Fazit: Attraktive Kennzahlen, schwerer Rucksack
Die Kraft-Heinz-Aktie steckt aktuell in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen hohe Dividendenrendite und eine im historischen Vergleich niedrige Bewertung, auf der anderen Seite ein außergewöhnlich großer Angebotsüberhang durch den anstehenden Berkshire-Rückzug. Die jüngsten Herabstufungen großer Banken zeigen, dass der Markt diesen Überhang als dominierenden Faktor betrachtet. Solange unklar bleibt, wie und wann das Paket von 325,4 Millionen Aktien platziert wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Titel hinter anderen Konsumwerten zurückbleibt und Erholungen rasch auf Widerstand stoßen.
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