Ein 24-jähriger Student in Seoul verwandelte seine Ersparnisse aus dem Wehrdienst mit einem Hebel von fünf zum Fünfzehnfachen ihres Werts – und verlor fast alles wieder, innerhalb von vier Wochen. Seine Geschichte steht sinnbildlich für einen Markt, der gerade zwischen Euphorie und Zwangsverkäufen schwankt. Der KOSPI, noch vor wenigen Monaten der beste Börsenindex der Welt, zeigt derzeit, wie schnell sich Rekordgewinne in Verluste verkehren können.
Halbleiter-Schwäche und Iran-Krieg drücken auf die Stimmung
Zum Wochenauftakt brach der südkoreanische Leitindex um 4,46 Prozent auf 6.516,27 Punkte ein. Der Rückgang wirkte verzögert: Weil in Südkorea am Freitag ein Feiertag herrschte, schlugen die Verluste im KI- und Halbleitersektor vom Vorwochenende erst am Montag durch. Parallel dazu belastete der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Stimmung – die Verlegung weiterer US-Kampfjets in die Region nährt Sorgen vor einer Ausweitung des Kriegs und einem weiter steigenden Ölpreis.
Der aktuelle Rücksetzer reiht sich in eine Serie heftiger Ausschläge ein. Der Index hatte sich zuvor binnen sechs Monaten mehr als verdoppelt, seither aber mehrfach zweistellig verloren. Diese Achterbahnfahrt trifft auf einen Markt, in dem Privatanleger in ungewöhnlichem Ausmaß mit geliehenem Geld spekulieren.
Margin-Kredite auf Rekordniveau
Laut der Korea Financial Investment Association erreichten die Margin-Kredit-Salden am 24. Juni mit 38,63 Billionen Won einen Höchststand, bis zum 15. Juli sanken sie auf 34,37 Billionen Won. Rechnet man weitere Kreditformen der Bank of Korea hinzu, überstieg die gesamte Investorenverschuldung Ende Mai erstmals 60 Billionen Won – zeitgleich mit der Verwandlung des 4,1 Billionen Dollar schweren Aktienmarkts in den volatilsten der Welt.
Die Aufsichtsbehörden reagieren. Ein Verbot neuer Notierungen gehebelter Einzelaktien-ETFs soll die spekulative Dynamik bremsen – nur zwei Monate, nachdem genau diese Produkte zugelassen worden waren. Die Financial Supervisory Service räumte laut Marktbeobachtern ein, die Genehmigung sei zu vorschnell erfolgt. Für Anleger mit Hebelprodukten bedeutet die aktuelle Volatilität ein asymmetrisches Risiko: Verluste beschleunigen sich in schwachen Phasen deutlich schneller, als sich Gewinne in starken Phasen aufbauen.
Der Student aus Seoul will trotz der durchlebten Verluste an Kreditgeschäften festhalten, sobald er wieder genug Kapital hat. Seine Begründung: Nur der Hebel verspreche jene Geschwindigkeit beim Vermögensaufbau, die er sich angesichts der Immobilienpreise in Seoul – umgerechnet rund vierzehn Jahresgehälter für eine Wohnung – nicht leisten könne zu verpassen. Genau diese Rechnung, gepaart mit der jüngsten Marktvolatilität, macht deutlich, warum Regulierer die Kreditvergabe an Kleinanleger derzeit so genau im Blick behalten.
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